Die britische Regierung erwägt ein weitreichendes Verbot für Sponsoring-Deals zwischen Fußballvereinen und Glücksspielunternehmen ohne britische Lizenz. Ziel ist es, den Einfluss illegaler Wettanbieter einzudämmen und Verbraucher besser zu schützen. Kulturministerin Lisa Nandy betonte, es sei problematisch, wenn nicht lizenzierte Anbieter über prominente Partnerschaften mit Top-Klubs Sichtbarkeit gewinnen und Fans auf Plattformen lenken, die nicht den regulatorischen Standards entsprechen.
Die geplanten Maßnahmen sollen im Frühjahr in eine öffentliche Konsultation gehen und sind Teil einer breiteren Strategie gegen den Schwarzmarkt im Glücksspielsektor. Gleichzeitig will die Regierung Wettbewerbsnachteile für regulierte Anbieter reduzieren, die strengere Auflagen erfüllen müssen.
Sponsoring als Einfallstor für illegale Anbieter
Aktuell dürfen englische Fußballvereine Sponsoren ohne britische Lizenz akzeptieren, solange deren Plattformen offiziell nicht für britische Spieler zugänglich sind. Behörden befürchten jedoch, dass Werbung dennoch Aufmerksamkeit erzeugt und Konsumenten indirekt zu illegalen Angeboten führt.
Besonders kritisch sehen Regulierer fehlende Schutzmaßnahmen bei unregulierten Plattformen. Dazu zählen:
- keine verpflichtenden Prüfungen finanzieller Risiken
- fehlende Selbstsperr-Systeme für gefährdete Spieler
- geringere Transparenz bei Spielerschutz und Compliance
Diese Unterschiede verstärken laut Regierung das Risiko für Verbraucher und untergraben den regulierten Markt.
Premier League unter Druck: Geld vs. Regulierung
Die Diskussion trifft die Vereine an einem sensiblen Punkt. Glücksspiel-Sponsoring zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen im Profifußball. Laut Premier League generierten allein Trikot-Front Sponsoren aus der Branche bei acht Klubs rund 60 Millionen Pfund jährlich.
Zwar hat die Liga 2023 angekündigt, Trikot-Front Werbung für Glücksspielanbieter bis zum Ende der Saison 2025/26 abzuschaffen, doch andere Werbeformen bleiben erlaubt. Dazu gehören Ärmel-Sponsoring oder Bandenwerbung im Stadion – Bereiche, die Kritiker ebenfalls stärker regulieren wollen.
Bereits im vergangenen Jahr erhielten Vereine wie Bournemouth, Fulham und Burnley Warnungen der Gambling Commission wegen Sponsoring-Partnerschaften mit Plattformen, die mit TGP Europe verbunden waren. Das Unternehmen hatte zuvor seine britische Lizenz abgegeben, nachdem Ermittlungen Compliance-Mängel und Verstöße gegen Geldwäschevorschriften festgestellt hatten.
Politik und Branche uneins über Folgen
Organisationen für Spielerschutz begrüßen strengere Regeln. Fiona Palmer, CEO von Gamstop, bezeichnete Einschränkungen für unlizenzierte Anbieter als wichtigen Schritt, um deren Sichtbarkeit im Sport zu reduzieren.
Gleichzeitig wächst der Druck auf regulierte Wettunternehmen. Neue Steuermaßnahmen, darunter eine geplante Erhöhung der Abgabe für Online Wetten von 15 % auf 25 % ab 2027, sorgen für Kritik aus der Branche. Große Anbieter warnen, dass höhere Kosten schlechtere Quoten bedeuten könnten und Spieler in Richtung unregulierter Märkte treiben.
Auch die Haushaltsaufsicht erwartet, dass zusätzliche Glücksspielsteuern zwar Milliarden einbringen, ein Teil der Einnahmen jedoch durch Abwanderung in den Schwarzmarkt verloren gehen könnte.
Ein Wendepunkt für Sport-Sponsoring im Glücksspiel
Die geplante Reform könnte das Verhältnis zwischen Sport und Glücksspiel grundlegend verändern. Sollte ein Verbot für Sponsoring durch nicht lizenzierte Anbieter umgesetzt werden, müssten Vereine ihre Partnerschaften neu bewerten und Einnahmemodelle anpassen.
Für die Regierung steht dabei vor allem der Spielerschutz im Mittelpunkt. Für Klubs und Anbieter geht es hingegen um wirtschaftliche Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit. Wie streng die finalen Regeln ausfallen, wird die kommende Konsultation entscheiden und damit auch, wie sichtbar Glücksspiel künftig im englischen Fußball bleibt.
