Bet365 unter Druck: Einer der größten Online-Buchmacher steht im Zentrum einer brisanten Recherche von SWR und Tagesschau. Bet365 ist unter Druck, denn in dem exklusiven Investigativbericht geht es um Verstöße gegen den deutschen Glücksspielstaatsvertrag, die systematische Verweigerung, Spielerverluste zu erstatten, und den problematischen Firmenstandort Malta. Viele Glücksspiel- und Sportwetten-Fans in Deutschland fragen sich nun: Was bedeutet das für mich? Wir haben Antworten.
Bet365 im Rampenlicht: Fan-Proteste, Suchtprobleme und Rechtsverstöße?
Schon seit Jahrzehnten ist Bet365 einer der bekanntesten und beliebtesten Online-Buchmacher in Deutschland. Bet365 war früher auf dem unregulierten Graumarkt aktiv, ist aber schon seit Jahren mit einer deutschen GGL-Lizenz ausgestattet. Als Premium-Partner des Hamburger SV ist Bet365 auch im Spitzenfußball angekommen. Die Fans freuen sich darüber jedoch nicht besonders. Im Volksparkstadion wurde die Kooperation zuletzt mit einem meterlangen Banner gegen Bet365 kommentiert.
Die allgegenwärtige Sportwetten-Werbung ist für viele Fanvertreter problematisch, insbesondere durch den Einfluss auf junge Fans. Die Gegner der Sportwettenwerbung argumentieren, dass Fußballvereine das Signal senden, dass Sportwetten harmlos seien. Dabei gehen Experten davon aus, dass Sportwetten ein erhebliches Suchtpotenzial haben.
In dem SWR/Tagesschau-Bericht kommt ein 37-jähriger Fan des 1. FC Köln zu Wort, der bis zu 3.000 € pro Tag bei Bet365 und anderen Buchmachern verloren hat. Die Schattenseiten des Sportwetten-Booms werden aufgrund der riesigen Umsätze allerdings im Fußballgeschäft kaum thematisiert.
Lizenz-Historie und Rückforderungen: Wenn Spielverluste zur juristischen Frage werden
Seit Jahren gibt es juristische Auseinandersetzungen zur Frage, ob Bet365 in Deutschland vor 2021 überhaupt Sportwetten im Internet anbieten durfte. Zwar hatte der Buchmacher damals eine Lizenz der Malta Gaming Authority. Doch das Argument der EU-Dienstleistungsfreiheit ist jüngst vom Europäischen Gerichtshof ausgehebelt worden. Deswegen spricht vieles dafür, dass Bet365 damals keine Wetten in Deutschland anbieten durfte.
Die Konsequenz ist, dass die damaligen Kunden von Bet365 wahrscheinlich das Recht haben, sämtliche Verluste zurückzufordern. Es hat bereits diverse erfolgreiche Verfahren gegeben. SWR/Tagesschau dokumentieren einen Fall vor dem Landgericht Köln aus dem Jahr 2024, in dem das Gericht den Buchmacher dazu verurteilt hat, einem Spieler 35.000 € plus Zinsen zurückzuerstatten.
Allerdings hat der Betroffene nach Auskunft seines Anwalts bislang kein Geld von Bet365 bekommen. Der individuelle Rechtsstreit könnte sich zu einem europäischen Politikum entwickeln.
Malta, Bill 55 und EU-Streit: Warum Urteile gegen Bet365 schwer durchsetzbar sind
Bet365 sitzt wie viele andere Glücksspielanbieter und Buchmacher in Malta. Im Jahr 2023 hat der Inselstaat ein neues Gesetz eingeführt. Mit der Bill 55 wird es maltesischen Gerichten ermöglicht, die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Urteile zu verweigern, wenn diese auf Online-Glücksspiel basieren.
Somit kann auch ein deutsches Gericht Bet365 nicht zur Rückzahlung von Geldern bringen, denn im Zweifel verweigern die maltesischen Gerichte die Vollstreckung der Urteile aus Deutschland. Verbraucherschützer und Glücksspielrechtsexperten kritisieren die Bill 55 als unlauteren Schutz der maltesischen Glücksspielindustrie.
