Auf GreedFall II: The Dying World war ich ziemlich gespannt. Der erste Teil hatte mich damals positiv überrascht: kein AAA-Blockbuster, aber ein charmantes Rollenspiel mit eigener Welt, politischen Intrigen und vielen Entscheidungen.
Die Fortsetzung setzt genau dort an und versucht gleichzeitig, größer, komplexer und ambitionierter zu werden. Nach einigen Stunden war für mich klar: Dieses Spiel richtet sich ganz bewusst an Fans klassischer Rollenspiele. Und genau darin liegt auch seine größte Stärke.
Eine Welt voller politischer Konflikte
Die Geschichte spielt zeitlich vor den Ereignissen des ersten Spiels und zeigt eine andere Perspektive auf die Welt. Statt eines Diplomaten aus einer Kolonialmacht spielst du diesmal eine Figur, die direkt in die Machtkämpfe verschiedener Fraktionen hineingezogen wird.
Diese Ausgangslage sorgt dafür, dass sich viele Entscheidungen persönlicher anfühlen. Ich hatte häufiger das Gefühl, wirklich Einfluss auf die politische Lage zu nehmen, sei es durch Diplomatie, Täuschung oder offene Konfrontation.
Gerade Fans von dialoglastigen RPGs kommen hier auf ihre Kosten. Gespräche sind nicht nur Mittel zum Zweck, sondern ein wichtiger Teil des Spiels.
Begleiter mit Persönlichkeit
Ein weiterer Pluspunkt sind die Begleiter. Jede Figur bringt eigene Motive, Hintergründe und teilweise auch eigene moralische Vorstellungen mit.

Das sorgt dafür, dass Entscheidungen innerhalb der Gruppe manchmal zu Spannungen führen. Einige Missionen entfalten sich erst richtig, wenn man sich intensiver mit den Charakteren beschäftigt.
Mir hat gefallen, dass die Begleiter nicht nur passive Party-Mitglieder sind, sondern Teil der Geschichte bleiben.
Mehr taktische Kämpfe
Eine der größten Änderungen betrifft das Kampfsystem. Während der erste Teil stärker auf Action setzte, verfolgt die Fortsetzung einen deutlich taktischeren Ansatz.
Du kannst Kämpfe pausieren, Befehle planen und deine Gruppe koordinieren. Dadurch entstehen deutlich strategischere Gefechte, bei denen Positionierung und Timing eine größere Rolle spielen. Gerade in schwierigeren Kämpfen musste ich öfter überlegen, welche Fähigkeiten ich zuerst einsetze oder welchen Gegner ich priorisiere.
Das System wirkt nicht perfekt, manchmal sogar etwas schwerfällig, aber es bringt deutlich mehr Tiefe ins Gameplay.
Eine größere und abwechslungsreichere Welt

Auch die Spielwelt ist gewachsen. Neue Regionen, Städte und Landschaften sorgen für mehr Vielfalt als im Vorgänger.
Ich hatte regelmäßig Lust, Nebenquests mitzunehmen oder neue Gebiete zu erkunden. Besonders interessant fand ich, dass viele Quests mehrere Lösungswege bieten. Manchmal konnte ich Konflikte diplomatisch lösen, manchmal musste ich kämpfen. Diese Freiheit passt perfekt zum politischen Setting des Spiels.
Atmosphäre statt Hochglanz
Technisch merkt man weiterhin, dass das Spiel kein riesiges AAA-Budget hat. Manche Animationen wirken etwas steif und die Präsentation ist nicht immer spektakulär.
Trotzdem schafft es das Spiel, eine starke Atmosphäre aufzubauen. Die Welt wirkt glaubwürdig, und gerade die Städte fühlen sich lebendig genug an, um darin Zeit zu verbringen.
Der Soundtrack unterstützt diese Stimmung angenehm und sorgt dafür, dass die Welt noch ein Stück immersiver wirkt.
Kleine Schwächen bleiben
Ganz ohne Kritik kommt das Spiel trotzdem nicht aus. Einige Menüs wirken etwas unübersichtlich und das Kampfsystem könnte stellenweise flüssiger sein. Außerdem gibt es Nebenquests, die sich im Aufbau ähneln.
Das sind keine großen Schwächen, aber sie zeigen, dass das Spiel noch etwas Feinschliff vertragen könnte.
Mein Fazit

GreedFall II: The Dying World ist ein klassisches Rollenspiel im besten Sinne. Es setzt weniger auf spektakuläre Effekte und mehr auf Story, Entscheidungen und eine glaubwürdige Welt.
Gerade Fans älterer RPGs dürften sich hier schnell zuhause fühlen. Die Mischung aus politischen Intrigen, taktischen Kämpfen und Charakterinteraktionen funktioniert erstaunlich gut.
Perfekt ist das Spiel nicht, dafür merkt man ihm an manchen Stellen zu deutlich an, dass es kein riesiges AAA-Projekt ist. Doch genau wie beim ersten Teil gleicht der Charme der Welt viele dieser Schwächen aus.
Wer ein storylastiges Rollenspiel sucht und gerne Entscheidungen trifft, die echte Auswirkungen haben, findet hier ein Abenteuer, das lange motivieren kann.
⭐ Meine Bewertung: 4,1 von 5 Sternen
GreedFall 2 baut die Stärken des ersten Teils konsequent aus und liefert ein großes, atmosphärisches Rollenspiel mit vielen Entscheidungen und einer spannenden Welt. Kleine technische Schwächen verhindern eine höhere Wertung, trotzdem ist es für RPG-Fans ein sehr empfehlenswerter Titel.
| Pro | Con |
| Spannende politische Story | Kampfsystem manchmal etwas schwerfällig |
| Entscheidungen mit echten Konsequenzen | Technik und Animationen nicht immer auf Top-Niveau |
| Starke Begleiter und Dialoge | Einige Nebenquests wiederholen sich |
| Große Rollenspielwelt mit vielen Quests | |
| Taktischeres Kampfsystem als im Vorgänger |
Erscheinungsdatum: 10.3.2026
Plattformen: PC (Microsoft Windows), PlayStation 5, Xbox Series X|S
