Unbeatable ist ein Spiel, das sich anfühlt, als würde es permanent gegen seine eigenen Ambitionen ankämpfen. Einerseits ist es ein brillantes, extrem stilbewusstes Rhythmusspiel, das das Gefühl, gemeinsam in einer Band zu spielen, nahezu perfekt trifft. Andererseits präsentiert es sich als chaotisches, stellenweise frustrierendes Story Abenteuer, das sich nie ganz entscheiden kann, welche Art von Spiel es eigentlich sein möchte. Leider lässt es euch genau das auch regelmäßig spüren, wie wir in unserer Unbeatable Rezension herausfinden konnten.
Veröffentlicht am 9. Dezember 2025 für PlayStation 5, Xbox Series X/S und PC, war dieses Indie Projekt von D-Cell Games lange erwartet. Viele Fans hatten sich nach der gefeierten Demo white label große Hoffnungen auf die Vollversion gemacht. Doch der Schritt von einer starken Konzept Demo zu einem vollständigen Spiel, insbesondere auf der PS5, verlief nicht ohne Reibungsverluste. Technische Unebenheiten und Designentscheidungen sorgen dafür, dass die Euphorie nicht durchgehend getragen wird.
Angesiedelt ist Unbeatable in einer Welt, in der Musik verboten ist. Ihr übernehmt die Rolle von Beat, einer pinkhaarigen Musikerin auf der Flucht vor der Polizei, in einer neonleuchtenden, anime-inspirierten Dystopie. Der Stil ist dabei absolut unverkennbar, dank der wilden Mischung aus 2D Figuren und 3D Umgebungen, die wie ein wiederbelebtes Anime Musikvideo aus den 90ern wirken. Wenn alles zusammenspielt, ist das ein audiovisueller Overload, und zwar im besten Sinne.
Der Rhythmus holt euch früher oder später ein
Im Kern teilt Unbeatable sein Gameplay in zwei grundverschiedene Spielerfahrungen auf. Die Rhythmuspassagen gehören dabei ohne Frage zu den großen Stärken des Spiels. Mit einem bewusst reduzierten Zwei-Button Steuerungskonzept sind sie schnell erlernt, entfalten aber mit steigender Schwierigkeit eine erstaunliche Tiefe. Noten rasen über den Bildschirm, Gegner greifen exakt im Takt an und die Kamera schwenkt dynamisch durch die Szene, um jeden Treffer dramatisch in Szene zu setzen.

Statt sich wie klassisches Tastendrücken anzufühlen, vermittelt das Spiel tatsächlich das Gefühl, ein Instrument zu spielen und aktiv Teil der Musik zu sein. Unterstützt wird das Ganze von einem starken Soundtrack aus energiegeladenem Pop-Punk und Rock, dessen Melodien euch noch Tage später im Kopf herumschwirren werden.
Das Problem hier ist aber ganz klar, dass bis ihr diese Highlights erreicht, müsst ihr oft Geduld mitbringen. Denn der Story Modus besteht zu großen Teilen aus langsamen Laufpassagen, endlosen Gesprächen mit NPCs und simplen Botengängen. Dieser „Walking Simulator“ Anteil wirkt häufig ziellos und bremst den Spielfluss massiv aus.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass ihr von einem intensiven, schweißtreibenden Song direkt in 15 bis 20 Minuten zähen Dialogs fallt, die sich anfühlen wie das Mitlesen eines chaotischen Discord Chats unter Teenagern. Der abrupte Wechsel zwischen Adrenalin und Leerlauf reißt euch immer wieder aus dem Flow und sorgt dafür, dass sich Unbeatable trotz seiner starken Rhythmusmechanik oft unfokussiert und zerstückelt anfühlt.
Arcade Modus: Der funkelnde Star
Wenn ihr Unbeatable vor allem wegen der Musik und des Rhythmusspiels spielt, solltet ihr eure Zeit fast ausschließlich im Arcade Modus verbringen. Hier wirft das Spiel sämtlichen Ballast des Story Modus über Bord und konzentriert sich endlich auf das, was wirklich funktioniert.
