{"id":65887,"date":"2025-10-10T13:36:51","date_gmt":"2025-10-10T13:36:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/?p=65887"},"modified":"2025-10-10T13:36:54","modified_gmt":"2025-10-10T13:36:54","slug":"review-borderlands-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gameshub.com\/de\/news\/reviews\/review-borderlands-4\/","title":{"rendered":"Borderlands 4 Review: Das braucht eine General\u00fcberholung, Mr. Pitchford"},"content":{"rendered":"\n

Borderlands 4 ist ein Spiel, das ganz offensichtlich mit sich selbst ringt. Es ist eine direkte Reaktion auf Borderlands 3, also auf dessen negative Kritik und das Feedback aus der Community. Es schl\u00e4gt nun voll in jene Richtung aus, die es seit Borderlands 2 nur angedeutet hatte. Es ist ein Paradebeispiel daf\u00fcr, wie man ein Spiel nicht schreibt: Vollgestopft mit aufdringlichen Gags, die krampfhaft lustig sein wollen, untermalt von einer \u00fcberheblichen Selbstsicherheit, die allein darauf basiert, dass es ohnehin egal ist, was Gearbox ver\u00f6ffentlicht, weil es sich sowieso verkauft.<\/p>\n\n\n\n

Borderlands 4 ist das Ergebnis dieses ersch\u00fctterten Selbstvertrauens, aber es kann die fast zwanzig Jahre Ballast, die die Serie inzwischen mit sich herumschleppt, nicht abwerfen. Gearbox f\u00e4hrt diesen Zug seit 2008. Er braucht endlich eine General\u00fcberholung und nicht noch ein paar Flickstellen aus Duck Tape, die das Ganze nur notd\u00fcrftig zusammenhalten.<\/p>\n\n\n\n

Der Ruf des Spiels hat nat\u00fcrlich auch nicht davon profitiert, dass Spielerinnen und Spieler \u00fcber zahlreiche Performance-Probleme, Abst\u00fcrze und Bugs beim Release berichtet haben.<\/p>\n\n\n\n

Die gute Nachricht in diesem Review ist, dass Gearbox bei der Erz\u00e4hlweise sp\u00fcrbar dazugelernt hat. Das Spiel hat den Humor zur\u00fcckgefahren und l\u00e4sst seinen Momenten endlich Luft zum Atmen, statt sie sofort mit einem dummen Spruch zu zerst\u00f6ren. Der Ton ist erwachsener, d\u00fcsterer, was allerdings auch unbeabsichtigte Folgen hat.<\/p>\n\n\n\n

Borderlands 4 Review<\/strong><\/h2>\n\n\n\n
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Borderlands 4 pr\u00e4sentiert sich nicht als schwarze Kom\u00f6die und hat auch gar nicht die F\u00e4higkeiten, eine zu sein. Stattdessen rutschen die \u201edunklen\u201c Momente oft in die Stimmung alter Independent-Comics der 1990er-Jahre ab. Sie waren so trostlos, dass ich nur die Augen verdrehen konnte, w\u00e4hrend die Sprecherin meiner Spielfigur Vex eine leidenschaftliche Rede \u00fcber die Situation hielt.<\/p>\n\n\n\n

Das zieht sich bis in die Hauptstory, die mit einem seltsamen Drang durch ihre Klischees hetzt. So, als w\u00fcsste das Spiel, dass die Geschichte nur Dekoration ist, die bald wegger\u00e4umt wird. Das ist eigenartig, denn vieles, was man w\u00e4hrend der Entwicklung geh\u00f6rt hatte, klang nach einer bewussten Abkehr vom Stil, der wirkte, als w\u00e4re das Skript auf Reddit geschrieben und von allem inspiriert, was Randy Pitchford in der Woche auf Twitter sah.<\/p>\n\n\n\n

Und doch gibt es diese anderen Momente, in denen Borderlands 4 pl\u00f6tzlich Geschichten erz\u00e4hlt, die fast schon Star-Trek-artige Sci-Fi-Dilemmata aufwerfen, wie etwa \u00fcber eine intelligente Rakete, die herausfinden will, ob sie ein Blindg\u00e4nger ist. Oder eine Schnitzeljagd rund um einen mysteri\u00f6sen Verkaufsautomaten, die mich mit ihren R\u00e4tseln tats\u00e4chlich ein wenig stutzen lie\u00df. In diesen kleineren, fokussierten Episoden blitzt das alte Genie kurz auf, weshalb es auch umso frustrierender ist, dass das Spiel \u00fcberhaupt eine \u201eHauptmission\u201c braucht.<\/p>\n\n\n\n

Die Hauptstory von Borderlands 4 ohne Wucht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n

