Die CDU-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern (MV) hat eine Erhöhung der Mittel für Spielsuchtprävention vorgeschlagen. Fraktionschef Daniel Peters fordert, dass mindestens 1 Prozent der staatlichen Lottoeinnahmen zweckgebunden für Beratungsstellen und Präventionsmaßnahmen eingesetzt werden. Derzeit sind im Landeshaushalt lediglich 150.000 € für Prävention, Bekämpfung und Erforschung von Glücksspielsucht verfügbar. Andere Länder sind längst weiter als Mecklenburg-Vorpommern.
CDU in Mecklenburg-Vorpommern verlangt bessere Prävention beim Glücksspiel
Im Suchthilfebericht 2024 wird dokumentiert, dass 8.850 Betroffene Hilfe bei 24 Suchtberatungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern gesucht haben. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 290 gestiegen. Allerdings handelt es sich bei den meisten Hilfesuchenden um Menschen, die ein Alkoholproblem haben. Aber auch die Glücksspielsucht ist ein relevantes Problem.
Deswegen möchte die CDU-Fraktion im mecklenburg-vorpommerschen Landtag mehr Geld für Spielsuchtprävention ausgeben. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob der Staat, der mit Steuern und Abgaben erheblich an den Einnahmen aus Lotterien und Casinos teilhat, seinem Schutzauftrag in ausreichendem Maße nachkommt. Speziell in Mecklenburg-Vorpommern gibt es das große Problem, dass zahlreiche Beratungsstellen derzeit unterfinanziert sind.
Bundesländer im Vergleich: Bayern und Hessen als Vorbilder
In Mecklenburg-Vorpommern ist die Situation hinsichtlich der Spielsuchtprävention schlechter als in vielen anderen Ländern. In Bayern gibt es bereits seit 2008 die Landesstelle Glücksspielsucht (LSG), die aus Landesmitteln des Ministeriums für Gesundheit und Pflege finanziert wird. Die LSG koordiniert ein dichtes Netz spezialisierter Beratungsstellen, integriert in bereits bestehende Suchthilfeangebote. Durch die langfristige Haushaltsplanung haben diese Beratungsstellen in Bayern Planungssicherheit. Es ist kontinuierlich Geld für Forschung, Fortbildungen und Online-Projekte verfügbar.
In Hessen gibt es die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS), die das „Landesprojekt Glücksspielsuchtprävention und -beratung“ leitet. In Hessen gibt es 15 Fachberatungen, die für eine flächendeckende Versorgung nach einheitlichen Standards sorgen. Die Politik sorgt seit Jahren, auch mit Zusatzmitteln, dafür, dass das Beratungsnetz ausgebaut und gestärkt wird.
Auch in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Brandenburg findet eine umfassende Spielsuchtprävention mit Landesmitteln und Projektförderungen statt. Nicht alles ist perfekt, aber diese Bundesländer geben wesentlich mehr Geld als Mecklenburg-Vorpommern für die Spielsuchtprävention aus. Auch angesichts der neuen Herausforderungen durch Online-Glücksspielanbieter ist es wichtig, dass die Spielsuchtprävention gestärkt wird.
Spielsucht als Massenphänomen – oder alles gar nicht so schlimm?
Unter Fachleuten besteht kein Zweifel daran, dass es Menschen gibt, die zu einer Spielsucht tendieren. Allerdings gibt es große Zweifel an den teilweise spektakulären Zahlen, die etwa der Glücksspielatlas des Bundesdrogenbeauftragten nennt. Wenn es nach dem Glücksspielatlas 2023 geht, gibt es in Deutschland etwa 4,6 Millionen Erwachsene mit problematischem Spielverhalten. Zudem sollen 1,3 Millionen Spieler eine manifeste Störung haben.
Das würde bedeuten, dass 2,4 % der Bevölkerung eine behandlungsbedürftige Glücksspielstörung hätten. Das scheint doch ein wenig hoch gegriffen zu sein, denn in den Beratungsstellen tauchen längst nicht so viele Menschen auf. Mecklenburg-Vorpommern gibt zwar keine genauen Zahlen zu den Spielsüchtigen, die in den Beratungsstellen Hilfe suchen, an. Aber die Zahl dürfte im niedrigen vierstelligen Bereich liegen.
Gleichwohl ist es wichtig, den Menschen, die eine Spielsucht entwickeln oder bereits ausgebildet haben, Hilfe zukommen zu lassen. Viele Spielsüchtige verlieren buchstäblich Haus und Hof. Dabei werden ganze Familien ruiniert, sodass der Schaden weit über die Betroffenen hinausgeht.
Spielsucht ist ein komplexes Problem – keine einfache Lösung
Die meisten Fachleute vertreten die Auffassung, dass es keine sinnvolle Lösung wäre, Glücksspiele zu verbieten. Beim Glücksspiel ist die Nachfrage derart riesig, dass sofort ein riesiger Schwarzmarkt entstünde, sowohl offline als auch online. Dieses Problem gibt es allerdings auch jetzt schon, denn über die Regulierung des Glücksspiels wird bereits eine starke Spielsuchtprävention bei lizenzierten Anbietern umgesetzt.
Am Beispiel der Online-Casinos lässt sich dies leicht nachweisen. Das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 € schützt Spieler davor, sich in kurzer Zeit komplett zu ruinieren. Dazu gibt es ein Einzahlungslimit von 1 € und eine Einschränkung des Spielangebots auf virtuelle Spielautomaten. Ferner werden Spielpausen und andere Maßnahmen genutzt, um die Spieler vor sich selbst zu schützen.
Das Problem ist nur, dass gerade die Spieler, die anfällig sind für eine Spielsucht, überproportional häufig den legalen Markt verlassen und auf dem Schwarzmarkt spielen. Im Internet ist der Schwarzmarkt riesig, denn es ist extrem schwer, das unlizenzierte Online-Glücksspiel zu bekämpfen.
Der richtige Ansatz ist es deswegen, den Betroffenen möglichst niedrigschwellige Hilfe anzubieten. Jeder Spieler, der sich selbst in Schwierigkeiten bringt oder das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren, sollte möglichst schnell eine Beratungsstelle aufsuchen können. Das setzt aber voraus, dass ein entsprechendes Netzwerk vorhanden ist.
Ein zweiter Aspekt, der auf der politischen Ebene bislang kaum diskutiert wird, ist die Verbesserung des legalen Angebots. Der Spielerschutz ist an sich auf einem sehr hohen Niveau, aber das hilft nichts, wenn es ein paar Klicks weiter oder im Hinterhof-Casino um die Ecke Möglichkeiten gibt, ohne jedweden Spielerschutz riesige Summen zu setzen und zu verlieren.
Glaubwürdigkeit der Politik auf dem Prüfstand
Die CDU gilt gemeinhin als Partei, die der Glücksspielbranche eher offen gegenübersteht. Umso wichtiger ist es, dass die CDU-Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern vorangeht und eine klare Verbesserung beim Spielerschutz fordert. Letztlich sollte es kein Problem sein, 1 Prozent der Einnahmen aus der staatlichen Lotterie für Spielsuchtprävention einzusetzen. Am Ende profitieren davon alle, denn Spielsüchtige, denen nicht geholfen wird, schaden sich selbst, ihrer Familie, ihrem Umfeld und letztlich auch der Allgemeinheit.