Ihr erhaltet direkten Zugriff auf die Song Bibliothek und könnt euch ohne Umwege in die musikalischen Herausforderungen stürzen. Über ein umfangreiches Challenge Board schaltet ihr nach und nach neue Tracks, spielbare Charaktere und kosmetische Extras frei. Dies sorgt selbstverständlich für eine angenehm motivierende Progression.
In diesem Modus fühlt sich Unbeatable wie das Spiel an, das es von Anfang an sein wollte: ein fokussiertes, schnelles und forderndes Rhythmus Erlebnis, das euch immer wieder zu „nur noch einem Song“ verleitet. Ohne langatmige Dialoge, zielloses Herumlaufen oder aufgesetzte Skurrilität kann das Gameplay endlich atmen. Genau hier zeigt Unbeatable sein volles Potenzial.
Die PS5 Performance mit ein paar technischen Stolpersteinen

Leider ist Unbeatable auf der PlayStation 5 derzeit mit spürbaren technischen Problemen verbunden. Zum Launch hinkt die Konsolenversion der PC Fassung in Sachen Feinschliff deutlich hinterher. Immer wieder kommt es zu Framerate Einbrüchen und störendem Ruckeln, besonders beim Übergang von den Erkundungsabschnitten in die Rhythmuspassagen. Gerade bei einem Spiel, das auf exaktes Timing und saubere Eingaben angewiesen ist, können solche Aussetzer extrem frustrierend sein und euch unnötig aus dem Takt bringen.
Hinzu kommen Audio Probleme, bei denen Songs knacken, kurz aussetzen oder unsauber abgespielt werden. Ein absolutes No-Go für ein Rhythmusspiel. Am gravierendsten ist jedoch ein Bug, der im Arcade Modus das Freischalten von Herausforderungen verhindert und euch damit effektiv von einem großen Teil der Inhalte aussperrt. Die Entwickler haben diese Fehler zwar bestätigt und Patches angekündigt, doch im aktuellen Zustand fühlt sich die PS5 Version eindeutig wie die schlechtere Wahl an.
Auch die DualSense Features bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Zwar gibt es haptisches Feedback im Takt der Musik, doch es wirkt eher beiläufig als immersiv. Angesichts des starken Fokus auf das „Feeling“ von Rhythmus und Beat ist das eine verpasste Chance, mit dem Controller wirklich etwas Besonderes zu machen.
Stil über Substanz: Storytelling, Ton und verschenktes Potenzial

Auf dem Papier klingt Unbeatable wie ein Traum für Musikfans. Denn es handelt sich hier um eine punkige Rebellion in einer dystopischen Stadt, in der Musik verboten ist. Erzählt durch schräge Charaktere und überzeichnete Szenen. In der Praxis scheitert das Spiel jedoch häufig an seinem eigenen Anspruch.
Der Story Modus versucht gleichzeitig, eine emotionale Geschichte über künstlerische Selbstverwirklichung und Zusammenhalt zu erzählen und sich als ironische Internet Komödie zu inszenieren. Diese beiden Tonlagen beißen sich immer wieder. Dialoge setzen oft auf „zufällig = lustig“ Humor, der in kurzen Momenten funktioniert, über mehrere Stunden hinweg jedoch ermüdet.
Hinzu kommt eine fragmentierte Erzählweise, die euch scheinbar wahllos zwischen Orten und Situationen hin- und herwirft. Szenen enden abrupt, Übergänge fehlen, und wichtige Momente werden ohne Aufbau präsentiert. Statt einer glaubwürdigen Dystopie entsteht so eher eine lose Abfolge von Vignetten, die mehr Stil als Substanz besitzen.
Besonders schade ist, dass zwischen all dem Leerlauf immer wieder starke, emotionale Ansätze aufblitzen, die zeigen, wie viel mehr Unbeatable hätte sein können, wenn Fokus und Redaktion strenger gewesen wären.
