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Warum Death Howl der härteste Deck Builder ist, den ihr lieben werdet zu hassen

Genremixe sind im Indie Bereich längst kein Risiko mehr, sondern fast schon ein Versprechen. Denn wenn alles zusammenpasst, entstehen Spiele, die sich frisch, mutig und einzigartig anfühlen. Death Howl treibt dies allerdings auf die Spitze. Es verbindet die düstere Struktur und Atmosphäre eines Soulslikes mit Deckbuilding, Crafting und taktischen Kämpfen auf einem Grid. Das klingt natürlich nach einer Mischung, die ebenso leicht grandios scheitern könnte. Doch genau hier überrascht Death Howl. 

Entwickelt von The Outer Zone, erzählt das Spiel die Geschichte von Ro, einer Mutter, die den Tod ihres Sohnes nicht akzeptieren kann und sich in die Welt der Geister begibt, um ihn zurückzuholen. Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass es kein Spiel ist, das euch gefallen will. Stattdessen fordert es Geduld, Lernbereitschaft und die Bereitschaft, immer wieder zu scheitern… und genau daran zu wachsen.

Death Howl ist schwer, melancholisch und kompromisslos. Aber wer sich darauf einlässt, entdeckt ein Spiel, das spielerische Tiefe mit emotionaler Wucht verbindet und euch Stück für Stück zu besseren Deckbuildern macht.

Die Geschichte von Death Howl

In Death Howl schlüpft ihr in die Rolle von Ro. Eine Jägerin aus einem kleinen umwobenen Stamm voller Mythen. Das Spiel beginnt ohne Umschweife und mit einem emotionalen Schlag in die Magengrube: Ros junger Sohn ist gestorben. Doch anstatt zu trauern und das Unvermeidliche zu akzeptieren, hört sie Stimmen aus einer anderen Welt. Sie flüstern von Hoffnung, von einem möglichen Wiedersehen. Also trifft Ro eine folgenschwere Entscheidung und begibt sich in das Reich der Geister, um ihren Sohn zurückzuholen.

Die Grundidee erinnert an den klassischen Mythos von Orpheus, der in die Unterwelt hinabsteigt, wird hier aber stark von nordischer Folklore geprägt. Die Welt wirkt kalt, rau und unerbittlich. Unterstützt durch einen kantigen, reduzierten Pixel Art Stil, der jede Landschaft wie ein altes, vergessenes Märchen erscheinen lässt. Wälder scheinen zu atmen, Schatten flüstern, und nichts fühlt sich wirklich sicher an.

Besonders spannend ist, wie Death Howl seine Geschichte erzählt. Es gibt kaum lange Zwischensequenzen oder erklärende Dialoge. Stattdessen erschließt ihr euch die Handlung über Orte wie die „Wiesen der Täuschung“ oder den „Wald der heulenden Schatten“, über kryptische Gespräche mit Geistern und über Details in der Umgebung. Viele dieser Wesen sind nicht vertrauenswürdig. Oft bleibt sogar unklar, ob sie Ro helfen oder sie nur tiefer ins Verderben locken wollen.

Ro ist dabei keine klassische Heldin. Sie ist eine Mutter, getrieben von Trauer, Schuld und Hoffnung. Diese Ambivalenz verleiht der Geschichte ihre emotionale Schwere. Ständig schwingt die Frage mit, ob ihr Kampf gerechtfertigt ist oder ob sie dabei ist, einen Fehler zu begehen, der alles nur noch schlimmer macht. Diese innere Spannung begleitet euch durch das gesamte Spiel und macht Death Howl zu einer ebenso düsteren wie eindringlichen Reise.

Death Howl Gameplay

Wenn ihr Fans von Slay the Spire oder Into the Breach seid, werdet ihr in Death Howl viele vertraute Ideen wiedererkennen. Doch erst die Art, wie diese Systeme miteinander verschmolzen werden, verleiht dem Spiel seine ganz eigene Identität.

Die meisten Deckbuilder drehen sich irgendwann darum, eine „kaputte“ Kombo zu finden und damit alles zu überrollen. Death Howl geht einen völlig anderen Weg. Hier kämpft ihr auf einem taktischen Raster buchstäblich ums Überleben. Jede Runde stehen euch fünf Manapunkte zur Verfügung. Hier liegt also der Kniff: Dieses Mana wird für alles verwendet. Angreifen, Verteidigen, Fähigkeiten einsetzen oder Bewegung über das Spielfeld. Alles kostet Ressourcen.

