{"id":70928,"date":"2025-12-17T12:26:05","date_gmt":"2025-12-17T12:26:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/?p=70928"},"modified":"2025-12-17T12:26:08","modified_gmt":"2025-12-17T12:26:08","slug":"erpressungsversuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/news\/article\/erpressungsversuch\/","title":{"rendered":"Erpressungsversuch statt Verbraucherbeschwerden: Frankfurter Gericht setzt klare Grenzen"},"content":{"rendered":"\n
Das Frankfurter Landgericht hat ein richtungsweisendes Urteil gef\u00e4llt, das f\u00fcr die gesamte Online-Gl\u00fccksspielindustrie bedeutsam ist. Ein deutscher Spieler wurde schuldig befunden, einen Erpressungsversuch<\/strong> begangen zu haben, um R\u00fcckzahlungen eines Online-Casinos durchzusetzen. Nach Ansicht des Gerichts wurde damit die Trennlinie zwischen einer legitimen Verbraucherbeschwerde und strafbarer N\u00f6tigung \u00fcberschritten.<\/p>\n\n\n\n In Deutschland und einigen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern hat sich ein regelrechter Markt f\u00fcr sogenannte R\u00fcckzahlungsforderungen entwickelt. Rechtsanw\u00e4lte bieten ihren Klienten an, Gelder, die sie in Online-Casinos verloren haben, auf dem Rechtsweg zur\u00fcckzuholen<\/strong>. In manchen F\u00e4llen ist dies erfolgreich, aber mitunter entscheiden die Gerichte auch zugunsten der Casino-Betreiber.<\/p>\n\n\n\n Grunds\u00e4tzlich steht es jedem Spieler zu, diese rechtliche M\u00f6glichkeit, wenn sie denn vorhanden ist, auszunutzen. In erster Linie betrifft dies Transaktionen, die vor der Einf\u00fchrung des Gl\u00fccksspielstaatsvertrags 2021 stattgefunden haben<\/strong>. Aber der aktuelle Fall vor dem Landgericht Frankfurt zeigt, dass der Schuss auch nach hinten losgehen kann, wenn Erpressungstaktiken zum Einsatz kommen.<\/p>\n\n\n\n Malta Media berichtet von einem spannenden Fall vor dem Frankfurter Landgericht<\/strong>. R\u00fcckzahlungsforderungen sind in den vergangenen Jahren in Mode gekommen. Aber der Fall zeigt, dass es Grenzen gibt, die ein Spieler unter keinen Umst\u00e4nden \u00fcberschreiten sollte, wenn sie versuchen, ihre verlorenen Gelder zur\u00fcckzubekommen. Konkret ging es dabei um folgenden Sachverhalt:<\/p>\n\n\n\n Ein in Deutschland ans\u00e4ssiger Spieler hatte erhebliche Gl\u00fccksspielverluste auf einer Plattform, die von einem in Cura\u00e7ao lizenzierten Casino-Betreiber<\/strong> betrieben wurde. Anstatt jedoch gegen den Betreiber vorzugehen, richtete der Spieler seine Forderungen gegen den Corporate Service Provider und dessen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Konkret ging es um die eMoore N.V., die als Teil der EM Group t\u00e4tig ist, sowie deren verbundene Corporate Services Company Trustcore.<\/p>\n\n\n\n Der Spieler drohte nach Erkenntnissen des Gerichts mit einer systematischen Eskalation, wenn die vermeintlichen Spielverluste nicht ersetzt w\u00fcrden. Bei einer Erstattung h\u00e4tte der Spieler eine Verschwiegenheitsvereinbarung unterzeichnet. Konkret ging es bei den Drohungen<\/strong> um folgende Dinge:<\/p>\n\n\n [su_list icon=“icon: chevron-right“]<\/p>\n\n\n\n [\/su_list]<\/p>\n\n\n\n Es ging im konkreten Fall nicht nur um eine E-Mail, die aus der Emotion heraus geschrieben wurde. Vielmehr gab es eine systematische Abfolge von E-Mails<\/strong>, in denen der Spieler wiederholt Forderungen stellte, Druck aufbaute und den m\u00f6glichen Reputationsschaden betonte, falls keine Zahlung erfolgte. Dieses Vorgehen bewertete das Frankfurter Landgericht als klassisches Erpressungsmuster.