Roman hat schon recht früh angefangen, Videospiele zu spielen. Wie früh? Nun, sagen wir mal, als die Nintendo 64 herauskam, und kurz darauf wurden GoldenEye 007 und Perfect Dark jahrelang zu einem Fixpunkt seines Alltags. Im Laufe der Jahre hat sich Romans Leidenschaft für Spiele auf anderen Konsolen und auch auf das Internet ausgeweitet, wo er die faszinierende Welt der Online Slots, Live Casinos, Poker und Wetten entdeckt hat. Seit über 6 Jahren arbeitet er nun schon mit den besten Plattformen und Software Anbietern zusammen und trägt dazu bei, dass die Branche auf verantwortungsvolle und respektvolle Weise weiterwächst. So ist er schlussendlich bei Gameshub gelandet.
Die Glücksspielforschung schaut seit Jahren sehr genau auf problematisches und pathologisches Spielverhalten. Deutlich weniger bekannt ist jedoch, wie die große Mehrheit der Spieler eigentlich entscheidet: Wann erhöhen sie Einsätze? Wie bewerten sie Risiken? Welche Rolle spielen Preise, Quoten, Jackpots oder Gebühren? Genau diese Lücke stand im Mittelpunkt einer Sonderausgabe des WestLotto-Podcasts „SpielStudio“.
Dort diskutierten Knut Walter, Gründungsgeschäftsführer der Deutschen Stiftung Glücksspielforschung, und Sebastian O. Schneider vom Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomik in Bonn darüber, wie Verhaltensökonomik Spielerschutz und Regulierung künftig weiterbringen könnte. Schneider wurde 2026 mit dem Deutschen Nachwuchsforschungspreis Glücksspielforschung ausgezeichnet.
Forschung schaut bisher vor allem auf problematisches Spiel
Knut Walter sieht eine klare Schieflage. Die bisherige Glücksspielforschung komme stark aus der Suchtforschung und werde durch soziologische sowie volkswirtschaftliche Perspektiven ergänzt. Was dagegen weitgehend fehle, sei eine verhaltensökonomische Betrachtung des normalen Freizeitspiels.
Sein zentraler Punkt: Auch nicht pathologische Spieler treffen Entscheidungen unter Risiko. Sie reagieren auf Gewinne, Verluste, Einsatzhöhen, Quoten, Gebühren, Jackpots und unterschiedliche Produktmechaniken. Trotzdem wissen Forschung, Anbieter und Regulierer erstaunlich wenig darüber, warum reguläre Spieler in bestimmten Situationen so handeln, wie sie handeln.
Diese Lücke ist relevant, weil Spielerschutz nicht erst dann beginnen sollte, wenn ein Verhalten bereits problematisch geworden ist. Wer normales Spiel besser versteht, kann frühere, feinere und wirksamere Schutzmechanismen entwickeln.
Risikopräferenzen könnten neue Schutzansätze ermöglichen
Sebastian O. Schneider wurde für eine gemeinsam mit Matthias Sutter verfasste Studie zu Risikopräferenzen höherer Ordnung ausgezeichnet. Dabei geht es nicht nur um die einfache Frage, ob jemand risikofreudig oder risikoavers ist. Untersucht wird vielmehr, wie Menschen auf unterschiedlich strukturierte Risiken reagieren und wie sie verschiedene Risikosituationen gegeneinander abwägen.
Die Studie bezog sich ursprünglich nicht direkt auf Glücksspiel. Dennoch könnten ihre Methoden für den Spielerschutz interessant sein. Die Teilnehmer mussten sich wiederholt zwischen sicheren Zahlungen und Lotterien mit unterschiedlichen Ausgängen entscheiden. Ein Teil dieser Entscheidungen wurde anschließend tatsächlich ausgespielt und ausgezahlt.
