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Belgien vor Glücksspiel-Problem? Branche warnt vor wachsendem Schwarzmarkt und „Systemversagen“

Josephine Prater

Von Josephine PraterAutorin

Belgien vor Glücksspiel-Problem? Branche warnt vor wachsendem Schwarzmarkt und „Systemversagen“

Der belgische Glücksspielmarkt steht offenbar an einem kritischen Punkt. Während die Regierung in den vergangenen Jahren immer strengere Regeln für lizenzierte Anbieter eingeführt hat, warnen Branchenvertreter nun davor, dass genau diese Maßnahmen unbeabsichtigt den illegalen Markt stärken könnten.

Die Belgian Association of Gaming Operators, kurz BAGO, schlägt Alarm und spricht von einem möglichen „Systemversagen“, da legale Anbieter zunehmend an Sichtbarkeit verlieren, während illegale Plattformen aggressiv um belgische Spieler werben.

Besonders brisant: Laut aktuellen Daten sollen bereits 23 Prozent aller Glücksspielausgaben in Belgien auf nicht lizenzierte Anbieter entfallen – Tendenz steigend.

Schwarzer Markt gewinnt immer mehr Einfluss

BAGO vertritt die fünf größten Glücksspielunternehmen Belgiens, darunter Betsson AB, Kindred Group und die Golden Palace Group.

Nach Angaben des Verbands verschiebt sich der Markt immer deutlicher zugunsten illegaler Plattformen. Vor allem jüngere Zielgruppen und gefährdete Spielergruppen seien davon betroffen.

Besonders alarmierend ist eine Zahl aus dem belgischen Selbstsperrsystem EPIS: Rund 47 Prozent der dort registrierten Personen sollen weiterhin über illegale Glücksspielseiten spielen.

Damit werde eines der wichtigsten Instrumente des belgischen Spielerschutzes zunehmend ausgehebelt.

BAGO sieht darin ein klares Zeichen dafür, dass illegale Anbieter mittlerweile fest im belgischen Markt verankert seien. Gleichzeitig verliere der regulierte Markt immer stärker an öffentlicher Wahrnehmung.

Strenge Gesetze treffen vor allem legale Anbieter

Belgien gilt bereits seit Jahren als eines der strengsten Glücksspielmärkte Europas. Die Regierung hat Schritt für Schritt neue Einschränkungen eingeführt.

Bereits 2020 wurde ein Einzahlungslimit von 200 Euro für Online-Glücksspiel eingeführt – ursprünglich als Corona-Maßnahme, später dauerhaft übernommen.

Hinzu kamen umfassende Werbeverbote. Bonusangebote, Freispiele und andere Promotionen wurden untersagt. Später folgte ein nahezu vollständiges Verbot klassischer Glücksspielwerbung im Fernsehen, Radio und in Printmedien.

Auch Sportsponsoring wurde massiv eingeschränkt. Zudem dürfen Online-Kampagnen nur noch Personen über 25 Jahren angezeigt werden und benötigen eine Freigabe der Belgian Gaming Commission.

Im September 2024 erhöhte die belgische Regierung zusätzlich das Mindestalter für Glücksspiel auf 21 Jahre.

Sichtbarkeit wird laut Branche zum entscheidenden Problem

Genau hier sieht BAGO den Kern des Problems. Denn während lizenzierte Anbieter immer weniger Möglichkeiten hätten, sichtbar zu bleiben, könnten illegale Plattformen weiterhin unkontrolliert über Offshore-Kanäle werben.

Laut Verband landen mittlerweile fast zwei Drittel des gesamten belgischen Online-Glücksspiel-Traffics auf illegalen Webseiten.

Die Folge: Viele Spieler könnten legale und illegale Angebote kaum noch voneinander unterscheiden.

„In einem streng regulierten Markt ist Sichtbarkeit nicht einfach nur Werbung“, erklärt BAGO. „Sie ermöglicht Verbrauchern überhaupt erst, legale und überwachte Angebote zu erkennen.“

Ohne diese Sichtbarkeit verliere das sogenannte „Channeling“ an Wirkung – also das politische Ziel, Spieler gezielt in den regulierten Markt zu lenken, wo Schutzmaßnahmen greifen können.

Besonders junge Spieler wechseln offenbar zu illegalen Seiten

Vor allem bei jungen Erwachsenen scheint die Entwicklung besonders drastisch zu sein.

BAGO-Daten zufolge haben bis zu 65 Prozent der Männer zwischen 18 und 21 Jahren bereits illegale Glücksspielseiten genutzt.

Für die Branche zeigt das, dass die aktuelle Regulierung ihr eigentliches Ziel teilweise verfehlt. Statt problematisches Spielverhalten einzudämmen, könnten strenge Einschränkungen unbeabsichtigt dafür sorgen, dass Spieler in unkontrollierte Märkte abwandern.

Dort existieren weder Einzahlungslimits noch Selbstsperrsysteme oder verpflichtende Schutzmaßnahmen.

Verfassungsgericht stärkt Bedeutung legaler Anbieter

Interessant ist dabei auch eine Entscheidung des belgischen Verfassungsgerichts aus dem Dezember 2025.

Das Gericht stellte klar, dass Glücksspielpolitik nicht nur Spieler schützen müsse, sondern auch sicherstellen solle, dass Nutzer zu lizenzierten Angeboten gelenkt werden.

Dafür sei eine ausreichende öffentliche Sichtbarkeit legaler Anbieter notwendig.

BAGO sieht sich durch dieses Urteil bestätigt und fordert nun ein Umdenken in der Regulierungspolitik.

Branche fordert härteres Vorgehen gegen illegale Anbieter

Anstatt ausschließlich legale Betreiber weiter einzuschränken, fordert der Verband deutlich stärkere Maßnahmen gegen den Schwarzmarkt.

Dazu gehören schnellere Sperrungen illegaler Webseiten, strengere Kontrollen von Zahlungsdienstleistern sowie härtere Maßnahmen gegen Offshore-Marketing.

Gleichzeitig plädiert BAGO dafür, lizenzierten Unternehmen wieder mehr Möglichkeiten zur legalen Sichtbarkeit einzuräumen.

Denn laut Verband könne ein funktionierender Spielerschutz nur innerhalb eines regulierten und kontrollierten Systems stattfinden.

Die kommenden Monate könnten daher entscheidend dafür werden, ob Belgien sein aktuelles Glücksspielmodell weiter verschärft – oder ob Regierung und Behörden tatsächlich eine Balance zwischen strenger Regulierung und funktionierender Marktlenkung suchen.

Josephine Prater
Verfasst von Josephine Prater

Josephine hat ihre Leidenschaft fürs Schreiben mit ihrer Liebe zum Online-Gaming verbunden. Von Browsergames bis hin zu MMORPGs erkundet sie digitale Welten voller Spielspaß und Kreativität. Daher sind Online Casinos für sie auch eine interessante Schnittstelle zwischen Spielspaß und technischen Innovationen. Besonders die riesige Auswahl an unterschiedlichen Slots mit ihren vielfältigen Features faszinieren sie. Wenn Josephine gerade nicht schreibt oder recherchiert, ist sie sehr aktiv in ihrer Kirchengemeinde unterwegs oder taucht in die Welt der handgemachten Musik ein.