Schwierigkeit, Design und Nebenbaustellen abseits des Beats
Abseits von Story und Technik offenbart Unbeatable weitere Designentscheidungen, die den Gesamteindruck zwiespältig machen. Das Rhythmus System selbst ist bewusst minimalistisch gehalten. Zwei Eingaben reichen aus, um alle Songs zu spielen. Das sorgt für einen niedrigen Einstieg, limitiert aber langfristig die spielerische Entwicklung. Statt neue Mechaniken einzuführen, erhöht das Spiel den Anspruch fast ausschließlich über Tempo, Notendichte und visuelles Chaos.
Auf niedrigeren Schwierigkeitsgraden ist das Erlebnis dadurch fast schon unterfordernd, während höhere Stufen euch mit so vielen gleichzeitigen Reizen bombardieren, dass Präzision eher durch Auswendiglernen als durch musikalisches Gefühl entsteht.
Zusätzlich verstärkt die aggressive Kameraführung dieses Problem. Ständige Zooms, Schwenks und Wackeleffekte sehen zwar spektakulär aus, erschweren aber das Lesen der Noten erheblich. Positiv hervorzuheben sind immerhin die Optionen zur Reduzierung von Kameraeffekten und das Abschalten des standardmäßig aktivierten VHS Filters. Dies sind wichtige Zugeständnisse an Übersicht und Zugänglichkeit.
Auch abseits der Musik zeigt sich Unbeatable unnötig sperrig. Level wirken leer und bühnenhaft, die Kamerapositionierung macht Orientierung oft schwieriger als nötig, und das UI ist nicht immer sauber umgesetzt. Besonders Minispiele leiden unter unklaren Feedback Signalen und inkonsistenter Audiogestaltung.
Selbst im ansonsten starken Arcade Modus trübt die Entscheidung, einzelne Songs hinter Day-One-DLC zu verstecken, das ansonsten faire Fortschrittssystem. All diese Aspekte wirken nicht spielentscheidend für sich, summieren sich jedoch zu dem Gefühl, dass hier eine klare Designlinie gefehlt hat.
Präsentation, Atmosphäre und die kleinen Details dazwischen
Ein Bereich, in dem Unbeatable trotz aller Schwächen konstant überzeugt, ist seine audiovisuelle Präsentation. Zumindest auf konzeptioneller Ebene. Die punkige Anime-Ästhetik, die 2D Charaktere mit kantigen 3D Umgebungen kombiniert, verleiht dem Spiel eine starke Identität, die sofort wiedererkennbar ist.

Menüs wie Schallplatten, Record Scratch Sounds beim Pausieren und das grelle Farbdesign transportieren klar, wofür Unbeatable stehen will: Attitüde, Lautstärke und Stilbewusstsein. In einzelnen Szenen, etwa bei Sonnenuntergängen am Strand oder während größerer Musik Set Pieces, blitzt diese Vision besonders eindrucksvoll auf.
Gleichzeitig leidet die Atmosphäre darunter, dass viele Spielbereiche seltsam leblos wirken. Städte und Innenräume fühlen sich mehr wie Kulissen an als wie echte Orte, in denen Menschen leben. NPCs stehen oft regungslos herum, reagieren kaum auf Ereignisse und verstärken den Eindruck einer künstlichen Spielwelt. Auch die Kamera trägt dazu bei, dass Immersion verloren geht, da sie Wege verdeckt oder Räume unübersichtlich darstellt.
So entsteht ein merkwürdiger Widerspruch. Denn Unbeatable sieht stilistisch stark aus und hat ein klares ästhetisches Ziel, schafft es aber nicht immer, diese Präsentation mit Leben, Struktur und spielerischer Klarheit zu füllen. Die Atmosphäre stimmt, aber das Fundament darunter bleibt leider wackelig.
Ein gutes Spiel, das sich selbst im Weg steht
Unbeatable scheitert nicht an mangelnder Kreativität oder fehlender Leidenschaft, sondern vor allem an fehlender Konsequenz. Zu viele seiner Schwächen entstehen dadurch, dass starke Ideen nicht zu Ende gedacht oder klar priorisiert wurden. Der ständige Wechsel zwischen hochklassigem Rhythmusspiel und zähem Adventure Gameplay sorgt für ein unausgeglichenes Tempo, das euch immer wieder aus dem Erlebnis reißt.
