Als ich für mein Reanimal Review das Spiel zum ersten Mal startete, hatte ich zwei Erwartungen gleichzeitig im Kopf: Einesseits die düstere, unheimliche Stimmung der Little Nightmares-Spiele, die mich noch heute nachhallend begleiten, und andererseits die Frage, ob Tarsier Studios mit einer neuen Marke etwas wirklich Eigenes schaffen können. Spoiler vorweg: Reanimal ist in vielerlei Hinsicht genau dieses Experiment – ein mutiger Schritt weg vom altbekannten Surreal-Horror in eine härtere, oft verstörende Welt.
Atmosphäre: Beklemmend und konsequent
Was Reanimal in meinen Augen am stärksten macht, ist die dichte audiovisuelle Inszenierung. Über weite Strecken des Spiels fühlst du dich wie ein winziges, verletzliches Wesen in einem Alptraumland, das gleichzeitig vertraut und fremd ist. Die Umgebungen – vom verlassenen Strand über verfallene Fabriken bis zu einem Kino oder Minen – sehen nicht nur beeindruckend aus, sie transportieren eine Stimmung, die sich tief auf dich legt. Die Soundkulisse trägt ihren Teil bei: Statt auf laute Musik setzt das Spiel auf detaillierte Geräusche, entfernte Schreie und eine beklemmende Leere, die weit intensiver wirkt als viele klassische Jumpscares.
Es ist ein Spiel, bei dem du wirklich spürst, wie alles auf dich einzuwirken versucht: Licht und Schatten, Geräusche und Stille, das gelegentliche Knarren alter Gebäude und die Schreie der abartigen Kreaturen. Es gibt Momente, da hält man den Atem an, ohne dass etwas direkt passiert. Diese Atmosphäre ist die zentrale Stärke von Reanimal.
Story und Inszenierung

Die Erzählung selbst ist bewusst spärlich und interpretativ gestaltet. Du steuerst meist zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, die auf einer Insel voller Albträume treiben, in der Hoffnung, Freunde oder Familie wiederzufinden. Die Dialoge sind minimalistisch; seltene gesprochene Worte deuten nur an, was zwischen den Figuren stehen könnte. Vieles bleibt offen für deine Interpretation, was in einem Horror-Setting fantastisch funktionieren kann, aber nicht jedem zusagen wird.
Die narrative Balance zwischen emotionalem Gewicht und surrealer Grausamkeit macht das Spiel besonders: Hier fühlt sich Gewalt nie „cool“ an, sondern roh und notwendig – ein Stilmittel, das die Entwickler bewusst eingebaut haben.
Gameplay: Stärken und Schwächen
Hier wird es interessant, weil Reanimal zwischen zwei Polen pendelt: Atmosphärischer Horror und Gameplay-Mechaniken.
Positives:
- Flucht, Verstecken und Spannung: Viele Situationen fordern dich dazu auf, dich zu verstecken, zu fliehen oder mechanisch durch düstere Passagen zu gleiten. Genau die Art von intensiver Spielerfahrung, die sich merklich von simplen Puzzle-Plattformer-Ansätzen abhebt.
- Kampfeinlagen: Anders als in vielen anderen Tarsier-Titeln gibt es hier echte Kampf-Sequenzen. Diese sind zwar eher rudimentär, öffnen aber das Spiel für neue taktische Momente.
- Koop-Modus: Du kannst Reanimal allein oder im lokalen/Online-Koop spielen. Gerade im Koop erzeugt das Spiel eine ganz eigene Dynamik, wenn ihr gemeinsam flüchtet, euch absprecht und Rätsel gemeinsam löst.
Kritikpunkte:
- Gameplay über weite Strecken simpel: Wenn du das Spiel allein spielst, fällt auf, dass viele Spielmechaniken eher rudimentär sind: einfache Sprung- und Interaktionsmechaniken, wenig komplexe Rätsel und relativ leichte Gegner. Einige meiner Freunde, die das Spiel ebenfalls bereits gezockt haben, beschreiben das System sogar als „mager“ im Vergleich zu Little Nightmares.
