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Cult of the Lamb: Woolhaven Rezension – Ein gnadenlos kalter Test für euren Kult

Ich gebe es offen zu… und das passiert mir nicht oft… aber ich lag damals komplett falsch. Als Cult of the Lamb 2022 erschien, habe ich es ignoriert. Für mich sah es aus wie eines dieser niedlichen Pseudo Pixel RPGs, die man schon hundertmal gesehen hat. Harmlos, verspielt, nichts, was mich wirklich reizen würde. Wie sehr ich mich damit verschätzt habe, wurde mir erst klar, als Freunde mich monatelang bearbeitet haben, dem Spiel doch endlich eine Chance zu geben.

Was ich dann bekam, war kein putziges Abenteuer, sondern ein düsteres, makabres Meisterwerk voller schwarzem Humor, morbider Symbolik und überraschender spielerischer Tiefe. Ich war schneller dabei, als mir lieb war. Stil, Musik und Gameplay griffen so perfekt ineinander, dass Cult of the Lamb für mich zu einem meiner Lieblingsspiele wurde.

Umso größer war die Freude, als Massive Monster mit Woolhaven ein DLC ankündigte, das nicht einfach „mehr vom Gleichen“ sein will. Stattdessen serviert euch die Erweiterung eine kalte, gnadenlose neue Realität. So fordert es euren Kult auf eine Weise heraus, die ihr so bisher nicht kanntet.

Woolhaven: Wenn Überleben wichtiger wird als Glaube

Cult of the Lamb- Woolhaven Rezension ΓÇô Image 2

Mit Woolhaven schlägt Cult of the Lamb einen deutlich härteren Ton an. Die Erweiterung wirft euch nicht einfach in ein neues Gebiet, sondern verändert grundlegend, wie ihr euren Kult führen müsst. Woolhaven ist ein ewiger Winter, und dieser ist kein nettes atmosphärisches Gimmick, sondern ein permanenter Gegner. Kälte ist allgegenwärtig, Ressourcen werden knapp, und plötzlich fühlt sich selbst ein gut etablierter Kult erschreckend fragil an.

Bevor ihr das DLC überhaupt betreten dürft, müsst ihr die vier Bischöfe des Hauptspiels besiegt haben. Das ist kein Zufall, denn Woolhaven setzt voraus, dass ihr die Systeme von Cult of the Lamb versteht. Und selbst dann wird euch die Erweiterung gnadenlos prüfen. 

Felder frieren ein, Nahrung wird knapp, Krankheiten breiten sich schneller aus und der Glaube eurer Anhänger schwindet deutlich rascher. Ihr müsst vorausschauend planen, Vorräte anlegen und neue Rituale sowie Gebäude freischalten, um eure Gemeinde überhaupt am Leben zu halten.

Trotz dieser Härte ist Woolhaven hervorragend designt. Das verschneite Dorf liegt in den Ländern des Alten Glaubens und ist die Heimat der Lämmer, beherrscht von Yngya, der beinahe vergessenen Göttin des Winters. Die bedrückende Atmosphäre, kombiniert mit dem typischen schwarzen Humor der Serie, sorgt dafür, dass sich jeder Fortschritt verdient anfühlt. Woolhaven ist kein gemütlicher Ausflug, sondern eine bewusste Eskalation.

Kultmanagement unter Extrembedingungen

Aufbauend auf dem erbarmungslosen Winterszenario treibt Cult of the Lamb: Woolhaven vor allem das Kultmanagement in neue, deutlich anspruchsvollere Gefilde. Wo ihr euch im Hauptspiel irgendwann eine gewisse Routine erarbeiten konntet, reißt euch die Erweiterung diese Sicherheit gezielt wieder weg. Jeder Tag wird zur Abwägung zwischen Risiko und Notwendigkeit. Wärme, Nahrung und Unterkünfte sind nicht länger selbstverständlich, sondern knappe Ressourcen, die aktiv erarbeitet und abgesichert werden müssen.

Mit Woolhaven kommen zahlreiche neue Systeme hinzu, die sich erstaunlich organisch in den bestehenden Loop einfügen. Neue Gebäude wie Heizstrukturen, spezielle Rituale zur Wärmeerhaltung oder sogar ein Onsen zum Auftauen halb erfrorener Anhänger erweitern eure Möglichkeiten, erhöhen aber gleichzeitig den Verwaltungsaufwand. 

Besonders interessant ist die Einführung von Viehzucht, die langfristige Versorgung ermöglicht, aber ebenfalls Pflege und Planung verlangt. Dadurch fühlt sich euer Kult weniger wie eine perfekt geölte Maschine an, sondern wie eine fragile Gemeinschaft, die von euren Entscheidungen abhängt.

