Anjouan Gaming Lizenz im Kreuzfeuer: Wie legitim sind Offshore-Lizenzen?

Anjouan Gaming Lizenz im Kreuzfeuer

Die indische Insel Anjouan gilt seit einiger Zeit als Geheimtipp für Online-Glücksspielanbieter, die eine schnelle und kostengünstige Lizenzierung suchen. Doch investigative Recherchen der australischen Rundfunkanstalt ABC zeichnen ein düsteres Bild des populären Offshore-Finanzplatzes. Angesichts der neuen Erkenntnisse ist es fraglich, ob die Anjouan Gaming Lizenz nicht zu einem großen Problem für Glücksspielanbieter werden könnte.

Täuschung als Geschäftsmodell?

Auf dem Papier sieht alles ganz einfach aus: Anjouan wirkt wie eine klassische Steueroase. Es gibt keine Unternehmenssteuer, minimale Bürokratie und praktisch keine öffentliche Kontrolle. Für Betreiber von Online-Casinos, Krypto-Plattformen sowie einige Online-Finanzdienstleister scheinen die Voraussetzungen somit hervorragend zu sein. Doch ein Bericht der australischen ABC zeigt, dass die Realität nicht ganz so glamourös ist.

Die Zentralbank der Komoren hat bereits mehrfach vor der Glücksspielbehörde gewarnt. Nach Einschätzung der Zentralbank handelt es sich um fiktive Strukturen, die weder eine physische noch eine rechtliche Existenz in der Union der Komoren haben. Die Glücksspielbehörde von Anjouan existiere demnach rein virtuell und habe keine physische Präsenz. Gewissermaßen werde die Öffentlichkeit über die tatsächlichen Verhältnisse getäuscht.

Im Bericht der ABC bringt ein ehemaliger Beamter der Komoren die Situation auf den Punkt, indem er behauptet, dass die Anjouan-Offshore-Strukturen „keine Realität oder rechtliche Existenz“ in der Union hätten. Vielmehr existiere das Angebot nur, um Menschen und Unternehmen „zu betrügen“.

Wie das Anjouan-System wirklich funktioniert

Das Geschäftsmodell ist überraschend transparent. Unternehmen, die eine Lizenz bei der Glücksspielbehörde von Anjouan beantragen, werden an ein Unternehmen namens Anjouan Corporate Services verwiesen. Dieses Unternehmen bezeichnet sich als „einziger autorisierter Agent“ der Anjouan Offshore Finance Authority (AOFA).

Eine Website mit zahlreichen Tippfehlern, sogar in der E-Mail-Adresse, kann wohl als dezenter Hinweis darauf gewertet werden, dass nicht alles so seriös und perfekt ist, wie der Dienstleister behauptet. Die angegebene Gesetzesgrundlage stammt aus dem Jahr 2005.

Anjouan Corporate Services listet weder Vorstandsmitglieder noch einen Geschäftsführer auf. Als einzige Person wird ein gewisser „Toby S“ genannt, der als Berater fungiert und eine Telefonnummer mit der Landesvorwahl der Vereinigten Arabischen Emirate verwendet.

Auf Anfrage der ABC bekundete die „Finanzielle Geheimdienstbehörde der Komoren“, dass Anjouan Corporate Services illegal operiere. Sollte sich das bestätigen, wäre es ein handfester Skandal, der Folgen für zahlreiche Lizenzinhaber hätte.

Die Millionen-Maschine: Anjouan Licensing Services Inc. im Zentrum

Die Recherchen der ABC legen nahe, dass die Anjouan Licensing Services Inc. (ALSI), die 2023 gegründet wurde und nach eigenen Angaben über 1.300 Glücksspiel-Lizenzen vergeben hat, sogar noch problematischer ist. Bei Lizenzgebühren von etwa 17.000 € könnte das Unternehmen nach Schätzungen der ABC etwa 22 Millionen € jährlich verdienen. Das alles würde nach Einschätzung der ABC ohne echte Regulierung, ohne Aufsicht und ohne Legitimation erfolgen.

Die ABC-Ermittlungen zeigen zudem, dass es weitere problematische Verbindungen geben könnte. Bei der Überprüfung der Domainregistrierungen tauchten Verknüpfungen zu Fast Offshore, einer internationalen Unternehmensberatung, die vom Kanadier Ron Mendelson geführt wird, auf. Mendelson bewirbt Anjouan als kostengünstige Glücksspieljurisdiktion.

