Finnland steht vor einer der bedeutendsten Glücksspielreformen seiner Geschichte. Nachdem das Innenministerium einen Gesetzesentwurf für ein neues Glücksspielsystem ausgearbeitet hatte, wurde die Regierungsvorlage im März 2025 dem Parlament vorgelegt.
Im Dezember 2025 verabschiedete das Parlament das neue Glücksspielgesetz, das im Januar 2026 offiziell bestätigt wurde. Die Reform ist ein zentrales Vorhaben der Regierung von Premierminister Petteri Orpo und soll das bestehende System grundlegend modernisieren.
Wettbewerb im Online-Segment, Monopol bleibt teilweise bestehen
Kern der Reform ist die Öffnung zentraler Online-Glücksspielbereiche für Wettbewerb. Sportwetten, Online-Slots, Online-Casino-Spiele sowie Online-Geld-Bingo werden künftig über ein Lizenzsystem angeboten. Gleichzeitig bleibt das staatliche Unternehmen Veikkaus Oy in wichtigen Bereichen Monopolist, etwa bei Lotterien, Rubbellosen sowie landbasierten Spielautomaten und Casinos.
Dieses hybride Modell orientiert sich an anderen europäischen Märkten wie Dänemark oder Schweden, die bereits eine Kombination aus Monopol und reguliertem Wettbewerb eingeführt haben. Ziel ist es, Spieler stärker zu legalen Angeboten zu lenken und die sogenannte Kanalisierungsrate zu erhöhen.
Zeitplan: Lizenzvergabe ab 2026, Marktstart 2027
Unternehmen können ab dem 1. März 2026 Lizenzen beim Nationalen Polizeiamt beantragen. Der eigentliche Start lizenzierter Angebote ist für den 1. Juli 2027 vorgesehen. Bis dahin behält Veikkaus Oy das vollständige Monopol, sodass andere Anbieter weder Glücksspiel betreiben noch bewerben dürfen.
Ab Juli 2027 übernimmt zudem eine neue finnische Aufsichtsbehörde die Lizenz- und Kontrollaufgaben. Damit entsteht erstmals eine eigenständige Regulierungsstruktur für den liberalisierten Markt.
Fokus auf Spielerschutz und Missbrauchsprävention
Ein zentrales Ziel der Reform ist die Reduzierung glücksspielbedingter Schäden. Das neue Gesetz führt mehrere Instrumente ein, um Missbrauch, Betrug und problematisches Spielverhalten zu verhindern und zu erkennen. Glücksspielanbieter müssen zudem strenge Vorgaben zur Geldwäscheprävention erfüllen.
Auch Marketing wird klar geregelt. Werbung bleibt grundsätzlich erlaubt, unterliegt jedoch strikten Einschränkungen. Das Gesetz definiert verbotene Werbemethoden, Informationspflichten, Sponsoring-Regeln sowie Einschränkungen für Direktmarketing.
Nächste Schritte bis 2027
Das Reformprojekt läuft seit Oktober 2023 und wurde bis Februar 2027 verlängert. In diesem Zeitraum werden detaillierte Verordnungen vorbereitet, die praktische Fragen zum Betrieb, zur Aufsicht und zu technischen Anforderungen klären.
Diese sekundären Regelwerke sind entscheidend dafür, wie effektiv das neue System funktioniert, insbesondere beim Spielerschutz, bei der Marktaufsicht und bei der Bekämpfung illegaler Angebote.
Ein strategischer Wandel für Finnlands Glücksspielmarkt
Mit der Reform verabschiedet sich Finnland teilweise vom traditionellen Monopolmodell und folgt einem europaweiten Trend hin zu regulierten Wettbewerbsmärkten. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob das neue System die gewünschten Effekte erzielt: bessere Kontrolle, stärkeren Spielerschutz und eine höhere Nutzung legaler Angebote.
Der Start des Lizenzmarkts im Jahr 2027 markiert damit einen strukturellen Wendepunkt für das finnische Glücksspiel und könnte langfristig als Modell für weitere Reformen in Europa dienen.
