Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat eine neue Informationsbroschüre veröffentlicht, die Spieler und Verbraucher vor den Gefahren des illegalen Online-Glücksspiels warnen soll. Der Titel der GGL-Broschüre lautet: „Illegales Glücksspiel im Internet – Erkennen, Vermeiden, Melden”.
Die Zielgruppe sind Spieler, die sich darüber informieren möchten, wie sie illegales Online-Glücksspiel erkennen und entsprechende Angebote meiden können.#
Schwarzmarkt wächst: GGL geht von 25 % Marktanteil aus
Im GGL-Tätigkeitsbericht 2024 wird die Größe des illegalen Online-Glücksspielsektors mit 25 % angegeben. Das ist eine sehr optimistische Schätzung. Es gibt Experten, die den Anteil der Schwarzmarkts auf 40 bis 60 % beziffern. Die GGL kennt etwa 800 bis 900 illegale Websites und geht davon aus, dass diese Websites ein Marktvolumen von 300 bis 500 Mio. € jährlich generieren.
In der neuen Broschüre der Deutschen Glücksspielbehörde wird darauf hingewiesen, dass die Spielerschutzmaßnahmen auf diesen Websites deutlich schlechter sind als bei der deutschen Konkurrenz. Zudem würden teilweise unrealistische Gewinne versprochen. Bemerkenswert ist zudem, dass sich viele Angebote explizit an deutsche Spieler richten, obwohl dies nicht zulässig ist.Illegale Betreiber setzen auf Werbemechanismen, bei denen eine personalisierte Ansprache stattfindet.
Teilweise werden sogar Spieler direkt adressiert, die sich selbst in Deutschland gesperrt haben. Als besonders problematisch sieht die GGL zudem die Werbung über Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube. Die GGL weist darauf hin, dass sich nicht nur die Betreiber der Casinos, sondern auch die werbenden Content Creator strafbar machen können.
Rechtliche Konsequenzen: Teilnahme am illegalen Glücksspiel strafbar
In Deutschland wird die Teilnahme am illegalen Glücksspiel in § 285 Strafgesetzbuch (StGB) geregelt. Theoretisch sind Freiheitsstrafen von bis zu sechs Monaten und Geldstrafen von bis zu 180 Tagessätzen möglich. In der Praxis werden die meisten Verfahren jedoch ohne Strafe eingestellt. Die mögliche Bestrafung für zudem dazu, dass viele Spieler auf Krypto-Casinos ausweichen, da Zahlungen mit Bitcoin und Co. für die Behörden praktisch nicht nachvollziehbar sind.
Gerichte verurteilen illegale Anbieter zur Rückzahlung
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat im März 2024 entschieden, dass Online-Sportwetten ohne erforderliche deutsche Lizenz illegal sind. Spieler können entsprechend auch ihre Verluste zurückfordern. Im konkreten Fall ging es um einen Spieler, der ungefähr 12.000 € bei illegalen Sportwetten verloren hatte. Der Betreiber wurde zur Rückerstattung des gesamten Betrags verurteilt.
Das Oberlandesgericht Köln hat am 6. Mai 2024 (Az. 19 U 82/23) entschieden, dass ein Kunde von Tipico Anspruch auf eine Erstattung von etwa 30.000 € hatte. Es ging um Aktivitäten zwischen Oktober 2019 und Juli 2020, also noch vor dem Glücksspielstaatsvertrag 2021. Die Spielverträge waren nach Einschätzung des Gerichts nach § 134 BGB nichtig.Viele Klagen gegen Online-Buchmacher und Online-Casinos sind erfolgreich, aber es gibt immer auch das Risiko, dass das Gericht gegen einen Spieler entscheidet.
Zudem bedeutet eine erfolgreiche Klage nicht, dass das Geld am Ende zurückerstattet wird. Malta ist als Sitz vieler Glücksspielanbieter bei diesem Thema nicht besonders kooperativ und hat rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen, die es Spielern schwer machen, gerichtlich erwirkte Rückzahlungen durchzusetzen.
Spielerschutzmaßnahmen: Das ist bei legalen Anbietern Pflicht
Legale Anbieter können Spieler an einer ganzen Reihe von Merkmalen schnell erkennen. Die folgenden Aspekte gibt es bei illegalen Glücksspielanbietern nicht:
- Altersverifikation: Neue Kunden müssen sich unmittelbar nach der Registrierung verifizieren und damit auch den Altersnachweis erbringen.
- OASIS-Integration: Anschluss an die zentrale Spielersperrdatei mit Möglichkeiten zur Selbst- und Fremdsperre
- LUGAS-Integration: Anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 1000 €. Individuelles Limit wird bei der Kontoeröffnung abgefragt.
- Panik-Button: Ermöglicht sofortige 24-Stunden-Sperren mit einem Klick
- Transparente Auszahlungsregeln: Gewinne müssen ausbezahlt werden
- Datenschutz nach DSGVO: Schutz sensibler Persönlichkeitsdaten
Illegale Anbieter bieten keine dieser Schutzmaßnahmen. Das Risiko für problematisches oder süchtiges Spielverhalten ist um ein Vielfaches höher. Deswegen ist wesentlich mehr Eigenverantwortung bei den Wettanbietern und Online-Casinos ohne deutsche Lizenz gefragt.
Wie Spieler illegale Angebote erkennen
Die GGL-Broschüre nennt konkrete Warnsignale:
- Domain-Endung: Legale Anbieter nutzen ausschließlich .de-Domains. Alles andere (.com, .io, .casino, .bz, .cc) ist ein Alarmzeichen.
- Erlaubnishinweis: Legale Anbieter zeigen das GGL-Siegel und den Erlaubnistext prominent auf der Startseite.
Whitelist-Check: Auf der Website der Glücksspielbehörde kann jeder Spieler die Whitelist einsehen, auf der alle zugelassenen Anbieter stehen.
Fazit: GGL-Broschüre hilft Spielern bei Suche nach Anbietern
Die neue GGL-Broschüre ist vorwiegend interessant für Spieler, die sich unsicher sind, welche Anbieter im Internet legal sind. Auch wenn einige der präsentierten Fakten und Argumente in der Broschüre nicht ganz unstrittig sind, ist es doch für viele Spieler eine Hilfe, dass endlich eine umfassende GGL-Broschüre zum Thema verfügbar ist. Allerdings wird dies kaum dazu beitragen, dass sich mehr Spieler für den legalen Markt entscheiden.
Das größte Problem des regulierten Glücksspielmarkts im Internet ist nicht, dass Spieler nicht erkennen, ob ein Casino oder ein Buchmacher eine deutsche Lizenz hat. Was die Spieler allerdings sehen, ist, dass die internationalen Anbieter ohne deutsche Lizenz oftmals deutlich attraktivere Angebote zur Verfügung stellen.
Buchmacher haben mehr Wettmärkte und Online-Casinos können Live-Casinos ohne Einschränkungen anbieten. Zudem gibt es keine niedrigen Einzahlungs- und Einsatzlimits.Wer im Jahr 2026 immer noch glaubt, dass sich illegales Glücksspiel mit Aufklärung verhindern lässt, hat nicht verstanden, welche Mechanismen das Verhalten von Glücksspiel-Fans bestimmen.