Was Woolhaven hier so stark macht, ist die Konsequenz. Fehler werden nicht verziehen. Schlechte Vorbereitung kann dazu führen, dass euch der Winter schlicht überrollt. Gleichzeitig entsteht genau daraus eine neue emotionale Bindung zu euren Anhängern. Ihr opfert, plant und priorisiert nicht mehr aus Effizienzgründen, sondern um das Überleben eurer Gemeinde zu sichern. Das Management wird persönlicher, stressiger… und genau dadurch deutlich intensiver als zuvor.

Neue Dungeons, schärfere Kämpfe und tödliche Anpassung

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Neben dem fordernden Kultmanagement sorgt Cult of the Lamb: Woolhaven auch auf der kämpferischen Seite für spürbar mehr Biss. Die Erweiterung bringt zwei neue prozedural generierte Dungeons mit sich, die sich klar voneinander abgrenzen und das bekannte Roguelike Gameplay sinnvoll erweitern. 

Ewefall entspricht dabei noch am ehesten den Erwartungen: verschneite Klippen, eisige Gegner und eine bedrückende Kälte, die sich auch spielerisch bemerkbar macht. Positionierung und Tempo werden hier wichtiger, da viele Feinde mit Frost- oder Blitzangriffen arbeiten.

Ganz anders präsentiert sich The Rot. Trotz der winterlichen Rahmenhandlung führt euch dieser Dungeon in eine glutheiße, beinahe höllische Umgebung im Inneren der Berge. Der Kontrast ist nicht nur visuell stark, sondern auch spielerisch relevant. Hier sammelt ihr Rotburn, eine essenzielle Ressource, um eure Kultisten vor dem Erfrieren zu schützen. Die Kämpfe sind deutlich aggressiver, Feind Gruppen dichter und Fehler werden schneller bestraft.

Zusätzlich führen neue Gegnertypen, Waffen und Tarotkarten dazu, dass ihr eure gewohnten Spielweisen überdenken müsst. Besonders interessant sind die „verrotteten“ Anhänger: seelenlos, schlaflos, aber mit begrenzter Lebenszeit. Sie sind taktisch wertvoll, zwingen euch aber zu unbequemen Entscheidungen. Woolhaven macht damit klar: Anpassung ist überlebenswichtig. Stillstand bedeutet Tod.

Rückkehr nach Jahren: Einstiegshürden, Tempo und Balance

So beeindruckend Cult of the Lamb: Woolhaven inhaltlich ist, bringt die Erweiterung auch ganz eigene Einstiegshürden mit sich. Vor allem für euch, wenn ihr das Hauptspiel vor Jahren abgeschlossen habt. Woolhaven setzt konsequent voraus, dass ihr mit allen Systemen vertraut seid: Rituale, Doktrinen, Ressourcenketten und Kampfschleifen werden nicht neu erklärt. Wer länger pausiert hat, steht schnell vor einem Berg aus To-dos, ohne klare Prioritäten. Das kann überfordernd wirken, bevor sich der neue Spielfluss überhaupt entfaltet.

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Auch das Tempo der Erweiterung ist bemerkenswert. Woolhaven ist groß. Vielleicht sogar überraschend groß für ein DLC, das so spät erscheint. Neue Mechaniken, Gebäude und Aufgaben prasseln in kurzer Abfolge auf euch ein, während der Winterdruck konstant steigt. Das erzeugt Spannung, kann aber auch in Stress umschlagen, wenn ihr mit knappen Vorräten startet. Ein frischer New Game Durchlauf kann hier tatsächlich sinnvoller sein als der direkte Sprung in die Kälte.

Technisch bleibt Woolhaven größtenteils stabil, doch vereinzelt treten kleine Unsauberkeiten auf. Gelegentlich verzögern sich Gegner Spawns in Dungeons, was den Spielfluss kurz ausbremst. Auch die Zielvorgaben sind nicht immer eindeutig formuliert, besonders wenn mehrere neue Systeme gleichzeitig greifen.

Unterm Strich fordert Woolhaven nicht nur euren Kult, sondern auch euch als Spieler. Es ist eine Erweiterung, die Geduld, Vorbereitung und Bereitschaft zur Anpassung verlangt. Es ist aber auch kurios, wie diese Eigenschaften es so reizvoll für Fans machen, wobei es für Rückkehrer aber zunächst herausfordernd ist.

