Als ich für unseren Nioh 3 Test das Spiel starte, hatte ich sofort dieses vertraute Gefühl zurück. Schon die ersten Minuten machten klar, dass Nioh 3 von dir Aufmerksamkeit, Lernbereitschaft und Geduld verlangt. Gleichzeitig spürte ich aber auch sofort, dass sich etwas verändert hat. Dieses Mal geht es nicht nur darum, lineare Level zu meistern. Es geht darum, deinen eigenen Weg durch eine gefährliche, offene Welt zu finden.
Und genau hier beginnt die größte Stärke von Nioh 3: Es ist komplexer, freier und tiefer als seine Vorgänger, aber auch fordernder, wenn du versuchst, es wie ein gewöhnliches Soulslike zu spielen.
Erste Stunden: Überforderung gehört zum Design
Seien wir ehrlich: Die ersten Stunden sind hart. Nicht nur wegen der Gegner, sondern wegen der Systeme. Waffenarten, Haltungen, Ki-Management, Skilltrees, zwei Kampfstile (Samurai und Ninja), Ausrüstungseffekte, Yokai-Fähigkeiten – Nioh 3 wirft dir alles relativ früh vor die Füße.
Mein wichtigster Tipp, den ich mir selbst hätte früher geben sollen: Versuche nicht, alles sofort zu verstehen. Konzentriere dich am Anfang auf eine Waffenart und einen Kampfstil. Ich habe gemerkt, dass der Samurai-Stil für den Einstieg deutlich verzeihender ist. Er ist langsamer, aber kontrollierter und verzeiht kleine Fehler eher als der extrem schnelle Ninja-Stil.
Wenn du dich zu früh zwischen beiden Stilen hin- und herwirfst, verlierst du schnell den Überblick und stirbst häufiger, als nötig wäre.
Das Kampfsystem: Tiefe, die sich erarbeitet werden will

Das Herz von Nioh 3 ist ohne Frage das Kampfsystem. Es ist eines der besten, die das Genre aktuell zu bieten hat. Jeder Kampf fühlt sich wie ein Tanz an: Angriff, Block, Ausweichen, Ki-Puls, Gegenangriff. Wenn du beginnst, diesen Rhythmus zu verstehen, verändert sich das Spiel komplett.
Ein Tipp, der mir enorm geholfen hat: Übe bewusst den Ki-Puls, statt ihn nebenbei mitzunehmen. Viele Kämpfe werden erst dann kontrollierbar, wenn du lernst, dein Ki aktiv zurückzuholen und nicht einfach nur auf Ausdauer zu hoffen. Gerade bei Bossen entscheidet gutes Ki-Management darüber, ob du souverän kämpfst oder panisch ausweichst.
Der Wechsel zwischen Samurai- und Ninja-Stil ist eine der spannendsten Neuerungen. Der Ninja-Stil ist extrem schnell, aggressiv und belohnt präzises Timing, aber er bestraft Fehler gnadenlos. Ich habe ihn erst später intensiv genutzt, als ich die Grundlagen wirklich verinnerlicht hatte. Dann allerdings fühlt sich der Stilwechsel fast wie ein taktischer Trumpf an, mit dem du Kämpfe neu strukturieren kannst.
Die Welt: Offen, aber nicht beliebig

Nioh 3 verabschiedet sich vom streng linearen Missionsdesign früherer Teile und setzt auf große, offene Gebiete mit klaren Schwerpunkten. Du kannst Umwege gehen, optionale Bosse finden oder dich bewusst stärkeren Gegnern stellen, um bessere Beute zu bekommen.
Mein Rat hier: Hab keine Angst davor, auch mal umzukehren. Das Spiel erwartet nicht, dass du jeden Gegner sofort besiegst. Manchmal ist es klüger, einen Bereich später anzugehen, wenn du besser ausgerüstet bist oder neue Fähigkeiten freigeschaltet hast. Diese Freiheit fühlt sich gut an, solange du sie nicht mit Frust verwechselst.
Was mir besonders gefallen hat: Trotz der Offenheit wirken die Gebiete nie leer. Überall gibt es kleine Herausforderungen, Abkürzungen oder gefährliche Gegnergruppen, die dich zwingen, taktisch zu denken. Wer blind hinein rennt, stirbt schnell.
Loot, Ausrüstung und Builds: Weniger ist mehr
Ein häufiger Kritikpunkt, den ich absolut nachvollziehen kann, ist die schiere Menge an Loot. Nioh 3 überschüttet dich regelrecht mit Waffen und Rüstung. Am Anfang habe ich versucht, alles zu vergleichen – ein Fehler.
Mein ehrlicher Tipp: Ignoriere Feintuning in den ersten 15-20 Stunden. Nimm einfach Ausrüstung mit höherem Level, achte grob auf Boni, die zu deinem Spielstil passen, und zerlege oder verkaufe den Rest. Erst später, wenn du weißt, welche Waffenart und welcher Stil dir wirklich liegt, lohnt es sich, Builds gezielt zu optimieren.
Das Spiel wird dadurch deutlich entspannter und du sparst dir unzählige Minuten im Inventar.
Schwierigkeit: Hart, aber fair

