{"id":72452,"date":"2026-01-14T12:56:55","date_gmt":"2026-01-14T12:56:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/?p=72452"},"modified":"2026-01-14T12:56:55","modified_gmt":"2026-01-14T12:56:55","slug":"estland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/news\/article\/estland\/","title":{"rendered":"Von Estland lernen: Online Casino Steuer durch Fehler im Gesetz abgeschafft"},"content":{"rendered":"\n

Das Parlament in Estland hat eine bemerkenswerte Leistung erbracht. Durch einen kleinen Formulierungsfehler in der Novelle der Gl\u00fccksspielsteuer werden Online Casinos f\u00fcr das Jahr 2026 faktisch von der bisher bestehenden Online Casino Steuer befreit<\/strong>. Warum geht so etwas nicht auch in Deutschland?<\/p>\n\n\n\n

Tippfehler mit Millionen Wirkung bei der Online Casino Steuer<\/h2>\n\n\n\n

Das \u00c4nderungsgesetz zum Gambling Tax Act war eigentlich keine gro\u00dfe Sache<\/strong>. Es ist \u00fcblich, dass mit \u00c4nderungsgesetzen bestehende Gesetze leicht modifiziert werden, um sie an neue Umst\u00e4nde anzupassen. Genau das sollte auch im aktuellen Fall in Estland passieren. Geplant war es, die Steuer von 6 auf 5,5 % zu senken.<\/p>\n\n\n\n

Doch durch nicht gekl\u00e4rte Umst\u00e4nde sind die Gl\u00fccksspiele aus dem Gesetzestext herausgefallen <\/strong>und nur noch Geschicklichkeitsspiele werden genannt. Diese enge Definition f\u00fchrt dazu, dass Ums\u00e4tze aus klassischen Online Casino Spielen zumindest f\u00fcr das Jahr 2026 nicht mehr steuerpflichtig sind.<\/p>\n\n\n\n

Es ist bemerkenswert, dass das Gesetz verabschiedet und vom Pr\u00e4sidenten best\u00e4tigt<\/strong> wurde, ohne dass jemand den teuren Fehler entdeckt hat. Erst der Abgeordnete Aivar Kokk entdeckte im Finanzausschuss den Fehler und wies darauf hin, dass die fehlenden Steuereinnahmen den Staatshaushalt belasten w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Kollektives Versagen der Kontrollinstanzen<\/h2>\n\n\n\n

Normalerweise werden Gesetze von der Regierung, dem Parlament, diversen Aussch\u00fcssen und der Opposition gr\u00fcndlich \u00fcberpr\u00fcft. Zahlreiche Juristen sind damit besch\u00e4ftigt, wasserdichte Formulierungen<\/strong> zu schaffen, damit die Gesetze exakt die gew\u00fcnschte Wirkung entfalten. Die Finanzausschussvorsitzende Annely Akkermann erkl\u00e4rte einigerma\u00dfen entsetzt, dass sie in zw\u00f6lf Jahren Parlamentsarbeit keinen vergleichbaren Patzer erlebt habe.<\/p>\n\n\n\n

Allerdings w\u00e4re es falsch, einer einzelnen Person Vorw\u00fcrfe zu machen, denn an vielen Stellen gab es die M\u00f6glichkeit, das Gesetz aufgrund des eigentlich offensichtlichen Mangels zu stoppen. Doch das ist nicht geschehen. Der Pr\u00e4sident hat das Gesetz am 18. Dezember unterschrieben und auf dieser Basis ist es seit dem 1. Januar 2026 ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Besteuerung von Online Casinos<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n

Die Regierung versucht nun, die versteckte Steuererleichterung in den n\u00e4chsten Wochen zu korrigieren. Theoretisch ist dies nat\u00fcrlich m\u00f6glich, aber offen ist, ob die neue Steuerfreiheit bis dahin gilt oder ob es m\u00f6glich ist, eine \u00c4nderung r\u00fcckwirkend einzuf\u00fchren. Die Argumentation, dass es sich lediglich um einen \u201eRedaktionsfehler\u201c gehandelt habe<\/strong>, d\u00fcrfte jedenfalls bei strengen Juristen kaum verfangen.<\/p>\n\n\n\n

Schwankende Strategie bei Besteuerung von Online Casinos<\/h2>\n\n\n\n

Estland arbeitet schon seit vielen Jahren an einer Optimierung der Gl\u00fccksspielsteuer f\u00fcr Online Casinos. Urspr\u00fcnglich war geplant, den Steuersatz auf 7 % im Jahr 2026 zu erh\u00f6hen. Stattdessen hat man sich dazu entschieden, den Steuersatz bis 2029 j\u00e4hrlich um 0,5 % auf einen Ziel-Steuersatz von 4 %<\/strong> zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n

