Wenn ein Online Rollenspiel nach über 20 Jahren zurückkehrt, erwartet man entweder eine lieblose Nostalgie Verwertung oder eine vorsichtige, respektvolle Modernisierung. Guild Wars Reforged entscheidet sich klar für Letzteres. ArenaNet hat den Kultklassiker nicht neu erfunden, sondern technisch, visuell und strukturell so überarbeitet, dass er sich in 2026 endlich wieder so spielen lässt, wie ihr ihn in Erinnerung habt. Keine verwirrenden Versionen mehr, kein Gefrickel mit Auflösungen oder UI Mods. Reforged ist ein einziges, sauberes Gesamtpaket.
Für alte Hasen fühlt sich das wie Heimkommen an. Für Newbies ist es die zugänglichste Version dieses einzigartigen MMO Hybriden. Guild Wars war schon immer anders, und zwar ist es kein klassisches Dauer MMO, sondern ein kooperatives Rollenspiel mit instanzierten Gebieten, taktischem Kampfsystem und klarer Struktur. Reforged bewahrt genau diesen Kern, und das macht ihn endlich kompatibel mit moderner Hardware, Controllern und tragbaren PCs wie dem Steam Deck.
Guild Wars 1 ist fantastisch für Solo MMO Spieler

Einer der größten Gründe, warum Guild Wars so gut gealtert ist, liegt darin, wie freundlich es zu Solo Spielern ist. Reforged ist sich das bewusst, weshalb es heute klarer denn je ist. Anders als in den meisten MMORPGs bleibt die Welt nicht dauerhaft „online“, sobald ihr eine Stadt verlasst.
Städte und Außenposten sind soziale Treffpunkte zum Handeln, Chatten und Gruppenbilden, aber sobald ihr hinausgeht, wechselt das Spiel in private, instanzierte Koop Gebiete. Das bedeutet kein Killstealing und keine fremden Spieler, die euch die Quests vor der Nase wegschnappen. Nicht einmal Druck, um mit Randoms mitzuhalten. Es seid nur ihr, eure Gruppe und das Abenteuer.
Wenn ihr keine Freunde oder Gilde parat habt, lässt euch Guild Wars nicht im Stich. Schon kurz nach dem frühen „Pre-Searing“ Prolog schaltet ihr Henchmen und Helden frei. Dies sind KI Begleiter, die fehlende Rollen wie Tank, Heiler oder Schadensausteiler übernehmen. Später könnt ihr ihre Builds sogar anpassen, was das Solo Spiel überraschend tief und strategisch macht.
Ich selbst habe als Mönch begonnen und bin später in Richtung Nekromant gegangen. Magie macht Spaß, aber nichts schlägt das befriedigende Gefühl von physischem Schaden. Genau diese Freiheit ist ein Kern der Faszination. Denn so könnt ihr Builds testen, scheitern und euch anpassen, ohne dass jemand genervt ist.
Und obwohl das Spiel über 20 Jahre alt ist, fühlt sich Reforged in Bewegung kein bisschen veraltet an. Die überarbeitete Optik und das neue UI sorgen für Klarheit, während die Welt weiterhin diesen typischen 2000er Charme ausstrahlt. Für viele von euch ist das keine Schwäche, sondern pure Nostalgie und ein willkommener Eskapismus.
Das Reforged Update macht das Spielen deutlich einfacher

Vor allem sind es die grafischen und technischen Modernisierungen, die Guild Wars Reforged so viel angenehmer machen. Die Unterstützung für High DPI Displays und das komplett überarbeitete Benutzerinterface gehören dabei zu den wichtigsten Verbesserungen. Wer – so wie ich – letztes Jahr noch einmal versucht hat, ins alte Guild Wars zurückzukehren, weiß: Das Original war im Grunde für maximal 1080p gemacht.
Auf heutigen Monitoren wirkte alles winzig, unscharf und oft unübersichtlich. Mit Reforged sieht das ganz anders aus. Auf 1440p-, 4K- oder Ultrawide-Bildschirmen bleibt die UI gestochen scharf, Texte sind gut lesbar und Menüs endlich so groß, dass man nicht mehr mit der Nase am Bildschirm klebt.
Auch die Navigation durch Quests wurde stark verbessert. Das neue Richtungssystem zeigt euch klarer, wohin ihr als Nächstes müsst, ohne euch dabei komplett an die Hand zu nehmen. Gerade für Neueinsteiger ist das ein riesiger Vorteil, weil ihr euch weniger verirrt und schneller versteht, was das Spiel von euch will. Aber auch, wenn ihr entspannt nebenbei spielt oder vielleicht auf einem zweiten Bildschirm etwas laufen lasst, könnt ihr dem Spielfluss viel besser folgen.
Auf meinem High-End PC ist das natürlich totale Überkill Hardware, aber trotzdem lief Guild Wars Reforged absolut stabil und flüssig. Selbst zum Release, als viele alte und neue Spieler gleichzeitig auf die Server geströmt sind, gab es kaum Probleme oder Ausfälle.