Anstatt die musikalischen Stärken konsequent in den Vordergrund zu stellen, verliert sich das Spiel in Minispielen, Dialogen und Erkundungsabschnitten, die weder spielerisch noch erzählerisch tragen.
Auch die Präsentation trägt zu diesem zwiespältigen Eindruck bei. Die visuelle Identität ist auffällig und mutig, wird jedoch durch unruhige Kameraführung, leere Umgebungen und eine stellenweise überladene Inszenierung ausgebremst. Technische Unsauberkeiten, und zwar besonders auf Konsole, verstärken das Gefühl von Unfertigkeit zusätzlich.
All das macht Unbeatable nicht zu einem schlechten Spiel, aber zu einem, das sein eigenes Potenzial nur teilweise ausschöpft. Wer bereit ist, über Ecken und Kanten hinwegzusehen, findet hier starke Momente. Wer jedoch ein rundes, stringentes Gesamtpaket erwartet, wird diese Brüche deutlich spüren.
Fazit
Unbeatable ist ein Spiel der Extreme. Es ist großartig in seinen besten Momenten, ermüdend in seinen schwächsten. Wenn ihr im Rhythmus Modus vollkommen im Flow seid, im Takt zuschlagt und die Musik zusammen mit grellen Anime Visuals förmlich explodiert, liefert Unbeatable eines der intensivsten Rhythmus Erlebnisse der letzten Jahre. In diesen Augenblicken wird klar, wie viel Talent, Stilbewusstsein und Leidenschaft in diesem Projekt stecken.
Der Weg dorthin ist jedoch unnötig schwierig. Zähe Erzählpassagen, überladene Dialoge, unklare Übergänge und technische Probleme, insbesondere auf der PS5, bremsen den Spielfluss immer wieder aus. Das eigentliche Kern Gameplay wird zu oft von Designentscheidungen verdrängt, die weder spielerisch noch erzählerisch überzeugen.
Wenn ihr eingefleischte Rhythmusspiel Fans seid, kann allein der hervorragend ausgebaute Arcade Modus den Einstieg rechtfertigen, vor allem wegen seines starken Soundtracks und der hohen Wiederspielbarkeit. Erwartet ihr hingegen ein rundes, sauberes Story Erlebnis, solltet ihr Geduld mitbringen, auf Updates hoffen oder zur PC Version greifen. Unbeatable hat Herz, Haltung und Stil… doch aktuell klingt es noch nicht ganz sauber.
| Vorteile | Nachteile |
| Großartiger Soundtrack: Die originalen Songs sind eingängig, energiegeladen und perfekt auf ein Rhythmusspiel zugeschnitten. | Technische Probleme auf PS5: Framerate Einbrüche, Audio Fehler und Bugs beeinträchtigen das Spielerlebnis auf der Konsole. |
| Stilvolle Grafik: Der „anime-aufgeladene“ Artstyle ist einzigartig, farbenfroh und steckt voller Persönlichkeit. | Pacing Probleme: Die langsamen Erkundungsabschnitte im Story Modus bremsen die Dynamik des Rhythmus Gameplays aus. |
| Suchtmachendes Gameplay: Die Zwei-Button Mechanik ist leicht zu erlernen, bietet aber eine angenehm fordernde Tiefe. | Fehlerhafte Progression: Ein Bug auf PS5 verhindert derzeit das Freischalten neuer Inhalte im Arcade Modus. |
| Starker Arcade Modus: Bietet hohe Wiederspielbarkeit ganz ohne störende Story Unterbrechungen. | Polarisierendes Writing: Die Dialoge setzen oft auf „zufällig = lustig“ Online Humor, der nicht bei allen zündet. |
| Dichte Atmosphäre: Weltaufbau und Prämisse einer musikfeindlichen Dystopie sind überzeugend. | Schwächerer Port: Die PS5 Version hinkt der PC Fassung aktuell hinterher und wirkt weniger ausgereift. |
Plattformen: PC (Steam), PlayStation 5 und Xbox Series X/S
Entwickler: D-Cell Games
Publisher: D-Cell Games
Release-Datum: 9. Dezember 2025
