Der Ticketkauf für die FIFA WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird zum Glücksspiel. Die Nachfrage ist riesig und das Angebot ist begrenzt. Experten rechnen mit 500 Millionen Ticketanfragen. Problematisch ist allerdings, dass die FIFA erheblich dazu beiträgt, dass ein riesiger Markt für WM-Tickets neben dem Erstverkauf entsteht. Die Leidtragenden sind am Ende die zahlreichen Fußballfans, die sich keine Tickets leisten können. Die FIFA profitiert hingegen, und zwar gleich doppelt.
WM 2026 Ticketverkauf als großes Glücksspiel
Offiziell starten die Ticketpreise für Vorrundenspiele bei der WM 2026 bei 60 US-Dollar (51,61 Euro). Allerdings werden diese Tickets auf der offiziellen FIFA-Wiederverkaufsplattform teilweise für über 200.000 US-Dollar (172.000 Euro) angeboten. Ein Ticket für das Halbfinale wurde sogar schon für 959.394,57 US-Dollar (825.180 Euro) angeboten. Wer kann schon knapp 1 Million US-Dollar für ein Halbfinalticket bezahlen?
Auf der Wiederverkaufsplattform sind die Ticketpreise weit über den regulären Preisen. Ein weiteres Beispiel: Ein Ticket der Kategorie 4 für das Finale, das ursprünglich 2030 US-Dollar (1.746 Euro) kostete, wird für 25.000 US-Dollar (21.502 Euro) angeboten. Das entspricht einer Rendite von 1.130 % vor Abzug der FIFA-Gebühren. Eine derartige Rendite ist mit einem normalen Anlageinstrument in derart kurzer Zeit nicht zu erreichen, nicht einmal mit Bitcoin und Co.
FIFA verdient doppelt beim Ticketverkauf
Die FIFA verdient beim regulären Verkauf der Tickets für die WM 2026. Darüber hinaus kassiert die FIFA aber auch 30 % des gesamten Wiederverkauf-Umsatzes als Gebühr. Das ist eine Gebührenhöhe, den es normalerweise nur in halbseidenen Branchen gibt. Die FIFA trägt allerdings kein finanzielles Risiko, denn im Zweifel verlieren nur die Ticketkäufer, die für ihre regulär gekauften Tickets keinen Käufer finden.
Die FIFA-Gebühr wird zwischen dem Käufer und dem Verkäufer aufgeteilt. Beim Wiederverkauf bezahlen der Verkäufer und der Käufer jeweils 15 %. Das bedeutet, dass die FIFA bei einem Umsatz von 10.000 US-Dollar (8.601 Euro) eine Gebühr von 3.000 US-Dollar (2.580 Euro) erhält. Für eine Non-Profit-Organisation ist das durchaus bemerkenswert. Der Verband profitiert erheblich von der Ticketspekulation.
Je höher die Ticketpreise durch Spekulation nach oben getrieben werden, desto mehr verdient die FIFA. Für die ganz normalen Fans ist das ein riesiges Problem. Wer nicht das Glück hat, ein Ticket beim Erstverkauf bekommen zu haben, wird durch die hohen Preise komplett vom Turnier ausgeschlossen.
FIFA legalisiert Schwarzmarkt für WM Tickets 2026 und profitiert
Bei Weltmeisterschaften gibt es seit Jahrzehnten das Problem, dass die Nachfrage nach Tickets wesentlich höher ist als das Angebot. Das lässt sich auch nicht ändern, denn es ist nicht möglich, beliebig große Stadien zu bauen. Früher gab es deswegen einen regen Schwarzmarkt, auf dem ohne Kontrolle der FIFA Tickets für hohe Preise weiterverkauft wurden.
Die Legalisierung dieses Schwarzmarkts sorgt dafür, dass alles in geordneten Bahnen abläuft. Aber es bleibt ein unangenehmer Beigeschmack, denn es gäbe durchaus andere Möglichkeiten, Tickets fair zu verteilen. Beispielsweise könnten die Tickets personalisiert werden. Eine Weitergabe könnte man dann ausschließlich über eine FIFA-Plattform gegen eine kleine Gebühr ermöglichen.
Der Nachteil dieses fairen Geschäftsmodells wäre allerdings, dass die FIFA wesentlich weniger Geld mit Tickets verdienen würde. Gewissermaßen werden mit dem neuen Verkaufsmodell nicht nur die Fußballfans, sondern auch die nationalen Fußballverbände getäuscht.
Die regulären Preise für die WM 2026 Tickets sind nicht niedrig, aber durchaus vertretbar. Am Ende profitiert die FIFA jedoch davon, dass astronomische Preise beim Wiederverkauf aufgerufen werden, die bei einem regulären Verkauf direkt über die FIFA mit Absegnung der nationalen Verbände niemals durchsetzbar gewesen wären.
Kartenverkauf als Glücksspiel: Wer ist Gewinner, wer Verlierer?
Die Gewinner:
- Erstkäufer: Wer schon beim ersten Verkauf günstige Tickets zu regulären Preisen ergattern konnte, kann die Tickets teilweise zu einem 40–50 x höheren Preis verkaufen.
- Institutionelle Käufer: Professionelle Ticketkäufer können viel Geld mit ihren Kontingenten verdienen.
- FIFA: Verdient an jeder Transaktion, unabhängig von den Marktbedingungen.
Die Verlierer:
- Normales Publikum: Selbst die billigsten Tickets kosten im Wiederverkauf Tausende Euro. Ein Ticket für die Fußball-WM wird somit zum Luxusgut, das sich nur wenige Menschen leisten können.
- Späte Spekulanten: Wer gehofft hat, eine 10x-Rendite mit Kauf und Wiederverkauf zu machen, trifft auf Millionen andere Spekulanten mit der gleichen Idee.
Fazit: FIFA bereichert sich am WM 2026 Ticketverkauf mit Spekulation
Die FIFA ist nicht nur der Fußball-Weltverband, sondern auch eine höchst umstrittene Organisation, die in ihrer jüngeren Geschichte mit Korruptionsskandalen, Anbiederung an Diktatoren und seltsamen Preisverleihungen aufgefallen ist.
Der WM 2026 Ticketverkauf ist aufgrund der riesigen Nachfrage generell ein Glücksspiel. Allerdings zeigt die Wiederverkaufsplattform der FIFA, dass es dem Weltverband nicht darum geht, auch einfachen Fußballfans mit normalem Gehalt den Zugang zum Turnier zu geben.
Vielmehr versucht die FIFA, möglichst viel Geld mit Tickets über einen legalisierten Schwarzmarkt zu verdienen. Anständig ist das nicht, aber solange es genügend Fußballfans gibt, die bereit sind, wahnsinnige Summen für Tickets zu bezahlen, wird sich das System kaum ändern.Immerhin ist die FIFA mit der WM in einem Land angekommen, in dem der Präsident kein Problem damit hat, wenn sich mächtige Organisationen bereichern, solange er selbst ebenfalls profitiert.
