Die niederländische Glücksspielaufsicht Kansspelautoriteit verschärft erneut ihren Kurs gegen indirekte Glücksspielwerbung. In einer aktuellen Mitteilung fordert sie lizenzierte Online-Anbieter dazu auf, sogenannte „Share your bet“-Funktionen mit sofortiger Wirkung zu entfernen.
Der Grund: Solche Features lassen sich nicht zuverlässig von Minderjährigen, jungen Erwachsenen oder gefährdeten Spielern fernhalten. Für euch als Marktbeobachter ist das ein klares Signal, dass die Regulierung inzwischen tief in Produktdesign und Nutzerfunktionen eingreift, nicht mehr nur in klassische Werbung.
Warum die Aufsicht die Grenze überschritten sieht
Aus Sicht der Kansspelautoriteit handelt es sich bei „Share your bet“ nicht um ein harmloses Social-Feature, sondern um Werbung durch die Hintertür. Spieler platzieren eine Wette und teilen diese per Link – oft inklusive der Möglichkeit, sie mit einem Klick zu kopieren. Genau hier liegt das Problem: Die Verbreitung entzieht sich jeder Kontrolle.
Anbieter können nicht steuern, ob diese Links bei Minderjährigen, jungen Erwachsenen oder gesperrten Spielern landen. Damit widerspricht das Feature direkt den niederländischen Regeln zu Werbung und Suchtprävention. Für die KSA ist klar: Wenn Werbung nicht gezielt begrenzt werden kann, darf sie schlicht nicht existieren.
Normalisierung von Glücksspiel durch soziale Weitergabe
Neben der rechtlichen Bewertung hebt die Kansspelautoriteit auch die gesellschaftlichen Folgen solcher Funktionen hervor. Wenn Wetten unkompliziert über Messenger oder soziale Netzwerke geteilt werden, verändert das die Wahrnehmung von Glücksspiel. Es wirkt alltäglich, harmlos und sozial akzeptiert – gerade für jüngere Zielgruppen.
Für euch ist dieser Punkt entscheidend: Glücksspiel wird nicht mehr aktiv gesucht, sondern taucht plötzlich im privaten Umfeld auf, empfohlen von Freunden oder Bekannten. Diese Form von Peer-to-Peer-Verbreitung erzeugt subtilen Druck und senkt die Hemmschwelle zur Teilnahme. Genau deshalb stuft die KSA „Share your bet“ als indirekten Marketingkanal ein. Spieler werden – oft unbewusst – zu Werbeträgern, obwohl sie weder Verantwortung noch Überblick über die Reichweite ihrer geteilten Inhalte haben.
Was das für Anbieter und Produktdesign bedeutet
Für euch als Beobachter des Marktes zeigt dieser Schritt vor allem eines: Die Aufsichtsbehörde schaut längst nicht mehr nur auf klassische Werbung, sondern zunehmend auf das Produkt selbst. Funktionen, die früher als harmlose Social-Features galten, werden nun regulatorisch wie Marketinginstrumente behandelt.
Für Anbieter heißt das konkret, dass sie ihre Plattformen kritisch überprüfen müssen. Jede Mechanik, die Inhalte nach außen trägt – egal ob über Links, Einladungen oder Event-Sharing – kann zum Problem werden, wenn sich nicht eindeutig kontrollieren lässt, wer sie sieht. Besonders brisant ist dabei, dass technische Schutzmaßnahmen kaum greifen, sobald Inhalte außerhalb der Plattform geteilt werden.
Die KSA macht klar: Wenn ein Feature faktisch Werbung ist, dann gelten dafür dieselben strengen Regeln – unabhängig davon, ob die Verbreitung über den Betreiber oder über die Spieler selbst erfolgt.
Ein Signal für die Zukunft des niederländischen Marktes
Für euch ist diese Entscheidung vor allem als klares Warnsignal zu verstehen. Die niederländische Aufsicht zeigt, dass sie bereit ist, Grauzonen konsequent zu schließen, auch wenn das etablierte Produktfunktionen betrifft. Es geht nicht mehr nur darum, was beworben wird, sondern wie Glücksspiel überhaupt sichtbar wird.
Gerade in einem Markt, der bereits stark reguliert ist, verschiebt sich der Fokus zunehmend auf indirekte Effekte: soziale Dynamiken, Empfehlungsmechanismen und Designentscheidungen, die Verhalten beeinflussen. Anbieter, die ihre Angebote in den Niederlanden langfristig betreiben wollen, müssen diese Perspektive mitdenken.
Für Spieler bedeutet das ebenfalls Veränderungen. Funktionen, die bisher als Teil der sozialen Erfahrung galten, könnten verschwinden oder stark eingeschränkt werden. Der Kurs ist eindeutig: Alles, was Glücksspiel weiterverbreitet oder normalisiert, steht künftig unter besonderer Beobachtung.
Fazit
Die klare Ansage der niederländischen Aufsicht lässt wenig Interpretationsspielraum. „Share your bet“-Funktionen gelten aus Sicht der Behörden als Werbung und damit als unvereinbar mit den strengen Schutzvorgaben für Minderjährige und gefährdete Gruppen. Für euch zeigt dieser Schritt, wie konsequent Regulierung inzwischen auch das Produktdesign erfasst.
Anbieter müssen ihre Plattformen neu überdenken, während Spieler mit weniger sozialen Features rechnen müssen. Die Richtung ist eindeutig: In den Niederlanden soll Glücksspiel sichtbar reduziert werden – auch dort, wo es bisher als harmloser Social-Aspekt galt.