- KI-Begleiter kann nerven: Spielst du solo, übernimmt die KI des zweiten Charakters wichtige Aufgaben. Leider hakt sie gelegentlich, was zu Frustration führen kann, wenn du eigentlich gerade in eine angespannte Situation vertieft bist.
- Kurze Spieldauer: Je nach Spielverhalten ist das Spiel nach rund 4 bis 7 Stunden vorbei, wenn du die Hauptgeschichte durchspielst. Für den aufgerufenen Preis empfinden manche das als etwas wenig.
- Technische Unebenheiten: Ich habe jetzt schon öfters gehört, dass einige Spieler von Performance-Problemen auf bestimmten Systemen und kleinen Bugs berichten, die gelegentlich den Spielfluss stören können. Glücklicherweise meist nicht schwerwiegend, und mich hat es bisher nicht getroffen, aber ich wollte es euch trotzdem nicht verschweigen.
Atmosphäre vs. Spielmechanik – was zählt mehr?

Für mich war eine der größten Fragen beim Spielen: Ist Reanimal ein Atmosphären-Erlebnis oder ein vollwertiges Gameplay-Meisterwerk? Und meine ehrliche Antwort lautet: Beides, aber nicht gleich stark.
Die Atmosphäre, Sound-Design und Inszenierung gehören zum Besten, was ich in einem Horror-Titel der letzten Jahre erlebt habe. Gerade dieses Gefühl permanenter Unsicherheit, die beklemmenden Kulissen und dieser subtiler Horror, der nicht durch Schocks, sondern durch Erwartung funktioniert, macht das Spiel einzigartig.
Im Vergleich dazu wirken Gameplay-Mechaniken, Rätsel und Steuerelemente eher zweckmäßig. Sie bedienen den Flow des Spiels, ohne je wirklich zu überraschen oder dich spielerisch langfristig zu fordern. In einer Bewertung wird das Spiel daher treffend als „audiovisuelles Meisterwerk, aber spielmechanisch nicht immer stark“ beschrieben.
Fazit zu unserem Reanimal Review
Reanimal ist ein mutiger, düsterer Horrortitel, der sein Publikum nicht mit klassischen Jumpscares, sondern mit perfekt aufgebauter Atmosphäre, emotionaler Intensität und stilistischer Kraft anspricht. Für Fans von Little Nightmares ist es eine Rückkehr zur Essenz dessen, was diese Entwickler so stark macht, nur mit einem härteren, erwachseneren Ansatz.
Wenn du dich mehr nach Spielmechanik-Tiefe, kniffligem Rätseldesign oder langer Spieldauer sehnst, wirst du hier vielleicht nicht immer glücklich. Aber wenn du Horror lieber fühlst als nur spielst, wirst du Reanimal so schnell nicht vergessen.
| Meine Bewertung: 4,2 / 5 Sternen Reanimal ist kein perfektes Spiel, aber es ist ein starker, packender Horrortitel, der dich emotional und atmosphärisch in seinen Bann zieht. Wenn du Horror-Games liebst, die sich Zeit nehmen, dich zu fesseln, statt dich nur durch Steuereingaben zu beschäftigen, dann lohnt sich dieser Albtraum unbedingt. |
| Pro | Con |
| Außergewöhnlich dichte, beklemmende Atmosphäre | Relativ simples Gameplay mit wenig komplexen Rätseln |
| Stimmiges, intensives Sound-Design | KI-Begleiter kann frustrieren |
| Visuell beeindruckende, abwechslungsreiche Umgebungen | Kurze Spielzeit im Vergleich zum Preis |
| Ko-op sowohl lokal als auch online möglich | Technik-Probleme in Einzelfällen |
| Interpretative Story, die Raum für eigene Deutungen lässt. |
Erscheinungsdatum: 13.2.2026
Plattformen: PC, PS5, Xbox Series X|S, Switch 2