Das ist wichtig, weil es echte finanzielle Konsequenzen gab. Die Teilnehmer konnten nicht nur behaupten, risikobereit zu sein. Sie mussten mit dem Ergebnis ihrer Entscheidung leben.
Gerade vor dem Hintergrund aktueller Studien zu Einsatzverhalten passt dieser Ansatz gut zur Debatte um Neue Studie: 63 % der Glücksspieler erhöhen ihren Einsatz nach einem Gewinn, die gezeigt hat, wie stark Gewinne kurzfristige Risikobereitschaft beeinflussen können.
Noch kein fertiges Tool für Anbieter oder Behörden
Im Podcast wurde auch diskutiert, ob solche Methoden langfristig als niedrigschwelliges Screening im Spielerschutz dienen könnten. Denkbar wäre ein Verfahren, das Spielern ihre persönliche Risikoneigung zurückspiegelt, ohne direkt mit Begriffen wie Spielsucht oder problematischem Glücksspiel zu arbeiten.
Schneider bezeichnete eine solche Anwendung als mögliches „unschuldiges Screening-Tool“. Gleichzeitig ist klar: Ein fertiges Instrument gibt es noch nicht. Die ausgezeichnete Forschung muss erst auf konkretes Glücksspielverhalten übertragen und auf ihre tatsächliche Schutzwirkung geprüft werden.
Walter berichtete, dass nach der Preisverleihung bereits Nachfragen aus der Anbieterbranche kamen. Manche hätten offenbar gehofft, es gebe nun ein direkt einsetzbares Tool, mit dem sich Risiken sofort reduzieren ließen. Genau das sei aber nicht der Fall. Ausgezeichnet wurde wissenschaftliche Grundlagenarbeit, keine fertige Produktlösung.
Informierte Entscheidung bedeutet mehr als Produktwissen
Ein besonders interessanter Gedanke betrifft die „informierte Entscheidung“. Häufig wird darunter verstanden, dass Spieler Regeln, Gewinnwahrscheinlichkeiten und Produktbedingungen kennen. Walter erweitert diesen Begriff: Zu einer wirklich informierten Entscheidung könnte auch gehören, die eigene Risikoneigung besser einschätzen zu können.
Wenn ein Spieler zurückgemeldet bekommt, dass er besonders risikofreudig entscheidet, kann das ein wichtiger Hinweis sein. Nicht als Verbot, sondern als Selbstinformation. Der Spieler versteht dann nicht nur das Produkt besser, sondern auch seine eigene Reaktion darauf.
Das wäre ein anderer Ansatz als klassische Warnhinweise. Statt nur allgemein vor Risiken zu warnen, könnte Spielerschutz persönlicher, früher und präziser werden.
Regulierung muss neue Erkenntnisse aufnehmen können
Walter fordert, Regulierung flexibler zu denken. Der Gesetzgeber könne nicht davon ausgehen, dass zum Zeitpunkt eines Gesetzes bereits alle sinnvollen Schutzmaßnahmen bekannt seien. Forschung entwickle sich weiter, Daten würden besser, und neue Instrumente könnten entstehen.
Deshalb sollte Regulierung so gebaut werden, dass neue Erkenntnisse aufgenommen werden können. Maßnahmen könnten zunächst getestet, wissenschaftlich überprüft und bei nachgewiesener Wirkung dauerhaft integriert werden.
Diese Frage ist auch für die Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags zentral. Wenn digitale Aufsichtssysteme mehr Daten liefern, muss Regulierung daraus lernen können. Genau deshalb ist der Ausbau von LUGAS-Ausbau: GGL und Dataport stärken digitale Glücksspielaufsicht in Deutschland so wichtig für eine evidenzbasierte Weiterentwicklung des legalen Marktes.
Große Wissenslücken bei Quoten, Gebühren und Kombiwetten
Walter sieht besonders bei komplexeren Glücksspielprodukten massive Forschungslücken. Bei Lotterien sei zumindest teilweise bekannt, wie hohe Jackpots die Nachfrage beeinflussen. Deutlich weniger Erkenntnisse gebe es aber zu Poker, Sportwettenquoten, Kombiwetten, Gebühren oder Preisanpassungen.
