Als ich für mein Dragon Quest VII Reimagined Review das Spiel starte, habe ich sofort dieses vertraute Gefühl: Ich weiß, dass mich kein hektisches Action-Spektakel erwartet, sondern ein klassisches Rollenspiel, das sich Zeit nimmt für seine Welt, seine Figuren und vor allem für dich als Spieler. Und genau das macht diesen Titel so besonders. Dieses Remake ist kein lauter Neuanfang, sondern eine ruhige, selbstbewusste Modernisierung eines der umfangreichsten JRPGs aller Zeiten.
Schon in den ersten Stunden merkte ich: Wenn du Geduld mitbringst, wirst du hier reich belohnt. Aber das Spiel kommt dir entgegen. Viel mehr als das Original es je getan hat.
Eine Welt, die langsam wächst und genau deshalb funktioniert
Die Geschichte beginnt unscheinbar. Du lebst auf einer kleinen Insel, die scheinbar die ganze Welt darstellt. Keine großen Bedrohungen, keine epische Prophezeiung. Erst nach und nach öffnet sich das Spiel, indem du neue Inseln entdeckst, oft in anderen Zeitlinien, und dort die Spuren einer Welt findest, die auseinandergebrochen ist.
Was mir hier besonders gefällt: Dragon Quest VII Reimagined erzählt nicht eine große, alles verschlingende Hauptstory, sondern viele kleine, in sich geschlossene Geschichten. Jede Insel hat ihre eigenen Probleme, ihre eigenen Figuren und oft überraschend ernste Themen: Verlust, Schuld, Hoffnung oder Stillstand. Wenn du dich darauf einlässt und nicht versuchst, alles zu rushen, entsteht eine fast episodische Erzählweise, die sehr persönlich wirkt.
Ein kleiner Tipp aus meiner Erfahrung: Sprich wirklich mit den NPCs und lies die Dialoge. Viele Hinweise, aber auch emotionale Höhepunkte, verstecken sich genau dort. Das Spiel belohnt Aufmerksamkeit mehr als Tempo.
Präsentation: Klassik mit moderner Seele

Optisch ist das Remake ein echtes Highlight. Der Diorama-Stil sorgt dafür, dass Städte und Landschaften wie liebevoll gebaute Miniaturwelten wirken. Alles ist farbenfroh, klar lesbar und trotzdem detailreich. Es ist kein technisches Grafikmonster, aber ein Spiel mit extrem viel Charme – und der altert deutlich besser als realistische Grafik es je könnte.
Die Musik begleitet dich dabei konstant, ohne sich aufzudrängen. Viele Stücke kennst du vielleicht schon, aber sie wurden sauber neu arrangiert. Gerade in ruhigeren Momenten trägt der Soundtrack enorm zur Atmosphäre bei. Wenn du mit Kopfhörern spielst, wirken viele Szenen intensiver, fast schon melancholisch.
Kämpfe: Klassisch, aber endlich komfortabel

Das rundenbasierte Kampfsystem bleibt der Serie treu, fühlt sich aber deutlich flüssiger an als früher. Ein riesiger Pluspunkt: Du siehst Gegner jetzt auf der Karte. Keine zufälligen Kämpfe mehr, kein ständiges Unterbrechen des Spielflusses. Wenn du kämpfen willst, gehst du auf sie zu; wenn nicht, läufst du vorbei.
Gerade am Anfang empfehle ich dir, Kämpfe nicht komplett zu vermeiden. Das Spiel ist zwar leichter als sein Ruf, aber ein solides Grundlevel macht spätere Abschnitte deutlich entspannter.
Sehr angenehm sind die neuen Komfortfunktionen: Du kannst Kämpfe beschleunigen, automatische Aktionen nutzen oder einfache Gegner schnell abhandeln. Mein Rat: Nutze Auto-Battle nur für schwache Gegner, behalte bei Bossen aber selbst die Kontrolle. Das Kampfsystem ist simpel, aber taktischer, als es auf den ersten Blick wirkt.
Das Berufssystem: Der eigentliche Star des Spiels
Irgendwann schaltet sich das Berufssystem frei und ab hier wird Dragon Quest VII Reimagined richtig spannend. Du kannst deinen Figuren Klassen zuweisen und später sogar zwei Berufe gleichzeitig kombinieren. Genau hier liegt der größte spielerische Reiz.
Mein persönlicher Tipp: Wechsle Berufe regelmäßig, statt dich früh festzulegen. Viele Fähigkeiten bleiben erhalten, auch wenn du die Klasse wechselst. So baust du vielseitige Charaktere auf, statt eindimensionale Rollen zu spielen.
Gerade wenn du merkst, dass Kämpfe zu leicht werden, kannst du dir selbst mehr Tiefe schaffen, indem du mit ungewöhnlichen Kombinationen experimentierst. Das Spiel zwingt dich nicht dazu, aber es gibt dir die Freiheit.
Schwierigkeit: Entspannter als früher, aber steuerbar

