Die europäische League-of-Legends-Szene verliert eines ihrer spannendsten Projekte: Marc „Caedrel“ Lamont hat bestätigt, dass Los Ratones eingestellt wird. Trotz einer nur kurzen Existenz entwickelte sich das Team zu einem der sichtbarsten streamer-geführten Projekte im kompetitiven Ökosystem. Besonders bei Events war die Organisation ein verlässlicher Zuschauermagnet und zeigte, wie stark Content-Creator-Teams die klassische Esports-Struktur verändern können.
Die Entscheidung folgte auf das verpasste LEC 2026 Versus-Playoff-Ticket. Während einige Fans äußere Faktoren verantwortlich machten, übernahm Caedrel selbst die Verantwortung und stellte klar, dass das Team seine Chancen nicht genutzt habe.
Ein außergewöhnlicher sportlicher Lauf in kurzer Zeit
Gegründet im November 2024, schrieb Los Ratones innerhalb weniger Monate bemerkenswerte Erfolgsgeschichten. Im Jahr 2025 gewann das Team alle drei Splits der Northern League of Legends Championship (NLC) und stellte damit einen historischen Rekord auf. Zusätzlich sicherte sich die Organisation zwei Titel bei den EMEA Masters, der wichtigsten Tier-2-Liga außerhalb der LEC.
Auch statistisch war die Bilanz beeindruckend: Von 67 gespielten Matches gewann Los Ratones 53. Besonders hervorzuheben ist eine Siegesserie von 14 Spielen vom Debüt bis März 2025. Der erste große Titel folgte beim NLC Winter Split, als NORD Esports im Finale besiegt wurde.
Mit bekannten Namen wie Simon „Thebausffs“ Hofverberg und Martin „Rekkles“ Larsson bewies das Team, dass Tier-2-Rosters durchaus auf höchstem Niveau konkurrieren können.
Publikumsmagnet: Vergleich mit anderen Streamer-Teams
Seit 2025 gehörte Los Ratones zu den erfolgreichsten streamer-geführten Teams in Bezug auf Zuschauerzahlen. Insgesamt sammelte die Organisation rund 21,2 Millionen Hours Watched. Nur zwei Projekte lagen darüber: Karmine Corp und KOI, die bereits länger existieren und von besonders großen Streaming-Persönlichkeiten getragen werden.
Dass Los Ratones in so kurzer Zeit in diese Größenordnung vorstoßen konnte, zeigt, wie stark Caedrels Community-Ansatz funktionierte. Das meistgesehene Match erreichte nahezu 592.000 gleichzeitige Zuschauer. Bei vielen Turnieren zählten Spiele des Teams konstant zu den meistgesehenen Begegnungen.
Damit wurde Los Ratones nicht nur sportlich relevant, sondern auch wirtschaftlich wichtig für Veranstalter und Ligen.
Ein Kader zwischen Esports und Content-Creation
Bis zur Auflösung bestand das Line-up aus bekannten Persönlichkeiten:
- Top: Simon „Baus“ Hofverberg
- Jungle: Veljko „Velja“ Čamdžić
- Mid: Tim „Nemesis“ Lipovšek
- ADC: Juš „Crownie“ Marušič
- Support: Martin „Rekkles“ Larsson
Die Zukunft der Spieler entwickelt sich nun unterschiedlich. Einige möchten ihre Profi-Karriere fortsetzen, andere orientieren sich stärker Richtung Streaming und Content. Besonders Rekkles deutete an, dass Los Ratones möglicherweise sein letztes großes Profiprojekt gewesen sein könnte. Auch Baus bestätigte bereits, nicht mehr professionell spielen zu wollen.
Was bedeutet das Aus für die Szene?
Das Ende von Los Ratones wirft Fragen zur Zukunft streamer-geführter Teams auf. Das Projekt zeigte, wie stark Community-Power Zuschauerzahlen, Storytelling und Wettbewerb beeinflussen kann. Gleichzeitig machte es deutlich, wie schwierig es ist, sportlichen Erfolg dauerhaft zu sichern, selbst wenn Reichweite vorhanden ist.
Caedrel bleibt der Szene jedoch erhalten – als Analyst, On-Air-Talent und Streamer bei großen Events. Ob er künftig erneut ein Team aufbaut, ist offen, doch die Erfahrungen von Los Ratones dürften zukünftige Projekte prägen.
Fazit
Los Ratones war eines der eindrucksvollsten Experimente im europäischen League-of-Legends-Esport. Trotz kurzer Laufzeit kombinierte das Team sportlichen Erfolg mit enormer Reichweite und etablierte sich schnell neben großen streamer-Organisationen.
Das Aus markiert das Ende eines besonderen Kapitels, zeigt aber gleichzeitig, wie stark Community-getriebene Teams geworden sind. Für euch als Zuschauer bleibt vor allem die Erkenntnis: Streamer-Projekte können die Szene nachhaltig verändern — auch wenn sie nicht ewig bestehen.
