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Marvel Cosmic Invasion ist ein Brawler für alle, die eigentlich schlecht in Brawlers sind

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Ich muss euch etwas gestehen: Ich bin furchtbar schlecht in Beat’em ups. Sobald ein Spiel von mir verlangt, mir längere Kombos zu merken als „Viereck, Viereck, Dreieck“, schaltet mein Gehirn einfach ab. Genau deshalb war ich skeptisch, als Marvel Cosmic Invasion im Dezember auf der PS5 erschien und ganz offen an die glorreiche, aber gnadenlose Arcade Ära der Münzfresser anknüpfen wollte.

Doch überraschenderweise hat mich dieses Spiel ziemlich schnell auf seine Seite gezogen. Nicht, weil ich plötzlich besser geworden bin, sondern weil es mir erlaubt, das System clever auszutricksen. Entwickelt von Tribute Games, den Köpfen hinter TMNT: Shredder’s Revenge, verbindet Marvel Cosmic Invasion klassische Side Scrolling Action mit einer modernen Zugänglichkeit, die auch Anfänger abholt. 

Statt euch gnadenlos zu bestrafen, gibt euch das Spiel Tools an die Hand, mit denen ihr euch wie echte Superhelden fühlt. Selbst dann, wenn ihr sonst eher planlos auf die Knöpfe haut.

Marvel Cosmic Invasion ist damit nicht nur eine Liebeserklärung an Retro Brawler, sondern auch eine Einladung an all jene unter euch, die dieses Genre bisher eher aus sicherer Entfernung betrachtet haben.

Der „Cosmic Swap“ verändert alles

Entwickelt von Tribute Games führt Marvel Cosmic Invasion ein Tag Team System ein, das sich schlicht genial anfühlt: den sogenannten Cosmic Swap. Statt euch für einen einzelnen Helden zu entscheiden und mit ihm bis zum bitteren Ende auszukommen, wählt ihr gleich ein Duo. Per Knopfdruck könnt ihr jederzeit zwischen beiden Helden wechseln, und zwar mitten im Kampf, mitten in der Kombo, und ohne Wartezeit oder Strafe.

Gerade für weniger geübte Spielerinnen und Spieler ist das ein absoluter Segen. Wenn mir als Captain America langsam die Lebensenergie ausgeht, muss ich nicht panisch rückwärts rollen oder hoffen, dass kein Treffer mehr kommt. 

Ich wechsle einfach zu Silver Surfer, schwebe durch die Gegend, feuere Energiewellen ab und währenddessen erholt sich Cap im Hintergrund ganz entspannt. Das nimmt enorm viel Druck aus den Kämpfen und sorgt dafür, dass ihr euch nicht ständig am Rand des Game Overs bewegt.

Der Cosmic Swap verändert auch den Spielfluss grundlegend. Statt eines zähen Durchhaltetests entsteht ein rhythmisches Wechselspiel aus Angriff, Rückzug und erneuter Offensive. Besonders clever ist, dass das System diese typischen Leerlauf Momente alter Brawler verhindert, in denen ihr nach einer Kombo warten müsst, bis Gegner wieder aufstehen. 

Hier wechselt ihr einfach den Charakter, setzt die Angriffe fort und haltet den Schlagabtausch am Laufen. Ehrlich gesagt lässt mich das Spiel deutlich besser aussehen, als ich eigentlich bin. Genau das macht es aber so verdammt unterhaltsam.

Ein Kader, der nach Comics schreit… und nicht nach Kino

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Der Kader aus 15 spielbaren Helden ist eines der großen Highlights von Marvel Cosmic Invasion. Gerade weil er sich fast komplett vom Marvel Cinematic Universe löst. Ihr bekommt hier keine glattgebügelten Film Versionen, sondern Charaktere, die tief in der Comic Historie verwurzelt sind und sich stark an der „Annihilation“ Storyline orientieren. 

Klassische Schwergewichte wie Hulk oder The Thing fehlen bewusst, dafür rücken kosmische Exoten ins Rampenlicht wie Beta Ray Bill, der pferdeköpfige Thor Ersatz, oder der völlig durchgedrehte Cosmic Ghost Rider. Dies sind genau die Art von Helden, die man in einem solchen Retro Brawler sehen will.