Mehr als nur Zusatzinhalt: Woolhaven als echte Weiterentwicklung

Was Woolhaven besonders auszeichnet, ist die Tatsache, dass es sich nicht wie ein klassisches „Mehr davon“ DLC anfühlt. Statt bestehende Systeme lediglich zu dekorieren oder mit kosmetischen Extras zu erweitern, nutzt Massive Monster die Erweiterung, um Cult of the Lamb spürbar weiterzuentwickeln. 

Die neue Winterkulisse verändert nicht nur Zahlenwerte oder Schwierigkeitsgrade, sondern verschiebt den thematischen Fokus des gesamten Spiels. Wo der Haupttitel oft eine morbide Gemütlichkeit ausstrahlte – ein sicherer Kult-Hub zwischen blutigen Kreuzzügen –, ersetzt Woolhaven dieses Gefühl durch permanente Unsicherheit.

Diese Veränderung wirkt erstaunlich organisch. Die neuen Mechaniken greifen ineinander, statt alte Systeme zu verdrängen. Viehzucht, Wärmemanagement und neue Rituale fügen sich nahtlos in den bekannten Tagesablauf ein, sorgen aber dafür, dass selbst erfahrene Spieler ihre Routinen überdenken müssen. Entscheidungen bekommen mehr Gewicht, weil Fehler nicht nur ineffizient, sondern existenzbedrohend sind.

Gleichzeitig bleibt Woolhaven unverkennbar Cult of the Lamb. Der makabre Humor, die niedliche Ästhetik und die moralisch fragwürdigen Entscheidungen sind weiterhin präsent. Sie wirken im Angesicht von Hunger, Kälte und Tod jedoch deutlich schärfer. Diese Balance macht die Erweiterung aber so stark. Denn sie respektiert, was das Hauptspiel ausgemacht hat, und traut sich dennoch, dessen Komfortzone aufzubrechen. Woolhaven fühlt sich dadurch weniger wie ein Nachschlag an, und mehr wie das nächste Kapitel.

Starke Ideen, aber nicht ohne Reibung

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So ambitioniert und inhaltlich reich Cult of the Lamb: Woolhaven auch ist, ganz ohne Schwächen kommt die Erweiterung nicht davon. Ein zentraler Kritikpunkt ist ihre schiere Wucht. Für ein DLC, das Jahre nach dem Hauptspiel erscheint, ist Woolhaven enorm umfangreich. Das kann überwältigend sein. 

Neue Systeme, Gebäude, Rituale, Ressourcen und Bedrohungen greifen gleichzeitig ineinander, ohne dass euch das Spiel immer klar signalisiert, was gerade Priorität haben sollte. Besonders für Rückkehrer kann das schnell in Überforderung umschlagen.

Auch die Balance schwankt stellenweise. Der Winter als permanenter Druckfaktor ist thematisch stark, spielerisch aber nicht immer sauber austariert. Wenn ihr schlecht vorbereitet startet oder mit knappen Vorräten ins DLC geht, kann sich die Anfangsphase eher wie ein Kampf gegen Systeme als gegen sinnvolle Herausforderungen anfühlen. Fehler werden hart bestraft, und nicht jeder Rückschlag fühlt sich lehrreich an.

Hinzu kommen kleinere technische und strukturelle Stolpersteine. Vereinzelte Performance Hänger, verzögerte Gegner Spawns in Dungeons oder unklare Zielbeschreibungen bremsen den Spielfluss gelegentlich aus. Nichts davon ist spielentscheidend, aber in einem ohnehin fordernden DLC summieren sich diese Kleinigkeiten spürbar.

Woolhaven verlangt viel Zeit, Aufmerksamkeit und Geduld. Für Fans ist das Teil des Reizes, für andere kann es jedoch genau der Punkt sein, an dem aus Herausforderung Frust wird.

Ein letzter Atemzug vor dem Winter

Nach vielen Stunden in Cult of the Lamb: Woolhaven bleibt vor allem ein Eindruck hängen: Diese Erweiterung will euch fordern, und zwar bewusst. Sie nimmt die vertrauten Systeme des Hauptspiels, entzieht ihnen den Komfort und zwingt euch, jede Routine zu hinterfragen. Nichts läuft mehr nebenbei. Jeder Fehler, jede schlechte Vorbereitung kann echte Konsequenzen haben, und genau darin liegt sowohl die größte Stärke als auch die größte Hürde von Woolhaven.

Für mich fühlte sich das DLC weniger wie ein entspannter Wiedereinstieg an, sondern wie ein Prüfstein. Die kalte Umgebung, der konstante Ressourcenmangel und die Vielzahl neuer Mechaniken erzeugen ein Gefühl permanenter Anspannung. Gleichzeitig hatte ich immer wieder Momente, in denen alles klickte: wenn ein gut vorbereiteter Winter überstanden war, wenn neue Systeme ineinandergriffen oder wenn ein Dungeon Run nicht nur Beute, sondern echte Erleichterung brachte.