Ihr wollt eine starke Pfeilkarte wie „Aim for the Heart“ spielen? Zwei Mana weg. Leider steht direkt neben euch ein Geist, der im nächsten Zug ordentlich zuschlagen wird. Also bewegt ihr euch drei Felder zurück, um Abstand zu gewinnen… weitere drei Mana. Damit ist euer Zug vorbei, ohne dass ihr aktiv Schaden verursacht habt.

Aus diesem System entsteht ein permanenter innerer Konflikt. Bleibt ihr stehen und teilt Schaden aus, in der Hoffnung, dass eure „Block of Wood“ Schildkarte den Treffer abfängt? Oder zieht ihr euch zurück, gebt effektiv euren Zug auf, überlebt aber, um eine neue Hand zu ziehen? Diese Entscheidungen fühlen sich nie trivial an, und oft gibt es kein klares „richtig“ oder „falsch“.

Zusätzlich verschärft Death Howl den Druck mit einer kompromisslosen Regel. Am Ende jeder Runde werden alle nicht gespielten Maps abgelegt. Es gibt kein Aufsparen für den perfekten Moment, kein Horten einer Traumhand für den Bosskampf. Ihr müsst mit dem arbeiten, was ihr jetzt habt. Das macht jeden Zug angespannt, zwingt euch zu Anpassung und belohnt vorausschauendes Denken mehr als reine Glückssträhnen.

Das Ergebnis ist ein Deckbuilder, der sich nicht wie ein Puzzle anfühlt, sondern mehr wie ein verzweifelter Überlebenskampf, der fordernd, gnadenlos und extrem befriedigend ist, wenn alles endlich aufgeht.

Die „Souls“ in der Maschine

Der Soulslike Aspekt von Death Howl zeigt sich vor allem im Fortschrittssystem, der gnadenlos konsequent ist. Besiegte Gegner lassen sogenannte Death Howls fallen, die funktional den Seelen oder Echos anderer Genrevertreter entsprechen. 

Diese Ressource nutzt ihr an den Sacred Groves, den Lagerfeuern des Spiels, um neue Maps herzustellen oder euren Skilltree auszubauen. Ruht ihr euch dort aus, wird eure Gesundheit vollständig wiederhergestellt. Aber der Preis ist hoch: Jeder einzelne Gegner, den ihr zuvor mühsam ausgeschaltet habt, kehrt zurück.

