Die aktuelle Glücksspielstudie 2025 zeichnet ein differenziertes Bild: Während die Teilnahme am Glücksspiel in Deutschland insgesamt stabil bleibt, zeigen sich weiterhin klare Risikogruppen und problematische Entwicklungen. Für euch als Leser bedeutet das vor allem eines – das Thema ist längst nicht so harmlos, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.
Stabile Teilnahme, aber keine Entwarnung
Laut der neuen bundesweiten Erhebung haben im Jahr 2025 rund 36,4 % der Befragten mindestens einmal an einem Glücksspiel mit Geldeinsatz teilgenommen. Damit bewegt sich die Quote auf einem ähnlichen Niveau wie bereits 2021 – ein Zeichen dafür, dass sich das generelle Spielverhalten in der Bevölkerung kaum verändert hat.
Interessant ist dabei die Verteilung:
- Männer spielen häufiger (40,4 %) als Frauen (32,4 %)
- Mit zunehmendem Alter steigt die Teilnahmequote
- Den Höchstwert erreicht die Gruppe der 56- bis 70-Jährigen mit 40,3 %
Auch die Regelmäßigkeit ist nicht zu unterschätzen: 11,7 % spielen mindestens einmal pro Woche. Für euch zeigt das, dass Glücksspiel für viele kein gelegentliches Hobby mehr ist, sondern fester Bestandteil des Alltags geworden ist.
Problematisches Spielverhalten bleibt präsent
Trotz stabiler Gesamtzahlen bleibt problematisches Glücksspiel ein ernstes Thema. Die Studie zeigt deutlich, dass sich Risiken nicht gleichmäßig verteilen.
Auf Basis der DSM-5-Kriterien ergibt sich:
- 2,2 % der Erwachsenen erfüllen die Kriterien einer Glücksspielstörung
- Weitere 5,5 % gelten als gefährdet
Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Männer weisen mit 3,2 % eine deutlich höhere Problemquote auf als Frauen (1,1 %).
Auch die Ausgaben steigen mit wachsendem Risiko:
- 30 € monatlich bei unauffälligem Verhalten
- 55 € bei Risikospielern
- bis zu 160 € bei problematischem Glücksspiel
Für euch wird damit klar: Es geht nicht nur um Teilnahme, sondern vor allem um Intensität und Kontrolle.
Junge Männer und bestimmte Spielformen im Fokus
Ein genauer Blick zeigt, dass bestimmte Gruppen besonders gefährdet sind. Vor allem jüngere Männer zwischen 18 und 35 Jahren weisen die höchsten Raten problematischen Spielverhaltens auf.
Zudem gibt es klare Unterschiede zwischen den Spielformen:
- Online-Slots: höchste Problemquote mit 32,5 %
- Sportwetten (live): 27 %
- Spielautomaten vor Ort: 23,4 %
Insgesamt wurden 7,5 % der Befragten als Nutzer besonders risikoreicher Glücksspielangebote eingestuft.
Für euch bedeutet das: Nicht jedes Glücksspiel ist gleich – einige Formen bergen deutlich höhere Risiken als andere.
Mehrere Spiele und Denkfehler verstärken das Risiko
Ein besonders spannender Aspekt der Studie betrifft das Verhalten der Spieler selbst. Wer mehrere Glücksspielarten kombiniert, setzt sich einem deutlich höheren Risiko aus.
Personen, die vier oder mehr verschiedene Spiele nutzen, zeigen fast doppelt so hohe Werte bei problematischen Denkmustern wie Einzelspieler. Dazu zählen typische Fehlannahmen wie:
- die Illusion, das Ergebnis beeinflussen zu können
- das Überschätzen eigener Strategien
Diese sogenannten „kognitiven Verzerrungen“ spielen eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Spielsucht – ein Punkt, den viele von euch möglicherweise unterschätzen.
Daytrading und Glücksspiel: Gefährliche Nähe
Erstmals hat die Studie auch kurzfristigen Finanzhandel untersucht – mit bemerkenswerten Ergebnissen.
- 6,5 % der Befragten betreiben Daytrading
- Unter ihnen spielen 63,7 % auch Glücksspiel
- 12,1 % erfüllen Kriterien einer Glücksspielstörung
Das deutet darauf hin, dass sich spekulatives Trading und Glücksspielverhalten überschneiden können. Für euch ist das ein wichtiger Hinweis: Nicht nur klassische Glücksspiele bergen Risiken, sondern auch vermeintlich „seriöse“ Finanzaktivitäten.
Schutzmaßnahmen bekannt – aber noch ausbaufähig
Positiv ist: Die wichtigsten Schutzregeln sind vielen Menschen bekannt.
- 85 % wissen, dass Glücksspiel unter 18 verboten ist
- 92 % unterstützen diese Altersgrenze
Weniger bekannt sind jedoch andere Maßnahmen wie:
- Werbebeschränkungen
- Schulungen für Personal
- Einsatz von Limits und Sperrsystemen
Gleichzeitig steigt die Akzeptanz solcher Instrumente – ein gutes Zeichen für die Zukunft.
Ein Beispiel ist das OASIS-Sperrsystem, das inzwischen rund 350.000 registrierte Nutzer verzeichnet. Hier zeigt sich, dass immer mehr Menschen aktiv Schutzangebote nutzen.
Werbung als zusätzlicher Risikofaktor
Weitere Studien deuten darauf hin, dass Glücksspielwerbung vor allem gefährdete Personen besonders stark beeinflusst.
Gerade jüngere Männer mit problematischem Spielverhalten reagieren deutlich sensibler auf Werbung. Sie berichten häufiger, dass Anzeigen ihre Einstellung und ihr Spielverhalten verändern.
Für euch wirft das eine wichtige Frage auf: Wie stark beeinflussen äußere Faktoren tatsächlich eure Entscheidungen?
Fazit: Stabil heißt nicht unproblematisch
Auch wenn die Gesamtbeteiligung am Glücksspiel in Deutschland stabil bleibt, zeigt die Studie deutlich, dass Risiken weiterhin bestehen – und sich in bestimmten Gruppen sogar verstärken.
Besonders junge Männer, Vielspieler und Nutzer mehrerer Angebote sind gefährdet. Gleichzeitig entstehen neue Überschneidungen, etwa mit spekulativem Trading.
Für euch bedeutet das: Glücksspiel bleibt ein komplexes Thema zwischen Unterhaltung und Risiko. Die Zahlen liefern keinen Grund zur Panik – aber auch keinen zur Entwarnung. Entscheidend ist, wie bewusst und kontrolliert ihr damit umgeht.