Die aktuelle Regierung m\u00f6chte Estland als \u201eRemote-Gambling-Paradies\u201c positionieren und Malta Konkurrenz machen. Dabei geht es nicht nur um Steuereinnahmen, sondern auch darum, Unternehmen aus der Gl\u00fccksspielbranche anzuziehen. Im weiteren Sinne geht es um Investitionen in Technologie und hochqualifizierte Arbeitspl\u00e4tze<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n

Besteuert wird in Estland der Bruttospielertrag<\/strong> (GGR), also Eins\u00e4tze minus Auszahlungen. Der Steuersatz ist im internationalen Vergleich moderat. In Malta gilt beispielsweise ein Steuersatz von ungef\u00e4hr 5 %.<\/p>\n\n\n\n

Mit den Einnahmen aus der Gl\u00fccksspielsteuer will Estland gezielt in Kultur und Sportf\u00f6rderung investieren<\/strong>. Zudem soll auch die Gl\u00fccksspielaufsicht ausgebaut werden. Ein wichtiges Thema ist dabei die Geldw\u00e4schepr\u00e4vention.<\/p>\n\n\n\n

Was Deutschland von Estland lernen kann<\/h2>\n\n\n\n

Problematische Gesetze mit unerw\u00fcnschten Wirkungen gibt es auch in Deutschland. Allerdings ist der Redaktion kein Fall bekannt, in dem eine Steuer versehentlich abgeschafft wurde<\/strong>. In Deutschland m\u00fcsste man wohl eher mit dem gegenteiligen Fall rechnen.<\/p>\n\n\n\n

Die derzeitige Gl\u00fccksspielsteuer ist in Deutschland h\u00f6chst problematisch, denn es wird nicht der Bruttospielertrag besteuert, sondern der Spieleinsatz. Bei der sogenannten Turnover-Tax muss der Gl\u00fccksspielanbieter 5,3 % von jedem Einsatz abziehen<\/strong> und als Steuer an den Staat abf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n

Umgerechnet auf den Bruttospielertrag entspricht das einem Steuersatz von ungef\u00e4hr 120 bis 125 %<\/strong>. Das ist im internationalen Vergleich extrem hoch und ein Grund daf\u00fcr, dass die Online Casinos mit deutscher Lizenz m\u00e4\u00dfig erfolgreich sind. Die deutlich g\u00fcnstiger besteuerten internationalen Casinos auf dem Schwarzmarkt funktionieren hingegen pr\u00e4chtig, obwohl sie keine Zulassung in Deutschland haben.<\/p>\n\n\n\n

Ein unangenehmer Effekt der deutschen Gl\u00fccksspielsteuer ist, dass die Gl\u00fccksspielanbieter dazu gezwungen sind, die Auszahlungsquoten der Spiele zu reduzieren. W\u00e4hrend in internationalen Casinos ohne Einsatzbesteuerung die durchschnittliche Auszahlungsquote bei 95 bis 96 % liegt, m\u00fcssen sich deutsche Gl\u00fccksspiel-Fans mit einer Auszahlungsquote von durchschnittlich 90 % begn\u00fcgen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n

Was kann Deutschland von Estland lernen?<\/h2>\n\n\n\n

Die aktuelle Regierung in Estland hat verstanden, dass viele Menschen Online-Gl\u00fccksspiele lieben. Anstatt mit zahlreichen Verboten den Schwarzmarkt zu st\u00e4rken, versucht man in Estland, eine Regulierung zu schaffen, die attraktive Angebote erm\u00f6glicht<\/strong>, auch f\u00fcr einen internationalen Markt.<\/p>\n\n\n\n

Mit niedrigen Steuern, basierend auf dem Bruttospielertrag, ist eine solide Basis vorhanden. Dazu setzt man in Estland auf faire Rahmenbedingungen f\u00fcr internationale Gl\u00fccksspielanbieter, die seri\u00f6s und zuverl\u00e4ssig arbeiten<\/strong>. W\u00e4hrend man in Deutschland alles tut, um Gl\u00fccksspielanbieter abzuschrecken, versucht man in Estland einen hochwertigen Markt zu schaffen und Top-Unternehmen anzuziehen.<\/p>\n\n\n\n

Die Abschaffung der Online-Casino-Steuer wird in Estland wohl nicht lange bestehen. Aber der aktuelle Fall k\u00f6nnte ein Anlass sein, einen Blick ins europ\u00e4ische Ausland zu werfen, um zu verstehen, dass die deutsche Gl\u00fccksspielregulierung keineswegs alternativlos<\/strong> ist.<\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":851973,"featured_media":72453,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[786],"tags":[],"news-type":[],"keyword":[],"class_list":["post-72452","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-glucksspiel"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72452","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/851973"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72452"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72452\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":72454,"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72452\/revisions\/72454"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/72453"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72452"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72452"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72452"},{"taxonomy":"news-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/news-type?post=72452"},{"taxonomy":"keyword","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/keyword?post=72452"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}