{"id":68268,"date":"2025-11-10T13:18:13","date_gmt":"2025-11-10T13:18:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/?p=68268"},"modified":"2025-11-21T10:34:41","modified_gmt":"2025-11-21T10:34:41","slug":"tipico","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/news\/article\/tipico\/","title":{"rendered":"Tipico sch\u00fctzt sich vor R\u00fcckforderungsklagen \u2013 bemerkenswertes Vorgehen"},"content":{"rendered":"\n
Hat Tipico<\/strong> alle M\u00f6glichkeiten ausgenutzt, um sich vor R\u00fcckforderungen zu sch\u00fctzen<\/strong>? Derzeit laufen Verfahren, in denen es darum geht, ob Tipico Spielerverluste aus fr\u00fcheren Jahren erstatten muss. Tipico war in Deutschland bis 2021 nicht lizenziert, aber damals gab es auch noch kein deutsches Lizenzsystem. Deswegen ist nicht sicher, ob die Gerichte am Ende R\u00fcckforderungen vieler Spieler positiv bescheiden werden. Aber es deutet einiges darauf hin, dass die Kl\u00e4ger in jedem Fall kein Geld sehen werden, denn Tipico hat vorgesorgt.<\/p>\n\n\n\n Tipico ist der gr\u00f6\u00dfte Name im deutschen Sportwetten-Gesch\u00e4ft. Auch ein eigenes Online Casino wurde gelauncht. Im Zuge dessen konnte sich Tipico auch in diesem Feld etablieren, auch wenn die Konkurrenz im Graumarkt durch Casinos ohne OASIS<\/a> immer st\u00e4rker wird. Der Gl\u00fccksspielanbieter wurde k\u00fcrzlich an Banijay verkauft. Doch spannend ist, was hinter den Kulissen im Vorfeld ablief. Eine Recherche von Malta Media<\/strong> legt nahe, dass hinter den Kulissen im Jahr 2024 einige interessante Bewegungen innerhalb der Unternehmensstruktur stattfanden. Das Timing ist interessant, aber zumindest auf den ersten Blick wirkt alles legal.<\/p>\n\n\n\n Die clevere Finanzchoreografie begann mit einer Zahlung der Tipico Co. Ltd an ihre Muttergesellschaft in H\u00f6he von 1 Milliarde EUR<\/strong>. Auch in den vorherigen Jahren wurden Gewinne an die Muttergesellschaft ausgezahlt, aber im Jahr 2023 lag der Betrag bei 198 Millionen EUR. Somit wurde die Auszahlung mehr als verf\u00fcnffacht. Zuf\u00e4llig fand das zu einem Zeitpunkt statt, als in Deutschland und \u00d6sterreich R\u00fcckforderungsklagen gegen Tipico eskalierten.<\/p>\n\n\n\n Die Dividende an das Mutterunternehmen<\/strong> ist f\u00fcr sich genommen wahrscheinlich legal, aber sie entzieht dem Unternehmen, das als Betreiber der Sportwetten- und Gl\u00fccksspielangebote auftritt, erhebliche Finanzmittel. Die Bilanz von Tipico Co. Ltd wies nach der Transaktion nur noch 5 Millionen EUR R\u00fccklagen auf. Die Dividende wurde vom Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und von Wirtschaftspr\u00fcfern unterzeichnet, sodass alles ordnungsgem\u00e4\u00df ablief.<\/p>\n\n\n\n Nach der Milliardenaussch\u00fcttung verkaufte die die Tipico Co. Ltd die Marke Tipico an ihre Muttergesellschaft f\u00fcr eine Summe von 308,7 Millionen EUR. Die Tipico Germany Holding GmbH, die f\u00fcr das Einzelhandelsgesch\u00e4ft zust\u00e4ndig ist, wechselte den Besitzer. Damit verlor Tipico Co. Ltd praktisch alles, was den Gl\u00fccksspielanbieter zuvor ausgemacht hatte<\/strong>: die Marke und das operative Gesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n Das Unternehmen hat immer noch einige Dutzend Mitarbeiter, jedoch kein Recht an der Marke und auch keine Tochtergesellschaften. Was folgt daraus? Wenn irgendwann ein deutsches oder \u00f6sterreichisches Gericht entscheiden sollte, dass Spieler ihre Eins\u00e4tze zur\u00fcckerhalten m\u00fcssen, h\u00e4tte das zust\u00e4ndige Unternehmen keine finanziellen Mittel, um diese Forderung zu erf\u00fcllen<\/strong>. Entsprechende Entscheidungen wurden bereits in der Vergangenheit durchgesetzt. So sind Wettanbieter ohne LUGAS<\/a> nicht auf dem deutschen Markt erlaubt, weshalb es vereinzelt zu erfolgreichen R\u00fcckforderungen kam.