Die deutsche Online-Glücksspielregulierung wird regelmäßig kritisiert. Aber ein Blick nach Österreich zeigt, dass es noch deutlich schlimmer sein könnte. In Österreich hat der Schwarzmarkt im Online-Glücksspiel mittlerweile eine Größe von etwa 500 Millionen EUR erreicht. Damit liegt der Anteil des Schwarzmarkts bei bis zu 71 %. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Regulus-Studie. An den Zahlen wird deutlich, dass erheblicher Reformbedarf vorhanden ist.
Regulus-Studie: alarmierende Zahlen für Online-Glücksspiel in Österreich
Der Glücksspielanbieter Tipico hat das Beratungsunternehmen Regulus Partners mit einer Studie zur Situation des Online-Glücksspiels in Österreich beauftragt. Die Zahlen sind erschreckend. Die Regulus-Studie schätzt den Schwarzmarkt auf eine Größe von 435 bis 616 Millionen EUR. Das bedeutet, dass der Schwarzmarkt einen Anteil von 63 bis 71 % am gesamten Markt hat.
Umgekehrt liegt die Kanalisierungsrate entsprechend bei 29 bis 37 %. Nur etwa ein Drittel des Umsatzes wird somit beim Monopol-Glücksspielanbieter Win2Day generiert. Den Rest teilen sich internationale Glücksspielanbieter, die ohne Lizenz in Österreich aktiv sind. Das Problem ist seit Jahren bekannt, bekommt aber in der öffentlichen Debatte neue Brisanz durch die aktuellen Zahlen.
Glücksspielmonopol auf dem Prüfstand
In Österreich gibt es, anders als in Deutschland, nach wie vor ein Glücksspielmonopol. Der Staat erlaubt nur einen einzigen Online-Glücksspielanbieter. Win2Day wird von der Casinos Austria AG betrieben und zeichnet sich durch ein ausgesprochen mittelmäßiges Angebot im internationalen Vergleich aus. Das dürfte auch der Hauptgrund sein, warum viele österreichische Glücksspiel-Fans lieber in Online-Casinos ohne Lizenz spielen.
Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass die internationalen Casinos einen deutlich schlechteren Spielerschutz bieten. Die österreichischen Spieler sind auch rechtlich schlecht geschützt. Wenn ein Casino eine Auszahlung verweigert, ist es sehr schwer, dagegen vorzugehen, insbesondere wenn der Anbieter außerhalb der Europäischen Union lizenziert ist.
Dem österreichischen Staat entgehen erhebliche Steuereinnahmen, denn die Casino-Betreiber sitzen nicht in Österreich und oft auch nicht in der EU. Das ist vielleicht nicht das Hauptproblem, aber ein weiterer Grund, warum es mittlerweile diverse Initiativen gibt, um den Online-Glücksspielmarkt in Österreich zu reformieren.
Hochwertiger Spielerschutz nur auf reguliertem Markt
Der fehlende oder mangelhafte Spielerschutz ist ein erhebliches Problem für viele Spieler in Österreich. Zwar ist der Spielerschutz beim Monopol-Glücksspielanbieter auf einem hohen Niveau. Aber selbst auf diesem Level gibt es immer noch keine zentrale Sperrdatenbank. Doch auch mit einer entsprechenden Datenbank wäre es schwierig, effektiven Spielerschutz zu gewährleisten, da die internationalen Online-Casinos auf dem Schwarzmarkt nicht erfasst würden.
Die Regierungsstrategie: IP-Blocking und Zahlungssperren
Die österreichische Bundesregierung will zunehmend gegen illegales Online-Glücksspiel vorgehen. Dabei sollen zwei Instrumente besonders hilfreich sein: IP-Blocking (Sperren nicht-lizenzierter Webseiten) und Payment-Blocking (Zahlungssperren).
In Deutschland werden diese beiden Instrumente bereits eingesetzt, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Dabei gibt es in Deutschland sogar ein Lizenzierungssystem, das auch von internationalen Casino-Betreibern genutzt werden kann. Trotzdem hat der Schwarzmarkt in Deutschland eine beträchtliche Größe, die je nach Angabe zwischen 30 und 60 % liegt.
Glücksspielreform in Österreich 2026 – kommt die Wende?
Es zeichnet sich ab, dass im Laufe des Jahres ein Gesetzesentwurf zur Neuordnung des Glücksspielmarkts in Österreich kommt. Allerdings ist noch nicht klar, ob es tatsächlich ein Lizenzsystem für private Glücksspielanbieter geben wird.
Das wäre zumindest ein Anfang, um den Markt insgesamt etwas attraktiver zu machen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Dänemark, Großbritannien und vielen anderen europäischen Ländern gibt es bereits seit Jahren ein derartiges System.
In Österreich soll eine Glücksspielbehörde geschaffen werden, die ähnlich wie die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Deutschland zuständig für die Lizenzierung und Regulierung der Online-Glücksspielanbieter sein soll. Das ist eine schlichte Notwendigkeit für die Umsetzung eines modernen Lizenzierungssystems.
Hauptproblem ist Attraktivität des legalen Markts
Der Blick nach Deutschland könnte österreichischen Politikern, die derzeit die Glücksspielregulierung im Internet diskutieren, dabei helfen, Fehlentwicklungen zu vermeiden. In Deutschland hat man eine Regulierung geschaffen, die derart streng ist, dass der legale Glücksspielmarkt für die meisten Spieler uninteressant ist.
Ein niedriges Einzahlungslimit, ein niedriges Einsatzlimit, die Begrenzung des Angebots auf Spielautomaten und andere Beschränkungen gewährleisten nur, dass die Anbieter auf dem Schwarzmarkt leichtes Spiel haben. Warum sollte ein Spieler, der das moderne Glücksspiel in vollen Zügen genießen will, bei einem Anbieter spielen, der nur ein mittelprächtiges Programm mit vielen Einschränkungen zur Verfügung stellt?
Ein paar Klicks weiter gibt es Online-Glücksspielanbieter, die alles bieten, was sich Glücksspiel-Fans wünschen. Dass der Spielerschutz nicht besonders gut ist, stört die meisten Spieler wenig. Wenn der Spielerschutz mäßig ist, bedeutet dies auch, dass die Spieler mehr Freiheiten haben.
Fazit: Kommt Lizenzsystem mit attraktivem legalen Markt?
Die österreichische Situation lässt sich nicht allein mit einem Lizenzsystem lösen. Nur wenn gewährleistet ist, dass die Angebote auf dem legalen Glücksspielmarkt attraktiv sind für anspruchsvolle Spieler, haben die lizenzierten Anbieter eine Chance, gegen den Schwarzmarkt zu bestehen.
In Großbritannien hat dies beispielsweise viele Jahre funktioniert. Deutschland ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass ein zu streng regulierter Markt am Ende sogar dazu führt, dass der Schwarzmarkt gestärkt wird. Dieses Experiment sollte Österreich vielleicht nicht wiederholen.