<\/p>\n\n\n\n F\u00fcr die rechtliche Bewertung des Frankfurter Landgerichts war entscheidend, dass sich der Angeklagte die falschen Ziele f\u00fcr seine Forderungen<\/strong> ausgesucht hatte. Anstatt direkt gegen den Plattformbetreiber vorzugehen, versuchte der Angeklagte, sein Geld \u00fcber den Corporate Service Provider und dessen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n Doch der Corporate Service Provider ist ein Dienstleister, der Management- und Verwaltungsfunktionen erf\u00fcllt<\/strong>. Er hat keine unmittelbare Betriebsverantwortung und ist somit auch ein ungeeignetes Ziel f\u00fcr R\u00fcckzahlungsforderungen.<\/p>\n\n\n\n Das Gericht betonte, dass es keine Vertragsbeziehung zwischen dem Spieler und dem Service Provider <\/strong>gab. Auch rechtlich sei der Service Provider nicht f\u00fcr die umstrittenen Spielverluste verantwortlich. Deswegen ist auch der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer in diesem Fall nicht pers\u00f6nlich haftbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n F\u00fcr die Branche ist dieses Urteil interessant, denn es schafft eine zus\u00e4tzliche Schutzebene<\/strong>. Corporate Service Provider und Personen, die in der Verwaltung angestellt sind, sind demnach nicht als Ziele f\u00fcr R\u00fcckzahlungsforderungen geeignet.<\/p>\n\n\n\n Die Abgrenzung zwischen einer normalen Verbraucherbeschwerde und einem Erpressungsversuch war f\u00fcr das Frankfurter Landgericht eindeutig. Der Angeklagte hat nach Einsch\u00e4tzung des Gerichts die faktischen Elemente eines Erpressungsversuchs<\/strong> erf\u00fcllt. Dabei geht es auch darum, dass es gegen den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer rechtswidrig die \u201eAndrohung eines empfindlichen \u00dcbels\u201c gab.<\/p>\n\n\n\n Mit den Drohungen wollte der Spieler Zahlungen erzwingen. Das ist nach Auffassung des Gerichts eine N\u00f6tigung<\/strong>. Zudem habe der Spieler die Absicht gehabt, sich wirtschaftlich zu bereichern. Nicht zuletzt spielt auch die systematische Kommunikation eine Rolle. Bei einem impulsiven Verhalten aus der Emotion heraus w\u00e4re die Bewertung eventuell anders gewesen.<\/p>\n\n\n\n Das Gericht betonte ferner, dass es einer Privatperson nicht zusteht, Drohungen gegen Personen oder Unternehmen aufgrund vermeintlicher Verst\u00f6\u00dfe gegen Gl\u00fccksspielgesetze<\/strong> und andere regulatorische Bestimmungen auszusprechen. Im aktuellen Fall wurde nicht gekl\u00e4rt, ob es zu Verst\u00f6\u00dfen gegen Gl\u00fccksspielgesetze oder Gl\u00fccksspielregulierungen gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n Bei derartigen Verst\u00f6\u00dfen h\u00e4tte der Angeklagte den vorgegebenen Rechtsweg<\/strong> nehmen m\u00fcssen. Auch wenn alle Vorw\u00fcrfe stimmen sollten, w\u00e4re dies keine Rechtfertigung f\u00fcr Drohungen und Erpressungsversuche.<\/p>\n\n\n\n Alle Spieler und Anw\u00e4lte, die versuchen, R\u00fcckzahlungen zu erwirken, sollten sp\u00e4testens nach dem Urteil des Landgerichts Frankfurt wissen, dass es keine Alternative zum ordentlichen Rechtsweg gibt. Es ist nicht Aufgabe der Spieler, die Regulierung durchzusetzen<\/strong>. Daf\u00fcr gibt es Regulierungsbeh\u00f6rden und Gerichte.<\/p>\n\n\n\n Auf einer menschlichen Ebene ist vielleicht verst\u00e4ndlich, dass ein Spieler, der viel Geld verloren hat, versucht, dieses Geld in irgendeiner Form zur\u00fcckzubekommen. Aber der aktuelle Fall zeigt, dass dies am Ende zu erheblichen rechtlichen Konsequenzen<\/strong> f\u00fchren kann. Wichtig ist nicht nur, dass es einen legitimen Rechtsanspruch auf eine R\u00fcckzahlung gibt. Auch die Durchsetzung des Rechtsanspruchs muss ordentlich erfolgen.<\/p>\n\n\n\nGericht erkennt Erpressungsversuch gegen Service Provider<\/h2>\n\n\n\n
Aktueller Fall: Spielverluste, Forderungen und Drohungen<\/h2>\n\n\n\n
\n
Ein kritischer Punkt: Die Wahl des Ziels<\/h2>\n\n\n\n
Die rechtliche Bewertung: Erpressung nach deutschem Strafrecht<\/h2>\n\n\n\n
Folgen f\u00fcr R\u00fcckzahlungsforderungen: rechtssicheres Vorgehen wichtig<\/h2>\n\n\n\n