Woolhaven will von eure komplette Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, auch Rückschläge zu akzeptieren. Wer sich darauf einlässt, erlebt eine Erweiterung, die weit über kosmetische Inhalte hinausgeht und Cult of the Lamb spürbar weiterdenkt. Wer hingegen auf einen lockeren Nachschlag gehofft hat, könnte sich überrollt fühlen.

Woolhaven ist also kein klares DLC, das euch abholt. Es stellt euch vor die Wahl, euch anzupassen oder zu scheitern. Und genau damit bereitet es den Boden für ein Fazit, das klarer kaum sein könnte.

Fazit

Cult of the Lamb: Woolhaven ist eine Erweiterung, die keine halben Sachen macht. Sie fordert euch heraus, überfordert euch stellenweise bewusst und bricht mit der trügerischen Gemütlichkeit des Hauptspiels. Statt sicherem Ritual Alltag erwartet euch ein gnadenloser Überlebenskampf gegen Kälte, Ressourcenknappheit und eigene Fehlentscheidungen. Genau darin liegt ihre größte Stärke: Woolhaven fühlt sich wie eine echte Weiterentwicklung an, nicht wie ein bloßer Zusatzinhalt.

Die neuen Gebiete, Dungeons und Mechaniken greifen sinnvoll ineinander und verleihen dem Kultmanagement wie auch den Kämpfen spürbar mehr Gewicht. Gleichzeitig ist das DLC nicht frei von Reibung. Die schiere Menge an Systemen, die hohe Einstiegshürde für Rückkehrer und kleinere technische Unsauberkeiten können den Spielfluss bremsen. Woolhaven verlangt Vorbereitung, Geduld und die Bereitschaft, auch mal zu scheitern.

Wenn ihr Cult of the Lamb liebt und nach einer echten Herausforderung sucht, ist Woolhaven nahezu ein Pflichtkauf. Es vertieft Themen, schärft Systeme und beweist, wie mutig Massive Monster mit dem eigenen Spiel umgeht. Erwartet ihr jedoch einen entspannten Nachschlag, solltet ihr euch warm anziehen, denn dieser Winter ist lang, hart und absolut kompromisslos.

VorteileNachteile
Massiver Umfang: Woolhaven bietet neue Gebiete, Dungeons, Gegner, Bosse und Mechaniken, die sich wie ein echtes Kapitel anfühlen.Hohe Einstiegshürde: Besonders Rückkehrer können sich von den vielen neuen Systemen schnell überfordert fühlen.
Spürbare Weiterentwicklung: Die Erweiterung verändert das Spielgefühl nachhaltig und geht weit über kosmetische Inhalte hinaus.Harter Schwierigkeitsgrad: Schlechte Vorbereitung wird gnadenlos bestraft, was frustrierend sein kann.
Starkes Winter Setting: Kälte, Ressourcenknappheit und Atmosphäre greifen thematisch und spielerisch hervorragend ineinander.Unklare Zielvorgaben: Neue Aufgaben und Mechaniken werden nicht immer sauber erklärt.
Neue Dungeons mit Identität: Ewefall und The Rot unterscheiden sich deutlich und bringen frische Kampfanforderungen.Vereinzelte technische Hänger: Verzögerte Gegner-Spawns oder kleine Performance Probleme stören gelegentlich den Flow.
Typischer Cult of the Lamb Charme: Schwarzer Humor, Stil und Musik bleiben auf gewohnt hohem Niveau.

Plattformen: PC, PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch

Entwickler: Massive Monster

Publisher: Devolver DigitalRelease-Datum: 22. Januar, 2026 (DLC-Erweiterung für Cult of the Lamb)

Roman hat schon recht früh angefangen, Videospiele zu spielen. Wie früh? Nun, sagen wir mal, als die Nintendo 64 herauskam, und kurz darauf wurden GoldenEye 007 und Perfect Dark jahrelang zu einem Fixpunkt seines Alltags. Im Laufe der Jahre hat sich Romans Leidenschaft für Spiele auf anderen Konsolen und auch auf das Internet ausgeweitet, wo er die faszinierende Welt der Online Slots, Live Casinos, Poker und Wetten entdeckt hat. Seit über 6 Jahren arbeitet er nun schon mit den besten Plattformen und Software Anbietern zusammen und trägt dazu bei, dass die Branche auf verantwortungsvolle und respektvolle Weise weiterwächst. So ist er schlussendlich bei Gameshub gelandet.