Anbieter können zwar in ihren Kundendaten beobachten, dass sich Verhalten verändert. Doch Beobachtung ist nicht dasselbe wie wissenschaftliche Erklärung. Wenn Spieler nach bestimmten Quoten, Bonusmechaniken oder Verlustserien anders setzen, muss erst verstanden werden, warum das passiert.
Genau hier könnte Verhaltensökonomik helfen. Sie kann untersuchen, welche Anreize Entscheidungen verändern, welche Muster riskant werden und welche Schutzmaßnahmen tatsächlich wirken.
Kundendaten könnten Forschung deutlich verbessern
Die Deutsche Stiftung Glücksspielforschung arbeitet laut Walter an einem größeren Forschungsdatensatz. Daran sollen sich zahlreiche in Deutschland lizenzierte Online-Glücksspielunternehmen beteiligen. Ziel ist es, Kundendaten und Befragungen für wissenschaftliche Analysen nutzbar zu machen.
Das ist sensibel, aber potenziell sehr wertvoll. Kundendaten gehören zu den wichtigsten und vertraulichsten Informationen eines Anbieters. Deshalb müssen Datenschutz, Zweckbindung, wissenschaftliche Unabhängigkeit und Vertraulichkeit klar geregelt sein.
Wenn das gelingt, könnten digitale Daten helfen, tatsächliches Spielverhalten besser zu verstehen. Online-Glücksspiel hinterlässt viele Entscheidungspunkte: Einzahlungen, Einsätze, Pausen, Produktwechsel, Session-Längen und Reaktionen auf Gewinne oder Verluste. Richtig anonymisiert und wissenschaftlich ausgewertet, könnten diese Daten den Spielerschutz deutlich präziser machen.
Auch Schwarzmarktnutzung bleibt schlecht verstanden
Ein weiterer Punkt ist die Frage, warum Spieler illegale Angebote nutzen, obwohl Risiken wie unsichere Auszahlungen oder fehlende Aufsicht bekannt sein können. Schneider verweist hier auf Modelle des schnellen und langsamen Denkens. Entscheidungen werden nicht immer rational und langfristig getroffen. Manchmal dominiert ein kurzfristiger Impuls.
Walter ergänzt, dass bei bereits problematischem Verhalten rationale Kriterien wie Auszahlungssicherheit oder Regulierung an Bedeutung verlieren können. Dann zählt möglicherweise vor allem, ohne Begrenzung weiterspielen zu können.
Das ist für die Schwarzmarktbekämpfung entscheidend. Es reicht nicht, legale und illegale Angebote objektiv zu vergleichen. Man muss verstehen, warum Spieler in konkreten Momenten eine bestimmte Entscheidung treffen.
Fazit
Die Diskussion im „SpielStudio“ zeigt, dass Glücksspielforschung vor einer wichtigen Erweiterung steht. Problematisches Spielverhalten bleibt ein zentrales Thema, doch die Branche weiß noch zu wenig darüber, wie normale Spieler Entscheidungen treffen, Risiken bewerten und auf Produktmechaniken reagieren.
Verhaltensökonomik könnte hier neue Perspektiven liefern. Sie kann helfen, Risikoneigungen besser zu verstehen, Spielerschutz früher anzusetzen und Regulierung datenbasierter zu gestalten. Noch gibt es keine fertigen Tools, aber die Richtung ist klar: Besserer Spielerschutz braucht mehr Wissen über tatsächliches Verhalten.
Für Anbieter, Forschung, Politik und Aufsicht bedeutet das Kooperation. Daten müssen geschützt nutzbar werden, Methoden müssen überprüft werden, und Regulierung muss flexibel genug bleiben, um wirksame neue Erkenntnisse aufzunehmen.