Das sorgt nicht nur für Abwechslung im Gameplay, sondern auch für echte Neugier. Wenn ihr einige dieser Charaktere vorher nicht kanntet, ist das eher ein Pluspunkt. Denn das Spiel macht richtig Lust, sich danach durch Marvel Wikis zu klicken und mehr über diese schrägen Gestalten zu erfahren. Genau so haben früher Arcade Games Wissen über Comicwelten vermittelt, ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Auch optisch ist der Cast eine Wucht. Der Pixel Art Stil ist gestochen scharf, extrem farbenfroh und unglaublich ausdrucksstark. Rocket Raccoon, der den Bildschirm mit schweren Waffen flutet, oder Venom, der sich in eine schleimige Masse verwandelt, sehen selbst in 4K fantastisch aus. Dieser leicht „chibi“-hafte Look erinnert stark an alte Sega-Saturn- oder Capcom-Brawler, selbstverständlich im besten Sinne.

Eine Designentscheidung sorgt allerdings für etwas Reibung. Verteidigung ist strikt getrennt. Helden können entweder blocken oder ausweichen, aber nie beides. Flinke Helden wie Spider-Man leben vom Dodge, während Tanks wie She-Hulk stoisch den Schild hochhalten müssen. 

Gerade wenn es auf dem Bildschirm hektisch wird, kann das verwirrend sein. Mir ist es mehr als einmal passiert, dass ich vergessen habe, welche Option mein aktueller Held besitzt. Dafür habe ich natürlich unnötig Prügel kassiert. Das ist kein Gamebreaker, aber definitiv etwas, das ihr im Hinterkopf behalten müsst.

Die „Bullet-Hell“ Frustration

So lustig das Kampfsystem auch ist, Marvel Cosmic Invasion hat eine klare Schwäche: Es setzt in späteren Abschnitten sehr stark auf Gegner, die aus der Distanz angreifen. Vor allem in den späteren Levels, wenn ihr gegen A.I.M. Einheiten oder die insektoiden Soldaten der Annihilation Wave antretet, verwandelt sich der Bildschirm schnell in ein wahres Projektilgewitter. Laser, Energiekugeln und Schüsse fliegen von allen Seiten, oft auch von Gegnern, die ihr noch gar nicht sehen könnt.

Für erfahrene Beat-’em-up Veteranen mag das eine willkommene Herausforderung sein. Abstände einschätzen, Prioritäten setzen und gezielt bestimmte Gegner ausschalten. All das gehört für sie zum guten Ton. Für mich fühlte sich das allerdings eher nach Stress als nach Spaß an. Wenn ihr gerade mitten in einer schönen Combo steckt und plötzlich von drei Off-Screen-Geschossen getroffen werdet, wirkt das schnell unfair.

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Statt euch auf das eigentliche Prügeln zu konzentrieren, spielt ihr plötzlich „Jagd auf die Fernkämpfer“. Erst die Schützen finden, dann hoffen, dass euch in der Zwischenzeit nichts anderes trifft. Das reißt den Flow spürbar auseinander und nimmt dem Nahkampf einiges von seiner Wucht.

Hier zeigt sich Marvel Cosmic Invasion am stärksten von seiner altmodischen Seite. Diese Art von künstlicher Schwierigkeit erinnert an klassische Arcade Zeiten, in denen Spiele darauf ausgelegt waren, euch möglichst schnell um eure Münzen zu bringen. Nostalgisch? Vielleicht. Zeitgemäß? Eher nicht. Genau hier hätte etwas mehr Zurückhaltung dem Spiel gutgetan.

Kampagnenstruktur, Modi und Replay Wert

Ein Aspekt von Marvel Cosmic Invasion, über den man unbedingt sprechen sollte, ist die Struktur der Kampagne und das, was ihr nach dem ersten Durchlauf noch aus dem Spiel herausholen könnt. Die Story führt euch durch über ein Dutzend Schauplätze im Marvel Multiversum, und zwar von Wakanda über Genosha bis hin zu eher exotischen Orten, die selbst eingefleischte Marvel Fans erst einmal einordnen müssen. 