Mendelson hat diverse Artikel veröffentlicht, in denen er die Geschwindigkeit, die niedrigen Gebühren und die niedrigen Compliance-Anforderungen hervorhebt. Zudem ist Mendelson auf Glücksspiel-Konferenzen eine bekannte Figur. Es steht darüber hinaus nach Erkenntnissen der ABC in Kontakt mit Personen, die mit Anjouan Corporate Services in Verbindung stehen.

Das schwarze Loch im iGaming: Casinos ohne echte Kontrolle

Es ist kein Geheimnis, dass die Anjouan-Lizenz keine hohen Anforderungen an Lizenzinhaber stellt. Der ABC-Bericht legt allerdings nahe, dass es tatsächlich so gut wie keine Anforderungen gibt. Für die Lizenzinhaber dürfte es aber besonders problematisch sein, dass die Lizenz, wenn die ABC recht behält, nicht einmal wirklich existiert, da es sich um ein fiktives Lizenzmodell ohne offizielle Anerkennung handelt.

Für die Glücksspielanbieter, die mit Anjouan-Lizenz unterwegs sind, könnte dies unangenehme Auswirkungen haben. Die ABC berichtet von zahlreichen Online-Casinos in Australien, die mit Anjouan-Lizenz agieren. Die Casino-Betreiber hätten zudem bekannte UFC-Fighter gesponsert und lokale Influencer eingebunden, um ihre Angebote zu bewerben.

Eine problematische Rolle könnten auch einige Zahlungsdienstleister spielen, die auf Nachfrage von ABC sehr schnell die Kooperation mit diversen Anjouan-Casinos beendeten, aber auf die ABC-Anfragen ansonsten jedoch nicht reagierten.

Die globale Erkenntnis: Warnsignale für Payment Provider

Online-Casinos, die nicht ordentlich reguliert werden, sind in erster Linie für die Spieler problematisch. Aber auch Zahlungsdienstleister und B2B-Partner setzen sich einer massiven Gefahr aus. Eine Folge der ABC-Recherchen könnte sein, dass diverse Zahlungsdienstleister ihre Zusammenarbeit mit Anjouan-Casinos einstellen.

Allerdings wird das nicht dazu führen, dass die Anjouan-Casinos komplett verschwinden, denn im Zweifel ist es immer möglich, dezentrale Kryptowährungen zu nutzen. Aber ohne klassische Zahlungsdienstleister würden die Umsätze der Anjouan-Casinos wahrscheinlich spürbar sinken.

Warum funktioniert das System immer noch?

Obwohl die Komoren-Zentralbank bereits mehrere Warnungen ausgesprochen hat, existiert die Anjouan-Lizenz mit ihrer fragwürdigen Struktur immer noch. Das dürfte hauptsächlich daran liegen, dass die administrative Struktur von Anjouan und den Komoren überschaubar ist. Es ist wohl kein Zufall, dass sich die Anbieter der Anjouan-Lizenz genau diesen Standort ausgesucht haben.

Fazit: Anjouan Gaming Lizenz steht für größeres Problem im iGaming

Die Recherchen der australischen ABC zeichnen ein erschreckendes Bild. Aber ist jemand tatsächlich überrascht über die neuen Erkenntnisse? Über Jahrzehnte gab es eine Curaçao-Lizenz, die zwar vollkommen legitim war, aber praktisch kaum Beschränkungen und Kontrollen für Lizenzinhaber umfasste. Die Anjouan-Lizenz ist inhaltlich der Nachfolger der alten Curaçao-Lizenz.

Curaçao hat mittlerweile ein deutlich strengeres Lizenzsystem mit höheren Kosten, sodass viele Glücksspielanbieter nach einer Alternative suchen. Die ABC-Enthüllungen könnten allerdings dazu führen, dass der Wert der Anjouan-Lizenz deutlich sinkt, denn einige Zahlungsdienstleister werden sich gut überlegen, ob sie weiterhin mit Glücksspielanbietern mit Anjouan-Lizenz kooperieren werden.

Roman hat schon recht früh angefangen, Videospiele zu spielen. Wie früh? Nun, sagen wir mal, als die Nintendo 64 herauskam, und kurz darauf wurden GoldenEye 007 und Perfect Dark jahrelang zu einem Fixpunkt seines Alltags. Im Laufe der Jahre hat sich Romans Leidenschaft für Spiele auf anderen Konsolen und auch auf das Internet ausgeweitet, wo er die faszinierende Welt der Online Slots, Live Casinos, Poker und Wetten entdeckt hat. Seit über 6 Jahren arbeitet er nun schon mit den besten Plattformen und Software Anbietern zusammen und trägt dazu bei, dass die Branche auf verantwortungsvolle und respektvolle Weise weiterwächst. So ist er schlussendlich bei Gameshub gelandet.