{"id":93190,"date":"2026-07-22T04:55:12","date_gmt":"2026-07-22T04:55:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/?p=93190"},"modified":"2026-07-22T04:55:12","modified_gmt":"2026-07-22T04:55:12","slug":"game-retail-limited-ist-insolvent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/nachrichten\/kultur\/game-retail-limited-ist-insolvent\/","title":{"rendered":"GAME Retail ist insolvent: Britanniens letzte gro\u00dfe Gaming-Kette bricht zusammen"},"content":{"rendered":"
GAME Retail Limited, lange Zeit die wichtigste Gaming-Kette in britischen Einkaufsstraßen, ist unter Insolvenzverwaltung gestellt worden. Damit endet ein weiteres Kapitel klassischer Videospielkultur auf der High Street. Laut The Herald wurden James Saunders und Lauren Wentworth von KR8 Advisory bereits im April als Administratoren eingesetzt.<\/p>
Zum Zeitpunkt der Bestellung trug GAME Schulden von insgesamt 15,8 Millionen Pfund. Davon entfallen 3,5 Millionen Pfund auf gesicherte Gläubiger, die noch mit einer gewissen Rückzahlung aus verwertbaren Vermögenswerten rechnen können. Für die ungesicherten Gläubiger sieht es dagegen düster aus: Rund 12 Millionen Pfund dürften nach Einschätzung der Administratoren weitgehend verloren sein.<\/p>
GAME war für viele britische Spieler mehr als nur ein Laden. Die Kette wurde 1990 gegründet und entwickelte sich über Jahrzehnte zur dominierenden Anlaufstelle für physische Spiele, Konsolen, Zubehör und Gebrauchtware im Vereinigten Königreich.<\/p>
Wer früher ein neues Spiel vorbestellen, alte Discs eintauschen oder einfach durch Regale voller Boxen stöbern wollte, landete oft bei GAME. Gerade vor dem endgültigen Durchbruch digitaler Downloads war die Marke ein fester Bestandteil britischer Gaming-Kultur.<\/p>
Dass ausgerechnet diese Kette nun in die Administration rutscht, zeigt, wie stark sich die Branche verändert hat. Physische Spiele verlieren an Bedeutung, Konsolen werden teurer, Hardware ist schwieriger zu verkaufen und Sammlerartikel allein können ein großes Filialgeschäft nicht dauerhaft tragen.<\/p>
Die jetzige Krise kam nicht aus dem Nichts. GAME hatte bereits früher schwere Probleme. Die ursprüngliche Muttergesellschaft The Game Group Plc rutschte 2011\/2012 in die Insolvenz, bevor Vermögenswerte übernommen und als Game Retail Limited weitergeführt wurden.<\/p>
Zwischenzeitlich betrieb das Unternehmen mehr als 300 stationäre Geschäfte im Vereinigten Königreich sowie E-Commerce-Plattformen unter den Marken GAME und Gamestation.<\/p>
Doch die Zahlen zeigten seit Jahren nach unten. 2016 fiel der Umsatz um zehn Prozent auf 584 Millionen Pfund, während der Gewinn vor Steuern um 71 Prozent auf 6,8 Millionen Pfund einbrach. 2017 sank der Umsatz auf 493 Millionen Pfund, begleitet von einem Vorsteuerverlust von 7,1 Millionen Pfund. 2019 lag der Umsatz nur noch bei 423 Millionen Pfund, während der Verlust vor Steuern auf 43 Millionen Pfund anwuchs.<\/p> Diese Entwicklung zeigt klar: GAME kämpfte nicht mit einem plötzlichen Einbruch, sondern mit einem langen strukturellen Problem.<\/p> Der wichtigste Wandel war der Siegeszug digitaler Spiele. Downloads, Plattform-Stores, Abos und digitale Sales machten den klassischen Spielekauf im Laden immer weniger notwendig.<\/p> Früher lebte GAME stark von Neuveröffentlichungen, Gebrauchtspielen und Vorbestellungen. Doch genau diese Säulen wurden schwächer. 