Hat die Konsole endgültig ausgedient? Was vor wenigen Jahren noch wie eine provokante These klang, wird heutzutage viel offener diskutiert. Der Absatz klassischer Xbox-Konsolen geht deutlich zurück, in anderen Bereichen meldet Microsoft hingegen Rekordzahlen. Nicht mehr die Box bestimmt die Richtung, sondern Services, Abos und der Anspruch, überall präsent zu sein. Die Marke Xbox erscheint immer weniger als Gerät und mehr als eine Idee, die auf Bildschirmen aller Art verfügbar ist. Das verändert nicht nur, wie gespielt wird, sondern auch, was eine Konsole künftig noch leisten muss. Und es wirft eine grundlegende Frage auf: Welche Rolle bleibt der Hardware im Xbox-Kosmos überhaupt noch?
Der leise Absturz der Xbox-Hardware
Laut dem offiziellen Geschäftsbericht von Microsoft sind Im abgelaufenen Geschäftsjahr die Xbox-Hardwareverkäufe um fast ein Drittel eingebrochen. Ein Wert, der sich nicht mehr mit schwankender Nachfrage oder dem Alter der Geräte erklären lässt. Die Xbox Series X und Series S spielen im Vergleich zu PlayStation 5 und Switch nur noch eine Nebenrolle. Selbst ältere Hardware wie die ursprüngliche Nintendo Switch verkaufte sich zuletzt besser als die aktuellen Xbox-Modelle.
Besonders deutlich wurde der Trend im Geschäftsjahr 2025. In den USA brachen die Stückzahlen im November um rund 70 Prozent ein, in Großbritannien verzeichnete Xbox das schwächste Jahr ihrer Geschichte. Auch Sony und Nintendo mussten Verluste hinnehmen, doch bei der Xbox fiel der Rückgang deutlich stärker aus. Die Preiserhöhung auf bis zu 599,99 Euro für die Series X verschärfte die Lage zusätzlich und machte das Angebot im direkten Vergleich unattraktiver.
Die jüngsten Entlassungen und Studioschließungen bei Microsoft offenbaren tiefe Risse im Xbox-Fundament. Angesichts gestoppter Projekte und ausbleibender Verkaufszahlen wird die Kritik ehemaliger Manager immer lauter: Hat Microsoft den Glauben an die Konsole verloren? Alles deutet darauf hin, dass es sich hier nicht um eine vorübergehende Flaute handelt, sondern um einen echten strukturellen Wendepunkt.
Xbox überall: Wenn die Konsole zur Nebensache wird
Mit dem Schlagwort „Xbox überall“ treibt Microsoft einen Kurs voran, der bewusst Abstand von der klassischen Konsolenlogik nimmt. Statt wie früher die einzelne Hardware in den Vordergrund zu stellen, geht es heutzutage um Gerätevielfalt und Reichweite.
Cloud-Gaming wird dabei immer wichtiger. Die gestreamte Spielzeit innerhalb von Xbox Cloud Gaming ist 2025 deutlich gewachsen, vor allem bei Abonnenten des Xbox Game Pass. Nicht nur auf den Konsolen boomt die Cloud, sondern auch auf anderen Geräten ist ein klarer Aufwärtstrend bei der Nutzung erkennbar.
Die Zahlen zeigen, worauf Xbox setzt. Rund 500 Millionen monatlich aktive Nutzer stehen nur etwa 33 Millionen verkauften Series X und S gegenüber. Gaming findet längst auf PCs, Smartphones, Tablets und Smart TVs statt.
Die Konsole ist nicht länger der Mittelpunkt, sondern lediglich ein Device von vielen. Es sind die Services, die das Geschäft tragen und die Marke in die Zukunft führen. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider. Sinkende Hardware-Einnahmen werden durch ein konstantes Wachstum im Bereich Content und Abos aufgefangen.
Ein wichtiges Puzzleteil ist „Stream Your Own Game“. Gekaufte Spiele lassen sich direkt aus der Cloud starten, ohne Download und ohne leistungsstarke Hardware. Selbst neue Titel laufen so auf älteren Geräten. Xbox versteht sich damit im Jahr 2026 weniger als Konsole im Wohnzimmer, sondern mehr als Service, der verfügbar ist, sobald ein Bildschirm und ein Account da sind.
Out of the Box: Große Marken denken nicht mehr in kleinen Boxen
Nichts verdeutlicht den Kurswechsel bei Microsoft so sehr wie der Umgang mit den eigenen Spielen. Die Exklusivität, die früher als unumstößliches Fundament galt, wird heute nur noch als Bremsklotz betrachtet.
Angesichts der enormen Produktionskosten von Marken wie Call of Duty oder The Elder Scrolls ist eine Beschränkung auf eine einzige Plattform wirtschaftlich kaum noch vertretbar. Microsoft setzt deshalb konsequent auf Reichweite mit dem Ziel, die hohen Investitionen über eine möglichst breite Spielerbasis zu refinanzieren.
Egal ob PC, Cloud oder die Hardware der Konkurrenz: Das System Xbox versteht sich nicht mehr als geschlossener Club, sondern als offenes Angebot. Phil Spencer untermauerte diese Philosophie mit einem bemerkenswerten Satz:
„Ich versuche nicht mehr, Spieler von einer Plattform wegzuziehen. Es geht darum, ihnen zu erlauben, dort zu spielen, wo sie spielen wollen.“
Mehr als jeder Geschäftsbericht erklärt dieser Satz die neue Realität: Die Exklusivität ist längst kein Ziel mehr, sondern ein abgelegtes Erbe.
User fragen sich: Soll ich mir überhaupt noch eine Xbox kaufen?
Die Frage ist berechtigt und lässt sich heutzutage nicht mehr pauschal beantworten.
Für eine Xbox spricht, dass sie aktuell immer noch die beste Art ist, Xbox-Spiele zu erleben. Wer Wert auf stabile 4K-Darstellung, hohe Bildraten, kurze Ladezeiten und echtes Offline-Gaming legt, ist mit lokaler Hardware klar im Vorteil. Dazu kommen mehrere große Spiele, die für 2026 angekündigt sind, eine große Auswahl an Titeln und praktische Funktionen wie Quick Resume. Zusammen mit dem Xbox Game Pass arbeitet die Konsole gut mit der Cloud zusammen, statt gegen sie.
Dagegen spricht, dass Xbox Gaming längst auch ohne Box funktioniert. Viele Inhalte laufen per Cloud auf PC, Smartphone oder TV. Wer flexibel spielen will und mit Streaming gut zurechtkommt, braucht keine eigene Konsole mehr. Ein Großteil der Xbox-Inhalte ist mittlerweile auch ohne eigene Hardware zugänglich.
Entscheidend ist heute weniger die Marke als die Nutzung. Die Xbox ist kein Pflichtkauf mehr, bleibt aber eine gute Wahl für ambitionierte Gamer.
