Das Warten auf Grand Theft Auto VI nimmt ziemlich bizarre Züge an. Der Veröffentlichungstermin ist mittlerweile sogar schon zum Wettobjekt geworden. Nicht bei klassischen Buchmachern, sondern auf Prognosebörsen wie Polymarket, wo die User echtes Geld auf die Pünktlichkeit von Rockstar Games setzen können. Ein ungewöhnlicher Trend, der verdeutlicht, wie nervös Fans und Investoren auf jedes noch so kleine Anzeichen einer Verzögerung reagieren.
Spekulieren statt Wetten: Das Prinzip Polymarket

Polymarket nutzt die Blockchain-Technologie, um die „Weisheit der Vielen“ in handelbare Kurse zu verwandeln. Die Nutzer kaufen dort Anteile an Vorhersagen mit dem Stablecoin USDC.
Der Clou: Der Preis eines Anteils (zwischen 0 und 1 US-Dollar) zeigt direkt die prozentuale Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses an. Werden die Stimmen lauter, dass GTA VI verschoben wird, spiegelt sich das sekündlich in den fallenden oder steigenden Preisen wider.
Da die Plattform über Smart Contracts läuft, werden Gewinne automatisch und ohne Umwege ausgezahlt, sobald ein Ergebnis feststeht. Von US-Wahlen bis hin zu Gaming-News wird alles zu einem Markt, auf dem gewettet werden kann.
Wetten auf GTA VI: Wie stehen die Quoten bezüglich einer Verschiebung derzeit?
Die Wette auf eine erneute Verschiebung von GTA VI ist auf Polymarket seit Anfang November aktiv. Das kam nicht aus dem Nichts. Auslöser waren Aussagen von Reece Reilly, der damals auf seinem YouTube Kanal die Gerüchte um eine erneute Verschiebung von GTA VI anheizte.
Zu diesem Zeitpunkt rechneten rund 28 Prozent der Nutzer mit einer Verzögerung. Dieses Niveau hielt sich bis zum Jahresende recht stabil. Danach änderte sich das Bild deutlich. Die Quote stieg sprunghaft an. Zwischenzeitlich gingen sogar bis zu 55 Prozent der Marktteilnehmer davon aus, dass Rockstar den Termin nicht halten kann. Aktuell liegt die Einschätzung bei etwa 45 Prozent.
Zusätzlich befeuert wurde die Diskussion durch eine Wortmeldung von Jason Schreier, der sich auf investigative Berichte über die Videospielindustrie spezialisiert hat. Er erklärte, dass viele Publisher ihre Release-Pläne bewusst flexibel halten. Einerseits aus Angst vor einer Verschiebung. Andererseits, um nicht zu nahe an Rockstars Blockbuster zu geraten. Schreier nannte dabei ein brisantes Beispiel: Ein geplantes Halo 1 Remake soll seinen eigentlich idealen Slot verpasst haben, weil es gefährlich nah am aktuellen GTA-Termin lag.
Doch was spricht eigentlich für eine erneute Verschiebung? Und was dagegen?
Was spricht für eine Verschiebung von GTA VI?
Ein Argument taucht in der Debatte um GTA VI immer wieder auf: Der Perfektionsanspruch von Rockstar Games. Qualität steht dort traditionell über jedem Quartalsbericht. Ein technisches Desaster wie zum Start von Cyberpunk 2077 gilt intern als ultimatives Warnsignal, das es um jeden Preis zu vermeiden gilt.
Die Haltung „Lieber spät als unfertig“ hat in der Vergangenheit bereits mehrfach zu massiven Verschiebungen geführt und gehört fest zur Identität des Studios. Hinzu kommen handfeste Berichte über inhaltliche Baustellen. Branchenkenner wie Jason Schreier haben bereits angedeutet, dass zentrale Spielmechaniken lange nicht final waren.

Auch die Reaktion der Konkurrenz spricht Bände. Wenn große Publisher ihre eigenen Release-Termine bewusst vage halten, ist das mehr als bloße Vorsicht. Es zeigt ein tiefes Misstrauen der Industrie in die Stabilität des angekündigten Zeitplans.
Dazu kommen interne Turbulenzen bei Rockstar selbst. Berichte über die Entlassung von mehreren Dutzend Mitarbeitern, angeblich im Zusammenhang mit Leaks oder internen Konflikten um die Rückkehr zur Präsenzpflicht, werfen Fragen auf.
Solche Einschnitte in der heißen Phase kosten wertvolle Zeit und drücken auf die Moral des Teams. Nicht zuletzt fällt das ohrenbetäubende Schweigen von offizieller Seite auf. Da noch immer eine echte Gameplay-Demo fehlt, wird in Foren bereits offen über einen Release im Jahr 2027 spekuliert, zumal die volle Produktion erst 2020 richtig Fahrt aufgenommen haben soll.
Der Termin steht und vieles spricht dafür
Ein gewichtiges Gegenargument ist der massive wirtschaftliche Druck. Take-Two Interactive ist auf die Umsätze im aktuellen Wirtschaftsjahr angewiesen, um die hohen Investitionskosten der letzten Jahre zu rechtfertigen.
Ein Release am 19. November 2026 fällt strategisch perfekt in das lukrative Weihnachtsgeschäft und ist für die Bilanz, das Vertrauen der Investoren und den Aktienkurs sehr wichtig. CEO Strauss Zelnick betonte zuletzt mehrfach die Zuversicht, in den Jahren 2026 und 2027 neue Rekordumsätze zu erzielen. Dieses Versprechen wäre ohne GTA VI kaum haltbar.
Auch die offizielle Kommunikation spricht für den pünktlichen Release. Rockstar Games hat den Termin nach der Verschiebung vom Mai 2026 nun sehr spezifisch auf den November fixiert. Die marketingtechnische Maschinerie läuft bereits: Mit der Pflege von YouTube-Playlists und der Vorbereitung neuer Trailer deutet alles darauf hin, dass die Produktion in die heiße Phase der Finalisierung eingetreten ist.
Inhaltlich scheint das Projekt zudem weit fortgeschritten. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Kerninhalte nahezu abgeschlossen sind und der Fokus jetzt auf dem technischen Feinschliff liegt. Bis November bleibt dafür ein ausreichendes Zeitfenster. Ein Blick auf die Studiogeschichte untermauert das, denn große Titel wie etwa GTA V oder Red Dead Redemption 2 hielten ihre finalen, konkret benannten Termine nach vorangegangenen strategischen Anpassungen stets ein.
Zwischen Hype und harten Fakten
Prognosemärkte wie Polymarket liefern zwar spannende Einblicke in die Fan-Psychologie, sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. In Deutschland fehlen diesen Plattformen oft die notwendigen Lizenzen. Neben der Gefahr eines finanziellen Totalverlusts mangelt es zudem an gängigen Schutzmechanismen.
Wer sein Budget für GTA VI plant, sollte das Geld wohl besser für das Game selbst aufheben und nicht einfach auf unregulierten Marktplätzen verzocken.