2024 stellte GAME sogar die Annahme gebrauchter Artikel ein – ein symbolischer Schritt, denn gerade Pre-owned-Games waren lange ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells.<\/p> Für euch als Spieler hat sich der Alltag ebenfalls verändert. Viele Käufe laufen heute direkt über PlayStation Store, Xbox Store, Steam, Epic Games Store oder Game Pass. Selbst große Releases werden häufig digital vorinstalliert, statt am Release-Tag im Laden abgeholt.<\/p> Nach 2019 wurde die Situation für GAME noch schwieriger. Während der COVID-Zeit mussten viele Ladengeschäfte schließen oder konnten nur eingeschränkt arbeiten. Danach kämpfte der Handel mit Hardware-Knappheit, weil Konsolen und Komponenten schwer verfügbar waren.<\/p> Später wurde Hardware durch neue Marktbedingungen und steigende Kosten erneut teurer. Konsolen liegen inzwischen teils über ihren ursprünglichen Einstiegspreisen, was Impulskäufe erschwert und Margen belastet.<\/p> Gleichzeitig wurde der Collectibles-Markt immer stärker umkämpft. Figuren, Merchandise, Karten, Popkultur-Artikel und Nerd-Produkte wurden zwar wichtiger für GAME, aber auch hier konkurrierte die Kette mit Onlinehändlern, Spezialshops und großen Plattformen.<\/p> Der Versuch, GAME stärker als breiten Entertainment- und Popkulturhändler zu positionieren, reichte am Ende nicht aus.<\/p> GAME gehört weiterhin zur Frasers Group, dem Handelskonzern von Mike Ashley. Durch die Integration in Sports-Direct-Filialen konnte GAME zuletzt zwar Ladenflächen und Kosten teilen, doch auch dieser Schritt konnte den Niedergang von GAME Retail Limited nicht verhindern.<\/p> Wichtig ist aber: Der Name GAME muss nicht komplett verschwinden. Die Marke könnte in anderer Form weiterleben, etwa stärker als E-Commerce-Angebot, als Bereich innerhalb von Sports Direct oder als reduzierte Spezialmarke.<\/p> Welche Form daraus entsteht, hängt nun auch von den Empfehlungen der Administratoren ab. Denkbar ist eine weitere Verschmelzung mit bestehenden Frasers-Strukturen. Klar ist nur: Das alte GAME als große, eigenständige High-Street-Kette dürfte kaum zurückkehren.<\/p> Ganz tot ist stationärer oder spezialisierter Gaming-Handel trotzdem nicht. GameStop zeigte zuletzt, dass ein Händler in bestimmten Märkten weiterhin Geld verdienen kann. Auch HMV gelang in Großbritannien eine Art Comeback, indem die Marke stärker auf Vinyl, Popkultur und physische Sammlerleidenschaft setzte.<\/p> Die Frage ist also nicht, ob Gaming-Händler grundsätzlich überflüssig sind. Die Frage ist, welches Modell heute noch funktioniert. Reine Boxed-Games-Regale reichen nicht mehr. Erfolgreiche Händler brauchen Events, Community, Sammlerprodukte, starke Onlinekanäle und einen Grund, warum Spieler nicht einfach digital kaufen.<\/p>Jahr<\/strong><\/td> Umsatz<\/strong><\/td> Ergebnis vor Steuern<\/strong><\/td><\/tr> 2016<\/td> 584 Mio. Pfund<\/td> 6,8 Mio. Pfund Gewinn<\/td><\/tr> 2017<\/td> 493 Mio. Pfund<\/td> 7,1 Mio. Pfund Verlust<\/td><\/tr> 2019<\/td> 423 Mio. Pfund<\/td> 43 Mio. Pfund Verlust<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/div><\/figure> Digitalvertrieb hat das alte Modell ausgehöhlt<\/h2>
Pandemie, Hardware-Knappheit und teure Konsolen verschärften die Lage<\/h2>
Frasers Group hält den Namen wohl am Leben<\/h2>
Gibt es noch Platz für Gaming-Händler?<\/h2>