Einer der häufigsten Kritikpunkte aus anderen Reviews, die ich mir durchgelesen habe, ist der niedrige Schwierigkeitsgrad. Und ja, das Spiel ist zugänglicher als das Original. Heilgegenstände sind reichlich vorhanden, Kämpfe oft fair und selten frustrierend.
Aber: Du kannst das beeinflussen. Wenn du weniger grindest, Berufe häufiger wechselst oder bewusst auf Auto-Battle verzichtest, bleibt das Spiel spannend. Für mich fühlt sich das wie eine bewusste Designentscheidung an: Dragon Quest VII Reimagined will, dass du bis zum Ende durchhältst, nicht, dass du unterwegs aufgibst.
Tempo und Länge: Ein Spiel für lange Abende
Du solltest wissen, worauf du dich einlässt: Das Spiel ist lang. Sehr lang. 60 Stunden sind realistisch, mit Nebeninhalten deutlich mehr. Gerade die ersten zehn Stunden ziehen sich etwas, weil das Spiel seine Systeme langsam einführt.
Mein Rat: Spiel es in Ruhe, nicht nebenbei. Dieses JRPG lebt davon, dass du dich auf seine Struktur einlässt. Wenn du nur kurze Sessions spielst, wirkt es fragmentiert. Wenn du aber längere Abschnitte spielst, entfaltet sich ein erstaunlich runder Rhythmus.
Dragon Quest VII Reimagined Review: Mein Fazit
Dragon Quest VII Reimagined ist kein Spiel für jeden, aber für die richtigen Spieler ein echtes Geschenk. Es ist ruhig, warmherzig, manchmal altmodisch, aber genau darin liegt seine Stärke. Das Remake modernisiert Technik und Komfort, ohne die Seele des Originals zu opfern.
Wenn du ein JRPG suchst, das dich nicht hetzt, sondern begleitet, das dir Zeit lässt, Entscheidungen zu treffen und Figuren wachsen zu sehen, dann wirst du hier sehr glücklich. Und wenn du bereit bist, dich auf sein Tempo einzulassen, bekommst du eines der rundesten klassischen Rollenspielerlebnisse der letzten Jahre.
Kurz gesagt: Wenn du Geduld hast, hat dieses Spiel Herz. Und davon eine ganze Menge.
Meine Bewertung: 4,2 / 5 Sternen
Das Spiel punktet extrem stark bei Atmosphäre, Komfort und Langzeitmotivation. Abzüge gibt’s vor allem für den sehr gemächlichen Einstieg und den insgesamt eher niedrigen Schwierigkeitsgrad. Unterm Strich bleibt es aber ein hochwertiges, liebevoll modernisiertes JRPG, das genau weiß, was es sein will und das auch sehr konsequent durchzieht.
| Pros | Cons |
| Liebevoll modernisierte Grafik mit starkem Diorama-Stil | Sehr langsamer Einstieg, besonders in den ersten Stunden |
| Sehr zugängliches, flüssiges Kampfsystem ohne Zufallsbegegnungen | Insgesamt eher niedriger Schwierigkeitsgrad |
| Tiefes und flexibles Berufssystem mit vielen Build-Möglichkeiten | Episodische Struktur kann sich stellenweise repetitiv anfühlen |
| Hoher Komfort durch Auto-Battle, Speed-Optionen und klares UI | Story wirkt mehr ruhig und kleinteilig als episch |
| Viele kleine, gut erzählte Insel-Geschichten mit emotionalen Momenten | Nicht alle Fans mögen die starke Vereinfachung gegenüber dem Original |
| Großartiger Soundtrack mit gelungenen Neuarrangements | |
| Enormer Umfang und hoher Langzeitspielwert |
Erscheinungsdatum: 5.2.2026
Plattformen: Nintendo Switch 2, Nintendo Switch, PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC über Steam, Microsoft Store auf Windows