Natürlich bleibt Guild Wars in seinem Kern ein altes MMO. Die Spielsysteme, das Tempo und die Struktur stammen aus einer anderen Ära. Für einige von euch wird genau das der Reiz sein, für andere vielleicht ein Grund, nicht richtig warm zu werden. Reforged macht das Spiel moderner und zugänglicher. Gleichzeitig versucht es aber nicht, seine Wurzeln zu verleugnen.
Guild Wars Reforged ist auf Handheld einfach großartig
Ich habe das Spiel auf meinem Steam Deck gestartet, und ehrlich gesagt bin ich seitdem kaum noch an meinen PC zurückgekehrt. Guild Wars Reforged ist eines der besten Beispiele dafür, warum PC Handhelds wie das Steam Deck so großartig sind. Vor allem die Controller Unterstützung ist überraschend stark gelungen und fühlt sich von Anfang an durchdacht an.
Da Guild Wars kein hektisches Action MMO ist, in dem jede Sekunde zählt oder man ständig mit anderen Spielern konkurriert, funktioniert es mit Controllern hervorragend. Auf dem Steam Deck wird das Ganze noch besser, weil ihr zusätzlich zu den normalen Tasten auch vier Back Paddles habt. Über Community Presets könnt ihr die Steuerung außerdem schnell an euren eigenen Stil anpassen, ohne stundenlang im Menü herumzufummeln.

Die Steuerung orientiert sich dabei an Final Fantasy XIV, denn die Trigger wechseln zwischen verschiedenen Aktionsleisten. Bei mir lagen auf dem linken Trigger meine Heilzauber, auf dem rechten meine Angriffe. Über die hinteren Paddles konnte ich Inventar, Maps oder Menüs öffnen, ohne den Spielfluss zu unterbrechen. Mit dem Steuerkreuz lässt sich sogar ein Mauszeiger einblenden, falls ihr doch einmal präzise durch die Benutzeroberfläche navigieren müsst.
Aber nicht alles ist perfekt. Gelegentlich überdeckt zum Beispiel das Inventar andere Menüs. Diese Kleinigkeiten lassen sich aber schnell umgehen. Spätestens als ich das Steam Deck an den Fernseher angeschlossen habe, war klar, dass Reforged sich hier absolut zu Hause befindet. Abends im Bett bis tief in die Nacht zu questen, eingekuschelt unter einer Decke, ist einfach ein Genuss… und genau dafür scheint diese Version gemacht zu sein.
Eine Zeitkapsel mit moderner Technik
Ein Aspekt von Guild Wars Reforged, der bisher kaum erwähnt wurde, ist, wie sehr sich das Spiel wie eine echte digitale Zeitkapsel anfühlt. Nur eben mit zeitgemäßer Technik unter der Haube. ArenaNet hat sich bewusst dagegen entschieden, alten Content umzuschreiben oder das Spieldesign zu modernisieren.
Stattdessen wurde das ursprüngliche Erlebnis konserviert und technisch so überarbeitet, dass es auf heutigen Systemen endlich so läuft, wie es immer laufen sollte. Das betrifft nicht nur stabile Framerates oder höhere Auflösungen, sondern auch Dinge wie saubere Fenster Modi, zuverlässige Alt Tab Wechsel und ein Launcher, der nicht mehr mit kryptischen Fehlermeldungen um sich wirft.
Gerade für alte Hasen ist das ein Segen. Denn so könnt ihr euch wieder in die Kampagnen stürzen, ohne euch mit alten Workarounds oder Community Patches herumschlagen zu müssen. Gleichzeitig profitieren Anfänger davon, dass Guild Wars endlich wie ein modernes PC Spiel funktioniert, ohne dabei seinen Charakter zu verlieren. Die berühmten Missionen, die cleveren Kartenlayouts und das ungewöhnliche Koop System sind exakt so erhalten geblieben, wie sie damals waren.
Reforged wirkt dadurch nicht wie ein Remake, sondern wie eine liebevolle Restaurierung. Das Bild ist dasselbe, aber die Farben sind klarer, der Rahmen stabiler und die Risse der Zeit wurden behutsam ausgebessert.
Community, Koop und das soziale Rückgrat von Guild Wars Reforged

Ein Aspekt, der in vielen Rezensionen fast untergeht, ist, wie stark Guild Wars Reforged von seiner Community lebt. Gerade weil es kein klassisches, dauerhaft bevölkertes MMO ist. In den Städten und Außenposten trefft ihr zwar auf andere Spieler, doch sobald ihr eine Mission oder ein Gebiet betretet, seid ihr in eurer eigenen Instanz.
Das sorgt für Ruhe und Fokus, nimmt dem Spiel aber nicht seine soziale Komponente. Im Gegenteil. Denn Gilden, Freundeslisten und Chat Kanäle werden dadurch umso wichtiger, weil ihr euch ganz bewusst zusammenschließt, statt zufällig in einer überfüllten Zone zu stehen.