Die Hauptmission wirkt schlaff. Figuren tauchen auf, verschwinden gleich wieder oder bleiben viel zu lange. Im Lauf des Spiels trifft man auf drei gro\u00dfe Anf\u00fchrer der gegnerischen Fraktionen. Nur einer von ihnen bleibt wirklich h\u00e4ngen. Idolator Sol, der erste Schurke, dessen Auftritt durch eine kleine, gelungene Wendung zumindest kurz \u00fcberrascht.<\/p>\n\n\n\n

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Aber selbst wenn der Humor diesmal die dramatischen Szenen nicht untergr\u00e4bt, das Kampfsystem tut es. Eine Bombardierungsszene zu Beginn des Spiels verliert jede Spannung, sobald klar wird, dass sie erst endet, wenn auch der letzte Gegner besiegt ist. Nur ist es ein \u201eBadass\u201c, der noch eine zus\u00e4tzliche Minute braucht, bis er endlich f\u00e4llt und damit jede Spannung aus der Szene zieht.<\/p>\n\n\n\n

Auch sonst werden vermeintlich wichtige Momente vom Spiel selbst entwertet. Diese Figur kann nicht sterben, sonst k\u00f6nnte sie mir nachher ja keinen Auftrag mehr geben. Nie hatte ich in Borderlands 4 das Gef\u00fchl, dass mein Handeln wirklich Konsequenzen hat. Wenn jemand durch mein Versagen stirbt, wird das einfach ignoriert.<\/p>\n\n\n\n

So bleibt alles bei dieser Themenpark-Atmosph\u00e4re, mit der die Serie seit Jahren k\u00e4mpft. Borderlands 4 will, dass man jede Attraktion sieht, aber gerade dadurch verliert es jeden Biss und jede Bedrohung, die es am Anfang vorgibt. Was bleibt, ist eine st\u00e4ndige Reiz\u00fcberflutung.<\/p>\n\n\n\n

Die Borderlands 4 Story<\/strong><\/h2>\n\n\n\n

Nach einer Weile, als ich das Land Kairos bereiste, war ich nur noch genervt. Die Welt wirkt leer und eint\u00f6nig, und durchzukommen ist ein einziger Krampf. Mehrmals bin ich irgendwo abgest\u00fcrzt und kam nicht mehr hoch. Also blieb mir nichts anderes \u00fcbrig, als 15 Minuten Umweg zu laufen, um denselben Felsen wieder zu erklimmen.<\/p>\n\n\n\n

Dabei hat das Spiel einen Enterhaken eingef\u00fchrt, der aber fast nie benutzt wird. Zwar sollte das System eigentlich f\u00fcr mehr Bewegungsfreiheit sorgen, aber am Ende bleibt alles so tr\u00e4ge wie eh und je. Es gibt keine Gegner, die man entern kann, nur kleine Explosionsf\u00e4sser, die meistens zu wenig Schaden anrichten oder ihr Ziel verfehlen.<\/p>\n\n\n\n

Wenn das Spiel den Enterhaken doch mal nutzt, ist alles streng geskriptet. Keine Freiheit, kein Schwung, kein echtes Momentum und man landet sofort wieder auf dem Boden. Das f\u00fchlt sich steif, unbeholfen und vor allem nutzlos an.<\/p>\n\n\n\n

Auch der Kampf schwankt extrem in seiner Qualit\u00e4t. Manchmal verschmelzen Bewegung, Waffengef\u00fchl und Gegnerwellen zu einem kurzen Flow-Moment. Dann taucht die n\u00e4chste Welle auf und alles zieht sich wieder endlos. Der Kern von Borderlands 4, der Loot, bleibt dabei entt\u00e4uschend d\u00fcnn, vor allem im Vergleich zu anderen Spielen im selben Genre.<\/p>\n\n\n\n

Beute, die nichts mehr hermacht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n
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Ich liebe Loot-Games und Action-RPGs und habe unz\u00e4hlige Stunden in Titeln verbracht, die Loots einfach besser machen. Borderlands 4 behauptet in jeder Werbefolie, alles drehe sich um den Loot. Doch er ist langweilig, oft entt\u00e4uschend, und dient nur dazu, die wenigen brauchbaren Items wie Edelsteine im Misthaufen gl\u00e4nzen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n

Spiele wie Path of Exile oder Diablo haben l\u00e4ngst gezeigt, wie man Loot-Systeme interessant gestaltet. Borderlands hingegen klammert sich an seine alte Formel, die heutzutage einfach altbacken wirkt.<\/p>\n\n\n\n

Nach jedem Kampf liegen Dutzende Waffen herum und man verbringt ewig damit, die schwebenden Men\u00fcs dar\u00fcber zu lesen. Wie in Path of Exile ist aber das meiste davon nutzlos. Nur dass dort die Filter helfen, den Bildschirm zu s\u00e4ubern und nur das einzublenden, was wirklich interessant ist. So etwas fehlt in Borderlands 4 v\u00f6llig.<\/p>\n\n\n\n