Einiges spricht dafür, dass diese gesetzliche Regelung unionsrechtswidrig ist. Deswegen spricht vieles dafür, dass die Bill eines Tages vom EuGH einkassiert wird. Bis dahin könnte aber noch viel Zeit vergehen. Diese Zeit können potenziell Betroffene nutzen, um Firmengelder und eventuell auch sich selbst aus der EU zu transferieren.
Verdacht auf Verstöße gegen Einzahlungslimits und Werbevorgaben
Die Diskussionen über mutmaßlich illegale Angebote aus der Zeit vor dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 sind nicht neu. Allerdings wirft die SWR/Tagesschau-Recherche auch die Frage auf, ob es bei Bet365 eventuell möglich sein könnte, das vorgeschriebene Limit von 1.000 € pro Monat mit wenig Aufwand auf 5.000 oder 10.000 € anzuheben. Anwälte berichten sogar von Fällen mit monatlichen Limits von 30.000 €.
Grundsätzlich sind derartige Limits zulässig, aber vorher müssen die Finanzen der Kunden durchleuchtet werden. Der SWR/Tagesschau-Bericht wirft die Frage auf, ob diese Kontrollen in ausreichendem Maße stattgefunden haben. Falls nicht, könnte dies Konsequenzen bis hin zum Lizenzentzug haben.
Ein anderes Problem, das der SWR-/Tagesschau-Bericht dokumentiert, ist die fehlende Trennung von Sportwetten und virtuellen Automatenspielen. Die Journalisten zeigen in dem Bericht, dass im Sportwetten-Bereich von Bet365 offensiv für Slots geworben wird. Das wäre eher ein Verstoß gegen den Glücksspielstaatsvertrag, der eine klare Trennung zwischen beiden Angeboten verlangt.
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) will die Vorwürfe untersuchen und gegebenenfalls auch Konsequenzen ziehen.
Stellungnahme von Bet365 keine große Hilfe
Bet365 wollte laut SWR/Tagesschau keine detaillierte Stellungnahme zu den einzelnen Verfahren und Urteilen abgeben. Nur eine allgemeine Stellungnahme bezüglich des Anspruchs, alle Regeln einzuhalten und auf höchstem Niveau zu arbeiten, gab der britische Buchmacher ab.
Was heißt das konkret für deutsche Spieler?
Alle Kunden, die bei Bet365 vor dem Erhalt der GGL-Lizenz Geld verloren haben, können versuchen, über den Rechtsweg Geld zu bekommen. Durch die derzeitige Situation in Malta ist es allerdings enorm schwierig, das Geld tatsächlich zu erhalten, auch mit einem günstigen Urteil.
Allerdings hat der EuGH erst jüngst entschieden, dass bei derartigen Fällen maßgeblich ist, in welchem Land die Angebote zur Verfügung gestellt werden. Das Land des Firmensitzes ist nicht maßgeblich. Diese Rechtsauffassung könnte auch dazu führen, dass die Bill 55 demnächst verschwindet.
Spieler, die bei Bet365 seit 2021 ein höheres Limit als 1.000 € pro Monat eingeräumt bekommen haben, können versuchen, etwaige Verluste einzuklagen, wenn sie davon überzeugt sind, dass ihnen die Limiterhöhung ohne entsprechende Nachweise zugestanden wurde. Auch in diesem Fall ist es ratsam, einen Anwalt zurate zu ziehen.
Fazit: Bet365 könnte Lizenz verlieren durch neuen Skandal
Der britische Buchmacher Bet365 wird oft als Beispiel für einen seriösen und zuverlässigen Wettanbieter genannt. Der aktuelle SWR/Tagesschau-Bericht zeigt aber, dass es auch eine dunkle Seite geben könnte. Sollten die Vorwürfe, die in dem Bericht geäußert werden, von der GGL bestätigt werden, könnte am Ende sogar ein Lizenzentzug stattfinden. Das wäre der bislang größte Skandal auf dem regulierten deutschen Online-Glücksspielmarkt.