Death Howl Rezension ΓÇô Image 3

Und ja, stirbt Ro, verliert ihr die angesammelten Death Howls. Death Howl kennt kein Erbarmen. Es gibt keine Rückspulfunktion, keine zweite Chance, keinen freundlichen Hinweis, der euch rettet. Wenn ihr euch verkalkuliert, ein Feld mit Gift betretet oder das Bewegungssystem euch minimal falsch routet, müsst ihr die Konsequenzen tragen. Punkt.
Das Spiel erwartet von euch, dass ihr Gegnerverhalten durch Scheitern lernt. Tutorials sind kaum vorhanden und Lernen durch Tod ist hier keine Metapher, sondern Designphilosophie. „Tough Love“ trifft es ziemlich genau.
Besonders diskussionswürdig ist das sogenannte Realm Reset. Death Howl besteht aus vier großen Regionen, die jeweils eigene Maps, Gegner und Strategien einführen. Zwar behaltet ihr euer Deck, doch euer Fortschritt im Skilltree fühlt sich beim Betreten eines neuen Reiches oft an, als würdet ihr wieder bei null anfangen. Das hält die Herausforderung konstant hoch und zwingt euch, alte Gewohnheiten abzulegen und neue Taktiken zu erlernen.
Für Spieler, die gerne ein stetiges Machtgefühl aufbauen, kann das frustrierend sein. Für andere ist genau das der Reiz. Denn Death Howl lässt euch nie bequem werden. Es fordert Respekt, Geduld und die Bereitschaft, immer wieder zu scheitern, bis ihr es endlich versteht.
Grafik und Atmosphäre
Visuell ist Death Howl auf eine ganz eigene, fast schon unangenehme Art beeindruckend. Der Pixelstil ist detailreich, aber bewusst rau und sperrig gehalten. Statt knalliger Farben setzt das Spiel auf eine gedämpfte, kalte Farbpalette, die permanent ein Gefühl von Schwere und Bedrückung erzeugt.
Das ist nichts, was man klassisch als „schön“ bezeichnen würde. Genau darin liegt aber die Stärke. Jede Umgebung wirkt feindselig, fremd und alt, als würde sie euch ganz bewusst daran erinnern, dass ihr hier nicht willkommen seid.
Besonders die Geister und Kreaturen bleiben im Gedächtnis. Ihre Designs sind grotesk, verzerrt und oft schwer einzuordnen, irgendwo zwischen Mythologie, Albtraum und Trauerfantasie. Nichts fühlt sich generisch an, alles scheint eine Bedeutung zu tragen, auch wenn sie euch nicht sofort erklärt wird. Diese visuelle Zurückhaltung verstärkt das zentrale Thema von Verlust und innerem Schmerz enorm.
Der Sound arbeitet Hand in Hand mit der Optik. Death Howl ist kein Spiel, das euch mit Musik zuschüttet. Stattdessen herrscht oft Stille, durchbrochen von dumpfen Drones, leisen Synthflächen oder entfernten Geräuschen, die Unbehagen erzeugen. Kleine akustische Hinweise verraten euch, wenn Gefahr droht oder sich ein Kampf zuspitzt, ohne jemals aufdringlich zu werden.
Am besten entfaltet das Spiel seine Wirkung mit Kopfhörern und wenig Umgebungslicht. Dann zieht euch Death Howl vollständig in seine düstere, melancholische Welt hinein. Dort lässt es euch nur ungern wieder los.
Warum Death Howl emotional so gut trifft
Was Death Howl zusätzlich besonders macht, ist der Kontext, in dem es erscheint. Dieses Spiel fühlt sich nicht nur thematisch schwer an, sondern es passt auch erstaunlich gut in eine Zeit, in der viele von euch vermutlich selbst müde, überfordert oder nachdenklich sind. Verlust, Trauer und das Gefühl, immer wieder gegen dieselben inneren Dämonen anzurennen, sind hier nicht nur narrative Motive, sondern prägen das gesamte Spielerlebnis.
Death Howl nutzt diese Schwere sehr bewusst. Es gibt kaum humorvolle Auflockerungen, keine ironischen Brechungen und keinen schnellen Dopamin Kick. Stattdessen entsteht ein langsamer, fast meditativer Rhythmus aus Kämpfen, Scheitern, Lernen und erneutem Voranschreiten. Dass man sich dabei leicht für Stunden verlieren kann, ohne es zu merken, ist kein Zufall. Das Spiel fordert Fokus, aber es belohnt ihn auch mit Momenten echter Klarheit. Sowohl spielerisch als auch emotional.
Interessant ist dabei, dass Death Howl nie versucht, euch Mitleid aufzuzwingen. Ro erklärt ihre Gefühle nicht in langen Monologen. Die Welt urteilt nicht über ihre Entscheidungen. Ihr seid einfach da, gemeinsam mit ihr, in einem Zustand zwischen Hoffnung und Selbstzerstörung. Gerade diese Zurückhaltung sorgt dafür, dass das Spiel nachwirkt.
Death Howl ist damit mehr als ein cleverer Genre Mix. Es ist ein Spiel, das euch genug Platz lässt, eigene Gefühle hineinzulesen. Genau deshalb funktioniert so eindringlich.

Warum Death Howl keine Kompromisse macht

Death Howl Rezension ΓÇô Image 4

Death Howl ist kein Spiel, das euch das Gefühl gibt, ständig Fortschritte geschenkt zu bekommen. Stattdessen zwingt es euch dazu, Fehler zu machen, aus ihnen zu lernen und diesen Lernprozess auch auszuhalten. Jeder Kampf, jede verlorene Begegnung und jeder gescheiterte Run ist Teil eines größeren Ganzen. Das Spiel will nicht, dass ihr euch mächtig fühlt. Es will, dass ihr euch bewusst fühlt.