Jeder Abschnitt endet mit einem eigenen Bosskampf, was dem Spiel einen angenehm klaren Rhythmus gibt und dafür sorgt, dass ihr regelmäßig kleine Höhepunkte erlebt.

Neben dem klassischen Kampagnenmodus gibt es auch einen Arcade Modus, der das Ganze etwas straffer aufzieht. Hier sind es weniger Level, teilweise mit Auswahlmöglichkeiten zwischen zwei Routen, was sich besonders gut für kürzere Sessions eignet. 

Dazu kommen optionale Modifikatoren, die Runs spürbar verändern können. Etwa stärkere Gegner oder Supers, die plötzlich Lebensenergie kosten. Das ist nichts Revolutionäres, sorgt aber dafür, dass sich Wiederholungen nicht komplett gleich anfühlen.

Zusätzlich motivieren Sammelobjekte und Herausforderungen in den Levels dazu, alte Abschnitte erneut zu spielen und andere Helden Kombinationen auszuprobieren. Auch das leichte RPG System, bei dem Charaktere nach abgeschlossenen Levels aufsteigen und neue passive Boni freischalten, trägt zum Langzeitspaß bei. Auch wenn es etwas zu automatisiert ausfällt.

Unterm Strich ist Marvel Cosmic Invasion kein Endlosspiel, aber eines, das euch immer wieder zu „nur noch einem Run“ verleitet.

Online- und Couch-Co-op: Gemeinsam wird’s erst richtig chaotisch

Selbst wenn Marvel Cosmic Invasion solo gut funktioniert, entfaltet das Spiel sein volles Potenzial erst im Mehrspielermodus. Gerade durch das Tag Team System entstehen dabei Momente, die sich herrlich improvisiert und dynamisch anfühlen. Während ihr euch im Singleplayer schon stark fühlt, wird das Geschehen im Co-op schnell zu einem koordinierten Chaos aus fliegenden Gegnern, Spezialattacken und ständig wechselnden Helden.

Besonders spannend ist, wie gut sich der Cosmic Swap auch zwischen mehreren Spielern nutzen lässt. Gegner können von einer Spielerin zu euch herüber geschleudert werden, nur damit ihr die Kombo nahtlos weiterführt, während euer Partner bereits das nächste Ziel angeht. 

Das erinnert stark an klassische Arcade Zeiten, fühlt sich aber dank moderner Technik angenehm flüssig an. Auch online lief das Zusammenspiel größtenteils stabil, kleinere Ruckler hin und wieder inklusive, ohne jedoch den Spielfluss ernsthaft zu stören.

Der Schwierigkeitsgrad relativiert sich im Co-op spürbar. Was allein noch stressig wirkt, etwa Gegnerwellen voller Projektile, wird gemeinsam deutlich besser kontrollierbar. Gleichzeitig steigt aber auch der Spaßfaktor enorm, weil ihr euch gegenseitig aus brenzligen Situationen retten oder spektakuläre Kombos feiern könnt.

Marvel Cosmic Invasion ist damit ein echtes Gemeinschaftsspiel. Allein solide, aber zusammen deutlich besser. Genau das macht es zu einem idealen Titel für gemeinsame Abende.

Performance auf der PS5

Auf der PlayStation 5 läuft Marvel Cosmic Invasion absolut geschmeidig. Das Spiel zielt konsequent auf 60 Bilder pro Sekunde ab und hält dieses Ziel auch zuverlässig ein. Gerade in einem Beat ’em up, in dem der Bildschirm regelmäßig mit Spezialattacken, Explosionen und Effekten geflutet wird, ist das enorm wichtig. 

Alles bleibt übersichtlich, Eingaben fühlen sich präzise an, und selbst in chaotischen Momenten kommt es zu keinen spürbaren Einbrüchen. Dazu kommen die kräftigen Farben und scharfen Pixelgrafiken, die auf einem modernen Fernseher richtig zur Geltung kommen und dem Retro Stil zusätzlichen Glanz verleihen.