Nioh 3 ist schwer, daran gibt es keinen Zweifel. Aber es ist selten unfair. Jeder Tod lässt sich meist auf einen Fehler zurückführen: zu gierig, falsches Timing, Ki leer, Gegner unterschätzt. Genau das macht das Spiel so befriedigend.
Bosskämpfe sind intensiv und verlangen Konzentration. Manche ziehen sich etwas, weil die Lebenspunkte hoch sind, aber sie zwingen dich dazu, die Mechaniken wirklich zu nutzen, nicht nur Ausweichen und Zuschlagen. Wenn du merkst, dass ein Boss dich ständig überrollt, lohnt es sich oft, nicht stärker zu grinden, sondern deine Spielweise zu hinterfragen.
Technik und Präsentation: Zweckmäßig statt spektakulär
Grafisch ist Nioh 3 kein Vorzeigetitel. Die Umgebungen sind atmosphärisch, aber technisch nicht auf absolutem Top-Niveau. Animationen wiederholen sich, Effekte sind funktional statt spektakulär. Für mich ist das aber zweitrangig, denn die Spielmechanik trägt das Erlebnis komplett.
Die Performance ist größtenteils stabil, auch wenn es vereinzelt kleinere Schwächen geben kann. Nichts, was den Spielfluss ernsthaft zerstört.
Kurzer Vergleich: Nioh 3 vs. Nioh 2
Im direkten Vergleich fühlt sich Nioh 3 wie eine konsequente Weiterentwicklung von Nioh 2 an, nicht wie ein kompletter Neuanfang. Das Grundgerüst – präziser Kampf, Ki-Management, hohe Schwierigkeit – ist vertraut, wird aber deutlich erweitert.
Der größte Unterschied liegt in der Struktur der Spielwelt. Während Nioh 2 stark auf klar abgegrenzte Missionen setzte, öffnet Nioh 3 seine Areale spürbar. Du hast mehr Freiheit, mehr optionale Herausforderungen und mehr Möglichkeiten, deinen eigenen Weg zu gehen. Das sorgt für ein stärkeres Abenteuergefühl, kann aber auch überfordern, wenn du die straffe Führung aus Teil 2 mochtest.
Spielerisch ist Nioh 3 komplexer. Der neue Wechsel zwischen Samurai- und Ninja-Stil bringt zusätzliche taktische Tiefe, verlangt aber auch mehr Lernbereitschaft. Nioh 2 war direkter und schneller zugänglich, während Nioh 3 langfristig mehr Möglichkeiten bietet – auf Kosten eines härteren Einstiegs.
Unterm Strich gilt: Nioh 2 ist runder, fokussierter und zugänglicher. Nioh 3 ist größer, ambitionierter und spielerisch tiefer.
Wenn du Teil 2 gemeistert hast und mehr willst, ist Nioh 3 der logische nächste Schritt. Wenn du neu einsteigst, brauchst du deutlich mehr Geduld, wirst dafür aber auch stärker belohnt.
Nioh 3 Test auf GamesHub: Mein Fazit
Wie unser Nioh 3 Test gezeigt hat, ist Nioh 3 kein Spiel, das du nebenbei spielst. Es verlangt Aufmerksamkeit, Lernbereitschaft und die Bereitschaft, Fehler zu machen. Wenn du dich darauf einlässt, bekommst du eines der tiefsten und befriedigendsten Action-RPGs der letzten Jahre.
Es ist größer, komplexer und freier als seine Vorgänger, manchmal vielleicht sogar etwas zu überladen. Aber genau diese Kompromisslosigkeit macht seinen Reiz aus. Nioh 3 will, dass du besser wirst. Nicht dein Charakter – du.
Wenn du Soulslikes liebst, die dich fordern und belohnen, wirst du hier viele großartige Momente erleben. Wenn du hingegen ein entspanntes Abenteuer suchst, ist das hier vermutlich nicht dein Spiel.
| Nioh 3 Test – Meine Bewertung: 4,4 / 5 Sterne Ein herausragendes Action-RPG mit enormer spielerischer Tiefe, kleinen Schwächen bei Übersicht und Loot-Management, aber einem der besten Kampfsysteme des Genres. |
| Pro | Con |
| Extrem tiefes, präzises Kampfsystem | Sehr komplexer Einstieg, der überfordern kann |
| Zwei klar unterscheidbare Spielstile (Samurai & Ninja) | Zu viel Loot und Inventarverwaltung |
| Offene, gut designte Spielwelt mit sinnvoller Freiheit | Technik und Grafik nicht auf absolutem Top-Niveau |
| Hoher Anspruch, aber fairer Schwierigkeitsgrad | Menüs und Systeme teils unnötig verschachtelt |
| Enormer Umfang und Wiederspielwert |
Erscheinungsdatum: 6.2.2026
Plattformen: PS5, PC (via Steam)