Gerade durch die Kombination aus Deckbuilding, taktischem Grid Kampf und Soulslike Struktur entsteht eine ungewöhnliche Form von Spannung. Ihr lernt nicht nur Gegner Muster, sondern auch eure eigenen Denkfehler kennen. Habt ihr zu gierig gespielt? Zu defensiv? Habt ihr euch auf eine Map verlassen, die im falschen Moment nutzlos war? Death Howl hält euch diesen Spiegel gnadenlos vor.

Dabei passt diese Härte erstaunlich gut zur erzählten Geschichte. Ro kämpft nicht, weil sie gewinnen will, sondern weil sie nicht loslassen kann. Das Spielgefühl spiegelt diese innere Zerrissenheit wider: Fortschritt fühlt sich oft fragil an, Siege sind teuer erkauft, und Rückschläge gehören fest zur Erfahrung. Genau das macht Death Howl so eindringlich.

Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, entdeckt ein Spiel, das nicht nur mechanisch fordert, sondern emotional nachhallt. Death Howl belohnt Geduld, Aufmerksamkeit und Anpassungsfähigkeit. Gerade deshalb bleibt es lange im Kopf.

Frust als Designprinzip

So eindrucksvoll Death Howl auch ist, ist es kein Spiel, das euch entgegenkommt. Im Gegenteil: Es genießt es spürbar, euch zu fordern, zu bestrafen und manchmal auch schlicht unfair zu wirken. Fehlende Tutorials, gnadenlose Fehlerverzeihung und das ständige Zurückwerfen nach dem Tod können enorm frustrieren. 

Gerade wenn ihr das Gefühl habt, eigentlich alles „richtig“ gemacht zu haben, tut jeder verlorene Kampf doppelt weh. Death Howl will, dass ihr leidet, sei es spielerisch oder emotional. Und genau das wird viele von euch abschrecken. Wer jedoch dranbleibt, wird diesen Frust hassen… und gleichzeitig lieben, weil jeder kleine Fortschritt sich hart erarbeitet und dadurch umso wertvoller anfühlt.

Fazit

Death Howl ist schon kompliziert. Es ist ein langsamer, bedachter und oft gnadenloser Abstieg in eine Welt, die euch ganz klar spüren lässt, dass ihr hier nicht willkommen seid. Frust ist kein Nebeneffekt, sondern ein bewusstes Designprinzip. Genauso wie Verlust, Wiederholung und das ständige Hinterfragen der eigenen Entscheidungen.

Wenn ihr Deckbuilding liebt, gern Zahlen jongliert und kein Problem damit habt, nach einem einzigen taktischen Fehler zwei Stunden Fortschritt zu verlieren, wird euch Death Howl regelrecht verschlingen. Die Synergien, die ihr euch mühsam erarbeitet, etwa defensive Builds, bei denen Maps plötzlich kaum noch Mana kosten, fühlen sich umso befriedigender an, weil ihr sie euch hart erkämpft habt.

Seid ihr hingegen schnell genervt von Grinding, spärlichen Erklärungen oder Spielen, die euch nicht an die Hand nehmen, werdet ihr vermutlich früh abprallen. Die fehlenden Komfortfunktionen, die absichtlich vage Kommunikation und die erbarmungslose Lernkurve können wie künstliche Härte wirken.

Am Ende überzeugt Death Howl genau deshalb. Es verfolgt kompromisslos eine klare Vision. Es will euch nicht gefallen, sondern es will euch fordern, emotional treffen und besser machen. Für ein kleines Team ist das spielerisch wie atmosphärisch eine beeindruckende Leistung.

Josephine hat ihre Leidenschaft fürs Schreiben mit ihrer Liebe zum Online-Gaming verbunden. Von Browsergames bis hin zu MMORPGs erkundet sie digitale Welten voller Spielspaß und Kreativität. Daher sind Online Casinos für sie auch eine interessante Schnittstelle zwischen Spielspaß und technischen Innovationen. Besonders die riesige Auswahl an unterschiedlichen Slots mit ihren vielfältigen Features faszinieren sie. Wenn Josephine gerade nicht schreibt oder recherchiert, ist sie sehr aktiv in ihrer Kirchengemeinde unterwegs oder taucht in die Welt der handgemachten Musik ein.