Allerdings solltet ihr keine großen „Next-Gen Spielereien“ vom DualSense Controller erwarten. Die speziellen Features der PS5 werden nur sehr rudimentär genutzt. Es gibt keine ausgefeilte haptische Rückmeldung, die euch spüren lässt, ob ihr gerade mit einem Vibranium Schild blockt oder von einem Laser getroffen werdet. Auch die adaptiven Trigger bleiben komplett ungenutzt. Das ist kein Beinbruch, aber eine verpasste Chance.

Unterm Strich fühlt sich das Spielerlebnis technisch sehr sauber und zuverlässig an, nur eben eher klassisch. Wer einfach ein flüssig laufendes Beat ’em up ohne Schnickschnack sucht, wird hier vollkommen zufrieden sein.

Fazit

Marvel Cosmic Invasion ist ein überraschend großartiger Zeitvertreib. Selbst dann, wenn ihr Beat ’em ups normalerweise eher meidet. Das clevere Tag Team System senkt die Einstiegshürde enorm und sorgt dafür, dass ihr euch nicht wie ein einzelner Prügelknabe fühlt, sondern wie ein echtes Superhelden Duo, das sich gegenseitig den Rücken freihält. Gerade für neue Spielerinnen und Spieler ist das ein echter Pluspunkt, weil Frustmomente deutlich seltener auftreten.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Die späteren Levels übertreiben es teilweise mit schießwütigen Gegnern, was den Spielfluss bremsen kann, und die Kampagne ist recht kurz. Ehrlich gesagt, könnt ihr an einem entspannten Nachmittag problemlos die Credits lesen. Trotzdem überwiegt der Spaß deutlich. Die Kämpfe fühlen sich wuchtig an, die Charaktere sprühen vor Persönlichkeit, und die Liebe zum Marvel Universum ist in jeder Animation und jedem Sprite spürbar.

Unterm Strich ist Marvel Cosmic Invasion ein ideales Wohlfühlspiel. Einfach perfekt für einen gemütlichen Sonntag, noch besser mit einer zweiten Person auf der Couch. Es ist also ein Marvel Brawler Liebesbrief und ein Beweis dafür, dass klassische Brawler auch heute noch hervorragend funktionieren können.

Vorteile
  • Cosmic Swap System: Das sofortige Tag Team wechseln bringt Tiefe ins Gameplay und macht das Spiel auch für Einsteiger zugänglich.
  • Großartiges Heldenaufgebot: 15 einzigartige Charaktere mit Fokus auf Comic Vorlagen statt Filmversionen (z. B. Silver Surfer, Beta Ray Bill).
  • Wunderschöne Optik: Hochwertige Pixelgrafik, die in 4K besonders scharf und farbenfroh wirkt.
  • Saubere Performance: Stabile 60 fps sorgen dafür, dass die Action jederzeit flüssig bleibt.
Nachteile
  • Projektil Spam: Spätere Levels setzen zu stark auf Gegner, die aus der Distanz schießen, was schnell frustrierend wird.
  • Eingeschränkte Defensive: Figuren können nur blocken oder ausweichen. Das fühlt sich limitierend an und sorgt für billige Treffer.
  • Kurze Kampagne: Nach rund 3 Stunden laufen bereits die Credits, was sich für den Preis etwas dünn anfühlen kann.
  • Einfache DualSense Unterstützung: Die besonderen Features des PS5 Controllers werden kaum genutzt.

Josephine hat ihre Leidenschaft fürs Schreiben mit ihrer Liebe zum Online-Gaming verbunden. Von Browsergames bis hin zu MMORPGs erkundet sie digitale Welten voller Spielspaß und Kreativität. Daher sind Online Casinos für sie auch eine interessante Schnittstelle zwischen Spielspaß und technischen Innovationen. Besonders die riesige Auswahl an unterschiedlichen Slots mit ihren vielfältigen Features faszinieren sie. Wenn Josephine gerade nicht schreibt oder recherchiert, ist sie sehr aktiv in ihrer Kirchengemeinde unterwegs oder taucht in die Welt der handgemachten Musik ein.