<\/p>\n\n\n\n Kann das legal sein? Fragw\u00fcrdig ist das Vorgehen in jedem Fall<\/strong>, aber bei Tipico sieht man sich wahrscheinlich nicht zu Unrecht in einer g\u00fcnstigen Position, denn das betroffene Unternehmen, an das die R\u00fcckforderungen gestellt werden k\u00f6nnten, ist in Malta ans\u00e4ssig. Das hat viele Vorteile.<\/p>\n\n\n\n Im Jahr 2024 wurde in Malta die sogenannte Bill 55, das maltesische Gl\u00fccksspielgesetz, um einen entscheidenden Punkt erweitert: Ausl\u00e4ndische Gerichte d\u00fcrfen ihre Urteile gegen maltesische Gl\u00fccksspielanbieter nicht durchsetzen, falls diese Urteile gegen Maltas \u00f6ffentliche Ordnung versto\u00dfen. Praktisch bedeutet dies, ein deutsches Gericht kann Tipico verurteilen, aber die Durchsetzung des Urteils wird aller Wahrscheinlichkeit nach von den maltesischen Beh\u00f6rden verweigert<\/strong>. Gleiches passierte bereits bei LUGAS-freien Wettanbietern<\/a>, die nicht an deutsches Recht gebunden sind, ihr Angebot aber deutschen Wettfans zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n\n\n\n Malta sch\u00fctzt mit allen Mitteln die Gl\u00fccksspielindustrie, die dem Land erhebliche Steuereinnahmen in den vergangenen Jahrzehnten beschert hat. Es ist stark umstritten, ob die Bill 55 mit Europarecht in Einklang steht<\/strong>. Es spricht einiges daf\u00fcr, dass dies nicht der Fall ist und die letzte Gesetzes\u00e4nderung r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden muss. Aber bis es eventuell so weit ist, k\u00f6nnen Jahre vergehen.<\/p>\n\n\n\n F\u00fcr deutsche Kl\u00e4ger, die versuchen, gegen Tipico und andere Gl\u00fccksspielanbieter mit Sitz in Malta vorzugehen, sind die Aussichten schlecht. Tipico hat sich doppelt und dreifach abgesichert<\/strong>, aber auch die Gl\u00fccksspielanbieter, die dies nicht getan haben, k\u00f6nnen recht entspannt auf Gerichtsurteile in Deutschland und \u00d6sterreich schauen. Die Durchsetzung von R\u00fcckforderungen gegen maltesische Unternehmen war schon in der Vergangenheit schwierig und wird in den n\u00e4chsten Jahren kaum m\u00f6glich sein.<\/p>\n\n\n\n Tipico ist in vielerlei Hinsicht ein interessanter Fall. Ein Blick auf die Anzahl der Besch\u00e4ftigten zeigt, dass offiziell nur ein paar Dutzend Personen bei der Tipico Co. Ltd.<\/strong> und Tipico Games Ltd. angestellt sind. Schaut man sich jedoch auf Plattformen wie LinkedIn um, sieht es eher danach aus, als l\u00e4ge die tats\u00e4chliche Zahl der Angestellten \u00fcber 400. Wie kann das sein?<\/p>\n\n\n\n Die L\u00f6sung dieses R\u00e4tsels ist relativ einfach, denn Tipico besch\u00e4ftigt sein Personal vorwiegend nicht in den operativen Gesellschaften, also Tipico Co. Ltd und Tipico Games Ltd., sondern in ausgelagerten Servicegesellschaften wie Tipico Services Ltd. und Tipico B2B Ltd<\/strong>. Diese Firmen haben nichts mit den R\u00fcckforderungsprozessen zu tun, hatten nie Gl\u00fccksspiellizenzen und werden deswegen nun auch in keiner Hinsicht juristisch belangt.<\/p>\n\n\n\n Bei dieser nicht ganz ungew\u00f6hnlichen Struktur ging es wohl darum, eine Strategie f\u00fcr eine m\u00f6gliche Insolvenz <\/strong>zu haben. Selbst wenn eine Betriebsgesellschaft zahlungsunf\u00e4hig w\u00fcrde, k\u00f6nnte das Gesch\u00e4ft dank der Mitarbeiter aus den ausgegliederten Gesellschaften weiterlaufen. Die gesamte technische Infrastruktur, die Kundendatenbanken sowie das Backoffice w\u00e4ren nach wie vor verf\u00fcgbar und h\u00e4tten keinerlei Altlasten.<\/p>\n\n\n\nTipico Ma\u00dfnahmen gegen R\u00fcckforderungen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n
Verkauf der Marke Tipico an die Muttergesellschaft<\/strong><\/h2>\n\n\n\n
Malta sch\u00fctzt Tipico und andere Gl\u00fccksspielanbieter<\/strong><\/h2>\n\n\n\n
Wo sind Tipicos 400 Angestellte?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n
Verkauf an Medienkonzern Banijay in neuem Licht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n