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Frankreichs Glücksspielaufsicht erhöht den Druck auf die Branche. Die Autorité Nationale des Jeux (ANJ) hat Casinos und Glücksspielanbieter im Land deutlich dazu aufgefordert, ihre Maßnahmen gegen problematisches Glücksspiel und Minderjährigenzugang massiv auszubauen. Nach Ansicht der Behörde erkennen manche Betreiber noch immer zu wenige gefährdete Spieler – trotz hoher Besucherzahlen und wachsender Risiken im Markt.
Die Warnung kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt: Frankreich bereitet sich auf eine Phase intensiver Sportgroßereignisse und steigender Wettaktivität vor, während gleichzeitig die Diskussion über Spielerschutz in Europa immer schärfer wird.
Problematisches Glücksspiel bleibt größtes Risiko
Die ANJ bezeichnet exzessives Glücksspiel und Minderjährigenbeteiligung weiterhin als die größten Gefahren innerhalb des französischen Glücksspielmarktes. Zwar habe sich die Situation in einigen Bereichen verbessert, doch die Fortschritte seien „uneinheitlich“.
Besonders kritisch sieht die Behörde, dass manche Casinos deutlich weniger problematische Spieler identifizieren und unterstützen, als es angesichts ihrer Besucherzahlen eigentlich zu erwarten wäre.
Damit stellt die ANJ indirekt infrage, ob bestehende Schutzsysteme tatsächlich effektiv genug funktionieren oder ob manche Betreiber ihre Kontrollpflichten nur oberflächlich erfüllen.
Mehr Kooperationen mit Hilfsorganisationen
Neben der Kritik hebt die Regulierungsbehörde aber auch positive Entwicklungen hervor. Besonders die stärkere Zusammenarbeit zwischen Casinos und spezialisierten Beratungs- sowie Hilfsstellen wird ausdrücklich gelobt.
Diese Kooperationen sollen Spielern mit problematischem Verhalten schneller Zugang zu Unterstützung und Behandlungsmöglichkeiten ermöglichen. Gleichzeitig helfen sie dabei, Informationskampagnen umzusetzen und Mitarbeiter gezielt zu schulen.
Ein wichtiger Bestandteil dabei ist das neue E-Learning-Programm der ANJ. Seit dem Start im November 2024 haben laut Behörde bereits mehr als 2.200 Personen an den Schulungen teilgenommen.
Das zeigt: Das Thema Responsible Gambling wird innerhalb der Branche ernster genommen als noch vor einigen Jahren – zumindest bei einem Teil der Anbieter.
Deutlich mehr auffällige Spieler identifiziert
Vor allem im Online-Bereich haben viele lizenzierte Betreiber ihre Kontrollsysteme in den vergangenen Monaten erweitert. Die Auswirkungen sind bereits sichtbar.
Laut ANJ stieg die Zahl der identifizierten gefährdeten Spieler von rund 31.000 im Jahr 2024 auf mittlerweile 89.000 im Jahr 2025. Möglich wurde das durch neue Erkennungssysteme, zusätzliche Indikatoren und strengere Monitoring-Prozesse.
Trotzdem reicht der Behörde das noch nicht aus.
Die ANJ fordert, dass die Zahl der erkannten Risikospieler künftig stärker zur tatsächlichen Größe der jeweiligen Plattformen und den bekannten Prävalenzstudien passen müsse. Anders gesagt: Große Anbieter mit Millionen Kunden dürften nicht nur vergleichsweise wenige Problemfälle melden.
Druck vor der Fußball-WM wächst
Die regulatorische Offensive kommt nicht zufällig vor der kommenden FIFA-Weltmeisterschaft. Große Turniere gelten traditionell als Hochphasen für Sportwetten und aggressive Marketingkampagnen.
Bereits Anfang des Jahres hatte die ANJ Betreiber wie FDJ und PMU davor gewarnt, ihre angekündigten Werbebudgets für 2026 zu überschreiten. Nun wird zusätzlich klar: Auch beim Spielerschutz will die Behörde während der WM-Zeit besonders genau hinschauen.
Für euch als Beobachter des europäischen Glücksspielmarktes zeigt sich damit ein klarer Trend: Frankreich bewegt sich immer stärker in Richtung eines streng kontrollierten Responsible-Gambling-Modells.
Auch Pferderennbahnen im Fokus
Nicht nur Casinos und Online-Anbieter stehen unter Beobachtung. Auch im Pferderennsport sieht die ANJ weiteren Handlungsbedarf.
Zwar lobt die Behörde Informationskampagnen, Mitarbeiterschulungen und die Arbeit der französischen Pferderennsport-Föderation FNCH, gleichzeitig fordert sie aber klarere Trennungen zwischen Familienbereichen und Wettzonen auf Rennbahnen.
Außerdem dürften Inhalte rund um Pferderennen nicht indirekt als Einstieg in Glücksspiel dienen – insbesondere nicht für jüngere Besucher.
Die aktuellen Schutzmaßnahmen im Rennsport bezeichnet die ANJ insgesamt noch als „unzureichend“.
Frankreich verschärft seinen Responsible-Gambling-Kurs
Seit 2019 müssen Glücksspielanbieter in Frankreich detaillierte Aktionspläne zum Spielerschutz bei der ANJ einreichen. Insgesamt wurden zuletzt Pläne von 17 Online-Betreibern, 210 Casinos, 231 Rennbahnen sowie von FDJ und PMU überprüft.
Nur ein Casino erhielt dabei keine Genehmigung – dennoch macht die Behörde klar, dass die gesamte Branche weiter nachbessern muss.
Die Botschaft der ANJ ist eindeutig: Schutzsysteme sollen künftig nicht nur existieren, sondern messbare Ergebnisse liefern. Wer problematische Spieler nicht früh genug erkennt oder Minderjährige nicht effektiv fernhält, könnte in Zukunft deutlich stärker unter regulatorischen Druck geraten.