Reforged profitiert hier also sehr stark von der heutigen Vernetzung. Die neue Version bringt mehr Stabilität, bessere Server Tools und modernere Kommunikationsmöglichkeiten mit, wodurch es einfacher ist, Mitspieler für anspruchsvolle Missionen oder Elite Gebiete zu finden. Gleichzeitig könnt ihr das Spiel aber weiterhin komplett alleine genießen, was eine seltene Freiheit im MMO Genre ist.
Besonders spannend ist auch, wie Veteranen und Newbies hier zusammenfinden. Viele alte Guild Wars Spieler kehren zurück und helfen gerne, Builds zu erklären oder schwierige Bosse zu meistern. Dadurch entsteht eine fast schon gemütliche Atmosphäre, die sich stark von den oft toxischen, kompetitiven Online Welten moderner MMOs unterscheidet. In Reforged fühlt sich Koop also wieder wie gemeinsames Abenteuer an, nicht wie Pflichtprogramm.
Ein Blick in die Zukunft von Guild Wars 2?
Im Grunde fühlt sich Reforged wie ein vorsichtiges Testfeld dafür an, wie ArenaNet auch Guild Wars 2 in Zukunft modernisieren könnte. Schon jetzt lässt sich GW2 mit eigenen Community Mappings auf dem Steam Deck ganz ordentlich spielen, aber eine offizielle, saubere Umsetzung fehlt bislang. Reforged zeigt, dass ArenaNet sehr wohl versteht, wie wichtig Controller Support, skalierbare Benutzeroberflächen und stabile Performance auf Handhelds inzwischen sind.
Wenn man sieht, wie behutsam und zugleich effektiv sie Guild Wars 1 technisch erneuert haben, liegt der Gedanke nahe, dass ähnliche Schritte auch für den Nachfolger möglich wären. Natürlich gibt es dazu noch keine Ankündigungen, also bleibt es vorerst reine Spekulation.
Aber allein die Existenz von Reforged fühlt sich wie ein Versprechen an. ArenaNet ist bereit, seine Klassiker, und vielleicht auch seine noch aktiven Spiele, an neue Spielgewohnheiten anzupassen. Sollte Guild Wars 2 irgendwann eine ähnliche Behandlung bekommen, könnte das dem MMO noch einmal ganz neuen Schwung verleihen.
Fazit
MMOs kommen und gehen, aber Guild Wars scheint diese Memo nie bekommen zu haben. Und ganz ehrlich: Zum Glück. Im Kern war es schon immer ein richtig gutes Spiel, das einfach nur einen Hauch Modernisierung gebraucht hat, um auch im Jahr 2026 noch relevant zu bleiben.
Guild Wars Reforged schafft genau das. Es verändert nicht die Seele des Originals, sondern poliert sie behutsam auf und sorgt dafür, dass sich das Abenteuer wieder so gut anfühlt, wie ihr es vielleicht in Erinnerung habt… oder es jetzt zum ersten Mal erleben könnt.
Natürlich wird Reforged niemanden bekehren, der schon früher nichts mit alten MMOs oder speziell mit Guild Wars anfangen konnte. Wer schnelle Action, permanente Belohnungsloops und riesige Hotbar Orchester wie in modernen Spielen à la World of Warcraft oder Final Fantasy XIV erwartet, wird hier vermutlich nicht glücklich. Aber für euch, die ihr ein ruhigeres, taktischeres Online RPG sucht, ist das hier nahezu perfekt.
Gerade die neue Unterstützung für Steam Deck und Controller rundet das Gesamtpaket wunderbar ab. Questen, Erkunden und Missionen spielen sich dadurch entspannter denn je. Egal, ob auf dem Sofa, im Bett oder unterwegs. Guild Wars Reforged ist kein lauter Neustart, sondern eine liebevolle Wiederbelebung, und genau das macht es so besonders.
| Vorteile | Nachteile |
| Spielt hervorragend auf PC Handhelds, besonders auf dem Steam Deck mit Controller Support | Technisch immer noch ein MMO von 2005, weshalb Mechaniken und Struktur altmodisch wirken |
| Starke Überarbeitung des Originals ohne den Kern des Spiels zu verfälschen | Steam Deck Support nicht perfekt, denn Menüs und Inventar wirken manchmal hakelig |
| Moderne UI Skalierung für 1440p und 4K macht das Spiel endlich gut lesbar | Animations- und Bewegungsgefühl wirkt stellenweise steif |
| Ideal für Solo Spieler dank Henchmen System | Kein modernes Quest Design kann für neue Spieler verwirrend sein |
| Kein Abo, drei komplette Kampagnen in einem Paket, was enorm viel Content für den Preis ist | Grafik bleibt trotz Updates sichtbar aus der 2000er Ära |
Plattformen: PC
Entwickler: ArenaNet
Publisher: ArenaNet, NCSoft
Veröffentlichungsdatum: 3. Dezember 2025