Trotz des gro\u00dfen Fokus auf die Loots gibt es keine M\u00f6glichkeit, sich mit einer Waffe, die man gefunden hat, wirklich anzufreunden. Es gibt nur wenige Optionen, die Waffen aufzur\u00fcsten oder zu ver\u00e4ndern, an die ich mich gew\u00f6hnt hatte, und deren Schadenswerte reichten irgendwann einfach nicht mehr aus.<\/p>\n\n\n\n

Eine Schrotflinte, die sich fantastisch anf\u00fchlte und einen gro\u00dfartigen alternativen Feuermodus hatte, musste ich verschrotten, weil sie schlicht nicht mehr spielbar war. Jede Schrotflinte, die ich dann sp\u00e4ter bekam, f\u00fchlte sich nie richtig an oder hatte irgendeine schr\u00e4ge Eigenheit, die sie nerviger machte, als dass sie Spa\u00df brachte.<\/p>\n\n\n\n

Die Borderlands 4 Waffen sind nicht gerade \u00fcberw\u00e4ltigend<\/strong><\/h2>\n\n\n\n

Selten hatte ich das Gef\u00fchl, mich mit einem Waffen-Set wirklich wohlzuf\u00fchlen. Alles wirkt, als wolle es einem Steine in den Weg legen. So, als h\u00e4tte jemand das Konzept von Risiko und Belohnung \u00fcbertrieben und so lange angepasst, bis es einfach nur noch nervt.<\/p>\n\n\n\n

Oft hat eine Waffe fantastische Eigenschaften, wird dann aber mit einem nervigen Zusatz verflucht. Zum Beispiel, dass man sie erst aufladen muss, bevor sie feuert und dann schie\u00dft sie nur automatisch ohne die M\u00f6glichkeit, pr\u00e4zise Einzelsch\u00fcsse abzugeben.<\/p>\n\n\n\n

Wenn man wissen will, wie sich Borderlands 4 anf\u00fchlt, hier mein Erlebnis am Ende des Spiels:<\/p>\n\n\n\n

Am Ende stand ich in einem Raum mit vier riesigen Loot-Kisten, die meine Belohnung f\u00fcr den besiegten Boss sein sollten. Ich \u00f6ffnete sie und bekam fast nur zweitklassige Items und eine legend\u00e4re Waffe, die jedoch im aktuellen Spielabschnitt unbrauchbar war.<\/p>\n\n\n\n

Dann zwang mich das Spiel, eine fr\u00fchere Mission erneut zu spielen, zwar mit leichten Abwandlungen, aber immer noch denselben uralten Dialogen und den \u00fcblichen Wartezeiten. Der Aufwand stand in keinem Verh\u00e4ltnis zur Belohnung.<\/p>\n\n\n\n

Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n

Von den rund 2,5 Millionen Spielerinnen und Spielern, die Borderlands 4 ausprobiert haben, d\u00fcrften viele erkannt haben, dass dieses Spiel zwar anders sein will, nach fast 20 Jahren aber immer noch dieselbe Nummer abzieht. Es macht ein paar Schritte in die richtige Richtung, aber insgesamt braucht die Serie eine komplette General\u00fcberholung.<\/p>\n\n\n\n

Ich wei\u00df nicht, wohin das von hier aus noch f\u00fchren kann, aber so geht es nicht weiter. Noch so einen tr\u00e4gen Shooter mit einem veralteten Loot-System halte ich nicht mehr aus.<\/p>\n\n\n\n

Ich wei\u00df nicht, ob Borderlands k\u00fcnftig st\u00e4rker in Richtung MMO geht oder verzweifelt versucht, seine alte Erz\u00e4hlform zu retten, aber die endlose Wiederholung in jedem Spiel hat mir den Spa\u00df l\u00e4ngst ausgetrieben. Ich kann kaum noch sagen, was Borderlands brauchen w\u00fcrde, denn seit 2008 l\u00e4uft das Game in einem z\u00e4hen Kreis aus immer denselben, langsam verformten Ideen. Und wenn sich mal etwas \u00e4ndert, dann meistens zum Schlechteren.<\/p>\n\n\n\n

Ich habe \u00fcber f\u00fcnfzig Stunden in Borderlands 4 gesteckt und am Ende war meine einzige Belohnung eine legend\u00e4re Waffe, die ich sofort wieder weggeworfen habe. Das ist Borderlands 4.<\/p>\n\n\n\n

Positiv<\/strong><\/td>Negativ<\/strong><\/td><\/tr>
Weniger nerviger Humor<\/td>Immer noch zu sehr Borderlands (im schlechten Sinn)<\/td><\/tr>
Manche Szenen wirklich emotional gelungen<\/td>Nervt einfach durchgehend<\/td><\/tr>
 <\/td>Loot steht nur auf dem Papier im Mittelpunkt. Am Ende bleibt nur das ewige Farmen nach neuer Ausr\u00fcstung.<\/td><\/tr>
 <\/td>Sich in der Welt zu bewegen, kann stellenweise richtig frustrierend sein.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/div><\/figure>\n\n\n\n

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